Wahnsinnsrekord auf dem Wasser: Cuxhavener Kiter trotzt dem Wintersturm
Mitten im tobenden Wintersturm und bei eisigen Temperaturen stellt der junge Cuxhavener Kitesurfer Fabian Frick einen sensationellen Höhenrekord auf. Er wagt sich in der Grimmershörnbucht auf das Wasser - und erlebt unglaubliche Glücksgefühle.
Der 21-jährige Fabian Frick gehört zu den besten Kitesurfern der Welt, er wurde Deutscher Meister, nahm im vergangenen Jahr an den Weltmeisterschaften in Brasilien teil und ist regelmäßiger Gast bei Extrem-Events rund um den Kitesport. Der 21-Jährige liebt das Abenteuer - und ist auf der Suche nach immer wieder neuen Herausforderungen. Die hat er am Freitag in Cuxhaven gefunden, mit Sturmtief Elli. Während die meisten Menschen froh waren, dass sie an diesem windigen und schneereichen Tag nicht vor die Haustür mussten, ging Fabian Frick aufs Wasser. Schon Tage vorher stieg beim Blick auf die Wetterprognosen seine Vorfreude auf genau diesen Tag. "Einen solchen Sturm haben wir nicht oft mit so starkem Ostwind", sagt der Cuxhavener. Über 50 Knoten Windgeschwindigkeit wurden vorhergesagt. Eine magische Marke, die bei Frick Glücksgefühle auslöst - und den Drang, aufs Wasser zu gehen. Sein Ziel: Über 20 Meter hoch springen und damit einen neuen Rekord in Cuxhaven aufstellen. Was er dann aber am Freitagnachmittag erlebte, übertraf auch seine Erwartungen.

In der menschenleeren Grimmershörnbucht bahnte er sich den Weg vom Land durch eine Mischung aus Eis und Schlick in Richtung Wasser, das aufgrund der Ostwinde sehr niedrig war. Frick war dick eingepackt, trug zwei Neoprenanzüge übereinander. "Ich hatte noch nie im Leben zwei Neos an", sagte er. Doch die brauchte er an diesem Tag. Kalt war ihm nicht. Das Schneetreiben hat er auf dem Wasser gar nicht mitbekommen. "Das Adrenalin war zu hoch", sagte Frick. Er raste mit seinem Board über das Wasser und gleich im ersten Sprung die große Überraschung. Frick hievte sich auf 28,1 Meter in die Höhe, war knapp zwölf Sekunden in der Luft. Ein Sensor am Brett zeichnete die Daten genau auf. Kurz nach der Landung schaute Fabian Frick auf seine Uhr und konnte es selbst kaum glauben. Insgesamt eineinhalb Stunden düste der Cuxhavener durch die Bucht, nahm Anlauf und sprang immer wieder deutlich über 20 Meter in die Höhe. "Das war so geil", sagte er. Er wäre am liebsten noch länger auf dem Wasser geblieben, doch seine Lenkstange und seine Handschuhe froren ein. "Ich konnte mich kaum noch festhalten. Es war zu rutschig." An Land wartete seine jüngere Schwester Elisabeth und nahm ihn und seinen Kite wieder in Empfang. "Allein wäre es zu gefährlich gewesen", sagte Fabian Frick, der in dem Moment so langsam realisierte, was er gerade erleben durfte. "Es war der Wahnsinn. Man spürt die Elemente so extrem krass", sagte er. Genau das ist sein Antrieb. In diesem Fall wurde das unglaubliche Abenteuer noch mit einem Rekord gekrönt. Fabian Frick sprang den höchsten Sprung, der jemals in Niedersachsen gestanden wurde. Aktuell ist sein 28,1-Meter-Sprung auch der höchste in ganz Deutschland in diesem Jahr. Noch in der Nacht zu Sonnabend veröffentlichte er ein spektakuläres Video auf seinem Youtubekanal. Selbst in der Kitesurf-Welt löste dieses atemberaubende Unterfangen großes Erstaunen aus. "Man muss schon etwas verrückt sein", sagte Frick.

Er lebt für das Kitesurfen, ist immer wieder auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Seit einiger Zeit ist er Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft der Kiter. Sein Traum wäre es, in diesem Jahr in Südafrika beim Wettbewerb "King of the Air" an den Start zu gehen - einem Red-Bull-Event, zu dem die besten Kiter der Welt eingeladen werden. Ansonsten möchte er noch genau solche Momente, wie am Freitag in der Grimmershörnbucht erleben. "Das gibt mir den Kick." Neben dem Kitesurfen studiert Fabian Frick gerade Mediendesign an einer Fern-Uni. Zudem hat er sich zusammen mit seinem Kumpel Linus Castedello selbstständig gemacht. Die beiden konzipieren und vertreiben mit ihrer Firma "Kiteworkz" hochwertige Griffe für Kitesurfer auf der ganzen Welt. Das Kitesurfen ist aktuell ganz klar die Nummer eins in seinem Leben - beruflich, aber vor allem privat. Das soll noch lange so bleiben, wenn es nach ihm geht. "Jetzt will ich aber erst mal die 30-Meter-Marke knacken", sagte Fabian Frick mit einem breiten Grinsen im Gesicht.
