Wo gibt es weiße Lücken im öffentlichen Wurster Personennahverkehr? Bürgermeister Marcus Itjen (von links), sein allgemeiner Verwaltungsvertreter Michael Göbel und Jasmin Weissbrodt, Fachgebietsleiterin für den Bereich ÖPNV beim Landkreis Cuxhaven, hoffen, dass sie zumindest einige davon mit einem kleinen E-Fahrzeuge-Fuhrpark schließen können. Foto: Leuschner
Wo gibt es weiße Lücken im öffentlichen Wurster Personennahverkehr? Bürgermeister Marcus Itjen (von links), sein allgemeiner Verwaltungsvertreter Michael Göbel und Jasmin Weissbrodt, Fachgebietsleiterin für den Bereich ÖPNV beim Landkreis Cuxhaven, hoffen, dass sie zumindest einige davon mit einem kleinen E-Fahrzeuge-Fuhrpark schließen können. Foto: Leuschner
Individuell und elektrisch

Wurster Nordseeküste: Förderprogramm soll Verkehrslücken schließen

22.09.2020

DORUM. Wo gibt es weiße Lücken im öffentlichen Wurster Personennahverkehr? Ein Förderprogramm soll die Verkehrslücken schließen.

Ein E-Auto als Einkaufshilfe für die gesamte Nachbarbarschaft. Ein Firmenwagen, den mehrere Betriebe und Vereine gemeinsam nutzen. E-Mofas, mit denen sich Jugendliche das Elterntaxi sparen. Keine Utopie, sondern drei von vielen Denkmodellen, die die Gemeinde Wurster Nordseeküste verwirklichen könnte. Möglich macht es das Förderprogramm "LandMobil - Unterwegs in ländlichen Räumen", das ein individuelles und umweltfreundliches Mobilitätskonzept für die Kommune unterstützt - bis hin zur Anschaffung der entsprechenden E-Fahrzeuge. Doch ohne die Gemeindebewohner rollt hier gar nichts.

Insgesamt rund 180.000 Euro stellen das Land Niedersachsen und der Landkreis der Gemeinde Wurster Nordseeküste als einzige Cuxland-Kommune bis Ende 2022 zur Verfügung, um den Bereich der öffentlichen Mobilität der Gemeindebewohner zu verbessern. "Wir können CO2-freie Beförderungsmöglichkeiten und neue Verbindungen bis über die Gemeindegrenzen hinaus schaffen", freut sich Jasmin Weissbrodt, Fachgebietsleiterin für den Bereich Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) beim Landkreis Cuxhaven.

Keine Konkurrenz für Taxen

Lücken gibt es durchaus, schließlich wurde das öffentliche Nahverkehrsnetz in den zurückliegenden Jahren gerade im Wurster Land deutlich ausgedünnt. Zwar werden zahlreiche klassische Buslinien heute vom Anrufsammeltaxi-Service (AST) bedient. Das AST funktioniert nach Bedarf und Anmeldung, hat aber immer noch nicht den Bekanntheitsgrad und die Anerkennung, die sich die beiden Taxiunternehmen Taxiruf Land Wursten von Jörg Johanns aus Dorum sowie Taxi Töllner aus Nordholz wünschen.

Ihnen soll "LandMobil" auch keine Konkurrenz machen, stellen Bürgermeister Marcus Itjen und sein allgemeiner Verwaltungsvertreter Michael Göbel klar. Vielmehr soll das neue Projekt noch verbleibende Lücken füllen. Das könnte zum Beispiel ein E-Auto sein, mit dem eine Einkaufsnachbarschaftshilfe leichter realisiert werden kann. Oder ein Minibus, der dann ehrenamtlich Fahrdienste übernehmen könnte - auch in Gebiete, die außerhalb der eigenen Kommune liegen. In Betracht kommen aber auch E-Mofas, die vor allem die Mobilität von Jugendlichen stärken sollen. Oder ein E-Auto, das sich mehrere kleine Unternehmen als Dienstwagen teilen.

Bürger sind gefragt

"Das Besondere an dem Projekt ist, dass es ein Finanzvolumen, aber kein fertiges Konzept gibt", erklärt Itjen. Hier kommen die Wurster Bürger ins Spiel: Sie sind aufgerufen, in einer öffentlichen Veranstaltung am Mittwoch, 23. September, in Dorum ihre Mobilitätswünsche und -vorstellungen zu äußern. Fragen gibt es viele: Wo und wann hakt es in der Gemeinde Wurster Nordseeküste besonders im öffentlichen Nahverkehr? In welchen Orten gibt es die größten Defizite im Verkehrsnetz? Welche Fahrzeugabstell- oder -sammelpunkte sind den Wurstern wichtig?

Von den Vorschlägen der Bürger wird es abhängen, wie viele und welche Fahrzeuge letztlich angeschafft werden können und welche zusätzliche Logistik (etwa Ladesäulen) davon finanziert werden muss. Fakt ist, dass von dem Geld zeitlich befristet auch ein Projektkoordinator eingestellt wird. Zu seinen Aufgaben wird es gehören, die Ideen der Bürger zu einem Konzept zusammenzufassen, die Beschaffung der Fahrzeuge zu begleiten, eine gewisse Anzahl fester Mieter (Ankermieter) zu suchen, mit denen sich die Betriebskosten auf lange Sicht aus eigener Kraft finanzieren lassen, und die Fahrtenbücher zu überprüfen.

Auf die lange Bank geschoben werden soll "LandMobil" jedenfalls nicht. Geht es nach Jasmin Weissbrodt, könnte das erste Fahrzeug bereits Anfang kommenden Jahres angeschafft werden. "Vorausgesetzt, wir haben bis dahin ein Konzept."

Auf einen Blick

Was: Auftaktveranstaltung "LandMobil - Unterwegs in ländlichen Räumen"

Wann: Mittwoch, 23. September, 18.30 Uhr

Wo: Ev.-luth. Gemeindehaus in Dorum, Speckenstraße 5

Adressaten: Alle Bürger, die Vorschläge zum Thema E-Mobilität in der Gemeinde haben

Anmeldungen: Telefon (0 47 42) 8 70 oder E-Mail gemeinde@gwnk.de

Von Heike Leuschner

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