Erst Ungewissheit, dann Jubel: Otterndorf hat einen neuen Weltmeister
Der Otterndorfer Christopher tom Wörden hat mit dem deutschen Doppelvierer bei der U19-WM in Plowdiw Gold gewonnen. Als Schlagmann führte der 17-Jährige sein Boot zu einem hauchdünnen Sieg.
Kein Jubel, pure Erschöpfung. Fast emotionslos überquert der deutsche Doppelvierer bei der U19-Ruder-Weltmeisterschaft im bulgarischen Plowdiw die Ziellinie. Ganz vorn im Boot sitzt der 17-jährige Christopher tom Wörden. Er führt das deutsche Boot als Schlagmann an. Was er und seine Mitstreiter beim Zieleinlauf noch nicht wissen: Sie haben soeben die Goldmedaille für Deutschland bei der WM geholt. Erst einige Sekunden später bekommen sie die Information über die Zeitmonitore. Mit nur drei Zehntelsekunden Vorsprung vor Polen sicherten sich tom Wörden und Co. den Titel. Ab diesem Zeitpunkt gab es auf uns am Wasser kein Halten mehr. Die vier Ruderer im Boot schrien ihre Freude heraus, an Land ließ sich der Otterndorfer Trainer Martin Ramm von seinen Kollegen beglückwünschen und auf der Tribüne feierte die Familie von Christopher tom Wörden. "Es ist einfach krass", sagt Martin Ramm wenige Augenblicke nach dem Titelgewinn.

In einer unglaublichen Zeit von 5:53,52 Minuten absolvierte das deutsche Siegerboot die 2000-Meter-Strecke. So schnell wie noch nie zuvor in der Konstellation. Auf den Medaillenplätzen folgten Polen und Dänemark, die am Ende fast noch das deutsche Boot einholten. Das fuhr das Rennen nämlich von Beginn an von vorn. Vom Start weg waren der Otterndorfer Christopher tom Wörden, Philipp Prüfer (USV TU Dresden), Jakob Gelsen (Frankfurter RG "Germania" 1869) und Anori Benz (RG München) aggressiver als im Vorlauf und im Halbfinale. Das war der Plan. An der 750- und 1250-Meter-Marke sollten zusätzliche Akzente gesetzt werden. Mit Erfolg. Das deutsche Boot setzte sich ab, lag bei Rennhälfte eine Sekunde vor Polen. Diesen Vorsprung hielten sie bis zur Ziellinie, auch wenn die Boote aus Polen und Dänemark gefährlich nah kamen. Es war eines der spannendsten Rennen der diesjährigen WM. Und mittendrin waren zwei Otterndorfer. "Ich habe das alles immer noch nicht realisiert", gibt Ramm auch einige Stunden nach dem Rennen zu. Er ist so etwas wie der Vater dieser Otterndorfer Erfolgsgeschichte, die mit dem jetzigen WM-Gold von Christopher tom Wörden ihren nächsten Höhepunkt erreicht hat. Das Besondere: tom Wörden gehört als einziger deutscher Athlet des Doppelvierers noch zum jüngeren Jahrgang. Umso höher ist auch die persönliche Leistung des 17-Jährigen einzuschätzen. "Er ist die Lebensversicherung für jedes Boot", sagt sein Trainer Martin Ramm. Seine außergewöhnlichen Fähigkeiten hat er an den vergangenen Tagen zusammen mit seinen drei Mitruderern eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

"Ich bin schon sehr stolz", sagt Christopher tom Wörden. Der U19-WM-Titel ist der größte Erfolg, den ein Ruderer in der Altersklasse überhaupt erreichen kann. Tom Wörden hat ihn in der Tasche. Obwohl er direkt nach dem Rennen davon ausgegangen ist, dass es "nur" für Platz zwei gereicht hat. "Die Schiedsrichterin hat uns auf dem Wasser gesagt, dass wir Zweiter geworden sind. Zudem haben sich die Polen so sehr gefreut", so der Otterndorfer. Es dauerte eine knappe Minute, bis sie sich korrigierte. Das deutsche Boot lag doch ein paar Zentimeter in Front beim Zieleinlauf. Auf dem Wasser haben die vier Deutschen dann noch ausgelassen losgejubelt. "Wir waren komplett am Anschlag. Umso schöner, dass sich die harte Arbeit gelohnt hat", sagte tom Wörden. In seinem Kopf herrschte erst einmal pure Freude. Zudem fiel ein enormer Druck von ihm ab. "Ich musste erst einmal runterkommen", sagt er. Das tat er am Nachmittag mit Mutter, Vater und Schwester, die das gesamte Wochenende vor Ort waren. Am Sonntagabend wird dann im Kreise der gesamten Nationalmannschaft gefeiert. "Dann gönne ich mir eine schöne, genüssliche Cola", so tom Wörden schmunzelnd. Am Montag geht der Flieger zurück nach Berlin, ehe er zusammen mit seinem Trainer Martin Ramm zurück in die Heimat Otterndorf fährt. In den darauffolgenden zwei bis drei Wochen steht ganz viel Entspannung auf dem Programm. "Dann will ich erst mal mit Rudern nichts zu tun haben", sagt tom Wörden. Es folgen ein paar Spaßregatten im September, bevor der harte Trainingsalltag wieder losgeht. "Jetzt kommt aber erst mal der spaßige Teil", sagt er. Auf den freut er sich. Und den hat er sich als Weltmeister mehr als verdient.
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