Fest der Fäuste: Hemmoor bebt beim Boxkampf
In der Hemmoorer Sporthalle (Landkreis Cuxhaven) verfolgten über 500 Zuschauer die Boxkämpfe. Junge Talente und erfahrene Kämpfer boten packende Duelle, die Mut und Technik bewiesen und die Halle zum Beben brachten.
Schweiß, Spannung, Schlagkraft - aus jeder Ecke schallten Anfeuerungsrufe. Jeder Gongschlag saß wie ein Jab auf den Puls, jeder saubere Treffer ließ die über 500 Zuschauer jubeln. Das Boxmeeting in der Sporthalle am Gymnasium war kein Sportabend - es war ein Kampfabend. Ein Hexenkessel.
Boxer aus Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein
19 Amateurkämpfe, verteilt auf Alters- und Gewichtsklassen, lieferten alles, was Boxen ausmacht: Mut, Technik, Wille. Im Ring standen nicht nur erfahrene Athleten, sondern vor allem der Nachwuchs. Boxer aus Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein maßen ihre Kräfte. Sogar der Sportring Garath Düsseldorf war erneut angereist - ein klares Zeichen für die Strahlkraft des Events.
Vier Kämpfer schickte der gastgebende SC Hemmoor zwischen die Seile. Besonders im Fokus: Die Issa-Brüder Hussein und Haydar, beide mit dem festen Willen vor heimischem Publikum einen starken Kampf zu machen. Hussein Issa (Mittelgewicht) musste den Kampf jedoch vorzeitig beenden, Naif Hiso vom TV Leer ging als Sieger hervor. Bruder Haydar Issa (Weltergewicht) boxte mit unbändigem Kampfeswillen, fand jedoch in Leon Weiß von der Boxfabrik Stade einen taktisch starken Gegner und blieb trotz beherztem Auftritt ohne Sieg.

Hemmoorer kann Kampf für sich entscheiden
Kämpferisch und lautstark ging es bei Landing Demba zu. Im Halbschwergewicht traf er auf Atilla Sener vom HBC Heros Hamburg. Ein unbequemer Gegner, der Druck machte, Räume nahm - und am Ende den Kampf für sich entschied. Jubel brandete dagegen bei Max Schultz auf. Der Hemmoorer lieferte sich im Halbschwergewicht mit Oskar Krause (BSV Buxtehude) einen offenen Schlagabtausch. Kein Zurückweichen, kein Abtasten - Schultz setzte die entscheidenden Akzente und holte sich einen knappen, aber verdienten Punktsieg.

Rot-Weiss Cuxhaven schickte zwei junge Boxer in den Ring. Einer von ihnen war der erst elfjährige Dennis Maksymenko (38 kg, Papiergewicht), der sich dem zwei Jahre älteren Rayan Prilepi vom SV Nordenham stellte. Trotz des spürbaren Alters- und Größennachteils ging Dennis zunächst mutig nach vorn. Doch die größere Erfahrung und die körperlichen Vorteile seines Gegners setzten sich durch - am Ende entschied das Kampfgericht einstimmig nach Punkten für Prilepi.

"Mohamads Mut macht mich stolz"
Der 19-jährige Mohamad Ghazal (Mittelgewicht) stand in einem Einlagekampf gegen Emirhan Sari vom Hamburger BC Heros im Ring. Gegen den erfahreneren und körperlich stärkeren Gegner (13 Kämpfe, acht Siege) zeigte der gebürtige Syrer Mut, bewegliche Finten und unerschütterlichen Kampfgeist. Mutig und mit unerschütterlichem Herz ging er nach vorn, angefeuert vom Publikum. Doch am Ende musste das Handtuch geworfen werden. "Mohamads Mut macht mich stolz", betonte sein Trainer Eugenio Gomez-Casado.

Ein sportliches Ausrufezeichen setzte Lena Büchner vom VTV Assel - und genauso stark meldete sich Lena Sajaloli vom Box Club Hamburg. Die mehrfache Deutsche Meisterin traf im Federgewicht auf Sajaloli zu einem Sparringskampf, der ein Musterbeispiel für sauberes, intelligentes Boxen war: technisch hochwertig, fair geführt und eines der besten Duelle des Abends. Beide Athletinnen nutzten das Duell als Vorbereitung auf die internationale "Golden Girl Championship" in Schweden.

Roh, intensiv und kompromisslos wurde es im Halbmittelgewicht: Fardin Noori (BCT Agon) und Romal Rahmani (VfL Stade) lieferten sich eine wahre Ringschlacht, aus der Rahmani als Sieger hervorging. Ebenso spektakulär war das Duell zwischen Ilia Arakelow (Weser Boxring) und Daniel Tabatabai (Sportring Garath Düsseldorf), der sich nach einem offenen Schlagabtausch durchsetzte. Den Schlusspunkt setzten die Superschwergewichte - wuchtige Treffer, fliegende Fäuste, pure Urgewalt.
Am Ende dieses Abends blieb kein Zweifel: Der Boxnachwuchs der Region ist bereit. Seit 61 Jahren besteht die Boxabteilung des SC Hemmoor. Abteilungsleiter und Trainer Siegfried Stinski und sein Team stehen für Beständigkeit, Herzblut und norddeutsche Schlagkraft. Dieser Abend hat es bewiesen - laut, ehrlich und mit voller Wucht.
Von Joachim Tonn