"Du hast rasiert": Cuxhavener Football-Talent (18) wechselt an Highschool in den USA
Joshua Eiers aus Cuxhaven wird von US-Highschools umworben. Nach beeindruckenden Leistungen bei einem Trainingscamp stehen ihm nun die Türen zur höchsten Ebene des College-Football offen.
Als das Telefon klingelt, sitzt Joshua Eiers wieder zu Hause in Cuxhaven. Tage zuvor spielte das Football-Talent noch in einer Trainingshalle der Detroit Lions, beobachtet von amerikanischen Coaches und Highschool-Scouts. Jetzt hält er das Telefon am Ohr und hört einen Satz, der alles verändert: "Du hast rasiert."
Am anderen Ende spricht der Leiter der "The Frame Academy". Fünf Highschools aus den USA interessieren sich für Joshua. Und mehr noch: Ein College aus Indiana beobachtete ihn bereits genauer. Es geht um die Division One - die höchste Ebene im amerikanischen College-Football. Joschua weiß nicht, was er sagen soll. "Ich war erstmal komplett überfordert", sagt der 18-Jährige heute. "Damit habe ich nicht gerechnet."
Football spielte zunächst überhaupt keine Rolle
Dass ein Junge aus Cuxhaven einmal solch einen Anruf bekommt, war bis dahin eher unwahrscheinlich. Denn Football spielte in Joshuas Leben zunächst überhaupt keine Rolle. Wie viele andere Jungs begann er nämlich mit Fußball. Doch irgendwann verlor er die Lust. Sein Vater Axel brachte schließlich eine andere Idee ins Spiel: Football.
Axel Eiers hat selbst einige Zeit in den USA gelebt und kennt die Faszination und Bedeutung, die Football dort hat. Also nahm er seinen Sohn 2021 mit zum Training der Bremerhavener Seahawks. "Es lief ganz gut", sagt Joshua bescheiden. Die Coaches bemerkten schnell, dass da jemand mit besonderen Voraussetzungen auf dem Feld stand. Groß, athletisch, schnell. Schon zur nächsten Saison spielte er also als Receiver in der U16 der Seahawks. Vor zwei Jahren gehörte er dann sogar zur Hamburger Landesjugendauswahl der U19.

Ein "blaues" Ticket für eine außergewöhnliche Reise
Vergangenes Jahr meldete sich Joshua bei einem Camp der "The Frame Academy" an, einer Plattform zur Förderung junger Footballtalente. Dort konkurrieren pro Position bis zu 50 Spieler miteinander. Jeder möchte auffallen. Jeder will gesehen werden. Wer die Coaches überzeugt, erhält den sogenannten "Blue Envelope" - einen blauen Umschlag, der die Aufnahme ins Förderprogramm bedeutet und die Tür zur USA-Tour öffnet. "Ich habe da teilgenommen, weil ich einfach besser werden wollte", erzählt Joshua. "Dass daraus so viel entsteht, hätte ich nie gedacht." Denn er war eins von diesen wenigen Talenten und bekam den Umschlag.
Es folgte ein weiteres Camp in Potsdam zur Vorbereitung auf eine zehntägige USA‑Reise. Dann ging es in den Osterferien von Frankfurt nach Detroit. Hier beeindruckte ihn besonders das Training in der Halle der Detroit Lions. "Das war ein krasses Gefühl." Dazu kamen unter anderem Besuche an der Universität in Michigan, einer Highschool in Kentucky und Trainingseinheiten in Ohio.
Prominenten Footballer getroffen
Und plötzlich war da auch noch Marlin Klein. Der Deutsche, der gerade von den Houston Texans in der zweiten Runde des NFL-Drafts ausgewählt wurde. Klein ging einen ähnlichen Weg wie Joshua: geboren in Deutschland, zunächst Fußballspieler, später Wechsel auf eine amerikanische Highschool, danach College-Football in Michigan - nun NFL‑Profi. "Er hat den gleichen Weg eingeschlagen wie ich jetzt", sagt Joshua.
Während der gesamten Reise wurden die Spieler von amerikanischen Coaches beobachtet. Jeder Lauf, jeder Catch, jede Bewegung konnte entscheidend sein. Wer überzeugte, bekam Angebote von Highschools. Wer besonders überzeugte, rückte zusätzlich in den Fokus von Colleges. Dass ausgerechnet er dazugehören würde, ahnte Joshua lange nicht. Erst dieser Anruf zu Hause machte klar, was in den USA passiert war. Fünf Angebote. Dazu das besondere Interesse aus Indiana.
Eine wichtige Entscheidung zu treffen, braucht Zeit
Gleichzeitig standen Fragen im Raum, die nichts mehr mit Football allein zu tun hatten. "Gehe ich wirklich? Und wenn ja, wie lange? Das war keine einfache Entscheidung", sagt er. Weg von den Eltern, weg von den Freunden, weg von seiner Freundin. Eine Woche brauchte er, dann fiel die Wahl auf eine Highschool in Kentucky. Ab August wird Joshua dort leben - bei einer Gastfamilie, tausende Kilometer entfernt von zu Hause. Schule am Vormittag, Football am Nachmittag und Abend. Krafttraining, Videoanalyse, Spiele vor vollen Tribünen.
Bis zur Abreise trainiert Joshua weiter bei den Seahawks - allerdings etwas vorsichtiger als sonst. Eine Verletzung kurz vor dem großen Schritt wäre im wahrsten Sinne schmerzhaft. Joshuas Vater appelliert noch einmal: "Die Seahawks suchen in der U13, U16 und U19 immer Verstärkung. Wer Interesse hat, kann beim Training vorbeikommen - es gibt auch eine Leihausrüstung." Dass ein Probetraining manchmal den Weg zu einer außergewöhnlichen Karriere ebnen kann, hat sein Sohn schließlich bewiesen.
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