Peter Jensen wird 88: Cuxhavener Journalist blickt auf ein Leben im Weltsport zurück
Zum 88. Geburtstag blickt der gebürtige Cuxhavener Peter Jensen auf ein außergewöhnliches Sportjournalistenleben zurück - von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen bis zu Begegnungen mit den ganz Großen. Sachlich, bescheiden, beeindruckend.
Peter Jensen sitzt in seinem Wohnzimmer. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein rund 400 Seiten starkes Buch. Er blättert darin herum. Es sind seine Memoiren. Er hat sie selbst geschrieben. Ein Jahr lang saß er an dem Buch. Er hat alles aufgeschrieben, was er für wichtig hielt. Es sind ganz persönliche Erinnerungen eines bewegten Lebens. Ein Buch nur für sich und seine Nachkommen. Peter Jensen feiert am Sonntag seinen 88. Geburtstag. Der gebürtige Cuxhavener hat aus sportlicher Sicht alles gesehen - von Fußball-Weltmeisterschaften bis hin zu diversen Olympischen Spielen. Er traf so gut wie alle Größen des Sports zu Interviews, exklusiven Spaziergängen und Expertengesprächen. Peter Jensen war selbst Teil der schillernden Sportwelt - jedoch als Beobachter, Berichterstatter, Moderator und Kommentator. Über 40 Jahre lang arbeitete der Cuxhavener für den NDR. Angefangen hat er 1963 als Redaktionsassistenz in der Sportredaktion, einige Jahre später wurde er Hauptabteilungsleiter. Mittlerweile ist der bescheidene Sportjournalist im Ruhestand - und das seit über 20 Jahren. Sein Nachfolger war kein Geringerer als Gerhard Delling. Im Gegensatz zu Delling war Jensen nie ein großer Showtyp, er selbst beschreibt sich eher als sachlich und nüchtern. Das zeichnet ihn bis heute aus.
Seine Anstellung beim NDR im Jahr 1963 nennt er eine "glückliche Fügung". Eigentlich wollte er nach seinem Abitur in Cuxhaven BWL in Freiburg im Breisgau studieren. "Ich wollte möglichst weit weg von Cuxhaven", sagt er rückblickend. Als er aber in Freiburg keine Unterkunft fand, zog es ihn zurück nach Hamburg. Dort fing er das BWL-Studium an, doch seine Tante brachte ihn als Redaktionsassistent beim NDR unter. Das Studium brach er sofort ab. Es sollte der Anfang einer steilen Karriere sein. Er wurde schnell Hilfsredakteur, wenig später Redakteur und schließlich im Jahr 1987 Hauptabteilungsleiter Sport beim NDR. Er machte seine Leidenschaft zum Beruf. Seine sportlichen Steckenpferde: Fußball, Handball, Boxen. Jensen traf Max Schmeling in dessen Garten zum Interview, spazierte mit Günther Netzer um den Zürcher See und war als ARD-Programmchef für die Olympischen Sommerspiele in Sydney verantwortlich. Peter Jensen bereiste beruflich die ganze Welt, erinnert sich auch heute noch an fast jede Begegnung. "Keine Frage, es war eine tolle Zeit. Die möchte ich nicht missen", sagt Jensen. Er hat als Journalist die Bundestrainer interviewt und später als ARD-Koordinator auch Vertragsverhandlungen mit TV-Experten geführt.

An die Begegnung mit Günter Netzer erinnert er sich gerne zurück. Jensen stellte den ersten Kontakt her, flog nach Zürich, traf Netzer und unterbreitete ihm das Angebot der ARD. Netzer lehnte dankend ab, war wenig später aber an der Seite von Delling im TV zu sehen. "Er hat wohl noch einmal nachverhandelt", sagt Jensen mit einem Schmunzeln im Gesicht. "Solche Ereignisse bleiben hängen." Er nennt es soziale Highlights in seinem Berufsleben. Die Liste der bekannten Namen ist lang - von Uwe Seeler über Max Schmeling bis hin zu Franz Beckenbauer. "Ich habe alle großen Sportler persönlich erlebt", sagt der gebürtige Cuxhavener. Einen speziellen beruflichen Moment hat er nach eigenen Aussagen nicht. Sein ganzes Leben war von solchen besonderen Begegnungen geprägt. "Ich hab' einfach zu viel erlebt", sagt er. Jensen war nie der Entertainer im schillernden TV-Business, ihn zeichnete seine sachliche und vor allem fachliche Art aus. Auch heute noch. Bescheiden lebt er in seiner hellen Wohnung im Hamburger Stadtteil Wellingsbüttel. Mittlerweile allein. Vor sechs Jahren ist seine Frau Karin verstorben. Auch sie war gebürtige Cuxhavenerin.

In seine Heimat Cuxhaven kommt Jensen meist nur noch einmal im Jahr. Dann besucht er Freunde, Bekannte und Familienangehörige. Doch dort fing alles an. Früh entdeckte er seine Liebe zum Sport. Als Kind turnte er beim ATSC, später spielte er beim Cuxhavener SV Handball und Fußball. Aufgrund einer Lungenerkrankung musste er aber schon als Jugendlicher mit dem aktiven Sport aufhören. Die Leidenschaft für fliegende Fäuste und erzielte Tore blieb. Bis ins hohe Alter. Im Herzen ist er mittlerweile Hamburger, seit fast 70 Jahren lebt er in der Hansestadt. Am morgigen Sonntag feiert Peter Jensen seinen 88. Geburtstag im Kreise der Familie. Ganz bescheiden. So wie die vergangenen Jahre auch. Dann wird er gedanklich sicher wieder in Erinnerungen schwelgen - von der schweren Kindheit in Cuxhaven mit dem frühen Tod beider Elternteile bis zur bunten TV-Welt als Sportjournalist. Sein Buch hilft ihm dabei. Ein- bis zweimal die Woche blättert Jensen darin herum. "Ab und zu überkommt einen die Vergangenheit", sagt Jensen. Er ist dankbar für sein Leben - ohne es groß in die Welt hinauszutragen. Die niedergeschriebenen Memoiren sind nur für ihn und seine Kinder. Zwei von ihnen leben ganz in der Nähe in Hamburg, sein Sohn ist vor 40 Jahren bei einem Skiunfall ums Leben gekommen. Jensen hat privat und beruflich viel durchgemacht - positiv und negativ. Letztlich hat ihn das zu dem Menschen gemacht, der er nun ist. Lebensfroh, selbstständig und bescheiden. Seine sportliche Leidenschaft hat er nicht abgelegt. Noch heute spielt er regelmäßig Tennis und Golf mit Freunden, verfolgt die großen Sportevents - nicht mehr als Berichterstatter vor Ort, sondern als interessierter Sportfan vor dem Fernseher.