100 Jahre DLRG Cuxhaven: Einsatz und Freundschaft feiern
Mit Humor und Herz feierte die DLRG Cuxhaven ihr 100-jähriges Bestehen. Ein Abend voller Reden, Überraschungen und einer besonderen Dose Hering. Doch die wahren Geschichten der Retter gehen weit über den Festakt hinaus.
Hundert Jahre, ein Dutzend Redner und eine Dose Hering für jeden Gast: Die DLRG‑Ortsgruppe Cuxhaven hat am Sonnabend ihren Geburtstag gefeiert, und sie tat es mit Herz, Humor und langem Atem. Rund 200 Gäste füllten in den Hapag-Hallen den Hanseaten-Saal, etwa 90 kamen aus den eigenen Reihen, gut 110 als Förderer, Spender und Ehrengäste. Schon draußen wies der Gelenkbus der DLRG im Jubiläumsdesign den Weg in den historischen Hafenbahnhof. Drinnen leuchteten auf vier langen Tafeln rote und gelbe Servietten, die Farben der Retter, dazu Wimpel und herbstliche Gestecke. Nach dem Begrüßungsgetränk fand jeder am Platz eine Sonderedition: Heringsfilet in Tomatensoße, Dose mit Jubiläumslogo, zum Mitnehmen.
Oma, Drohnen und Blindenhund
Durch den Abend führte Einsatzleiter Florian Beyer, charmant und knapp: "Ich will gar nicht so viel reden, dafür haben wir nachher noch genügend Redner." Den Anfang machte der Vorsitzende Dieter Sandforth. 25 Minuten Redezeit habe man ihm gegeben, sagte er, ein Zwischenruf kürzte auf 15, und er blieb knapp darunter. Seine Oma Agnes, erzählte er, sei 100 geworden. "Die hat nämlich nur bis 101 geschafft, aber wir werden es noch länger schaffen." Wie weit die DLRG längst über Badehose und Rettungsring hinausgewachsen ist, belegte er mit zwei Einsätzen. Am 28. Juni wies eine DLRG-Drohne der Feuerwehr in Altenbruch den Weg zu einem Brand, an den sie nicht herankam. Am 8. August, 22.39 Uhr, lautete der Einsatzbefehl: Boomer, ein entlaufener Blindenhund. Die Retter spürten ihn mit Drohnen im Maisfeld auf und brachten ihn gegen halb eins zu seiner Besitzerin zurück. "Wir haben eine Dame dann wieder sehend gemacht." Sein Wunsch fürs nächste Jahr: "Ich wünsche mir ein weiteres Jahr mit euch in Gesundheit."
Zwei Versprechen für Cuxhaven
Innenministerin Daniela Behrens, die Grüße von Schirmherr Ministerpräsident Olaf Lies überbrachte, war froh über die Treppe an der Bühnenseite: "Ich bin zwar für Sport zuständig, aber das ist mir eindeutig zu hoch." Dann wurde sie ernst. Die DLRG sei "das Flaggschiff der Wasserrettung in Niedersachsen". Und sie nannte eine Zahl, die den Saal still machte: "Jedes dritte Kind in der Grundschule in Niedersachsen kann nicht ordentlich schwimmen." Wer es als Kind nicht lernt, lernt es als Erwachsener kaum noch. Das Land gebe in diesem Jahr Geld an den Landesverband, damit die persönliche Ausstattung der Ehrenamtlichen besser werde. "Ich bin sicher, da kommt auch hier in Cuxhaven einiges an." Und zum Schluss, mit Blick auf Werder Bremen, dessen Sieg sie bester Laune sein ließ: "Ihr seid auch noch nette Leute. Mehr kann man ja gar nicht erwarten."
Oberbürgermeister Uwe Santjer stellte zwei Versprechen der Stadt in den Mittelpunkt. Das erste: "Alle Kinder in Cuxhaven müssen die Chance haben, schwimmen zu lernen." Das zweite gelte jedem, der sich im Watt verschätzt: "Dann versprechen wir dir, dass wir dich da herausholen." Ohne die DLRG hält die Stadt keines von beiden. Für Aufmerksamkeit sorgte er beim Hallenbad. Wer es stärker für die Öffentlichkeit öffnen wolle, müsse warten: "Solange die Kinder in Cuxhaven nicht alle schwimmen können, werden wir das nicht machen." Wenn andere vor Hochwasser und Feuer flohen, gingen die Helfer hinein, und das im Ehrenamt. "Ihr seid grandios." Den Sponsoren rief er zu: "Ihr schließt da eine Lücke, die wir sonst mit Steuergeldern gerade nicht hinbekommen." Dann verlas er die städtische Urkunde, und wie im Familienkreis üblich erhob sich der Saal. Ihr Schlusssatz: "Wer nur ein einziges Leben rettet, der rettet die ganze Welt."
Bundestagsabgeordneter Christoph Frauenpreiß entschuldigte seine raue Stimme mit dem Fußball: "Da ist meine Stimme vom Fernseher irgendwie liegen geblieben." Dann würdigte er, was 100 Jahre DLRG Cuxhaven bedeuten: "100 Jahre Sicherheit." Als Familienvater sei er froh, dass seine Kinder schwimmen können, das sei keine Selbstverständlichkeit mehr.
Landrat Thorsten Krüger brachte eine Urkunde und 500 Euro für die nächste Weihnachtsfeier mit. Sein Grund: "Wir geben immer nur was in Fahrzeuge. Wir müssen auch in die Leute investieren." Dann öffnete das Buffet. Sandforth ging mit der Ministerin voran und gab den Gästen einen Rat mit: "Nehmen Sie den Teller so voll, wie es ist."
Baywatch, Film und Chronik
Nach dem Essen folgte der zweite Redeblock. Schatzmeister Björn Göken trug die Chronik vor, die André Schurig in intensiver Vorbereitung zusammengestellt hatte, ein kurzweiliger Ausflug durch zehn Jahrzehnte DLRG Cuxhaven. Unsere Zeitung berichtet darüber noch gesondert. Danach lief auf der Leinwand der neue Imagefilm, an dem die Ortsgruppe fast anderthalb Jahre gearbeitet hatte, immer wieder unterbrochen von echten Einsätzen. Er nennt Zahlen: mehr als 50.000 Schwimmausbildungen, mehr als 340 Alarmierungen seit 1990, fünf Katastrophenschutzlagen. Sein Leitsatz: "Wir sind für dich da."
Airbus-Manager Lars Wagner, seit 1988 dabei, erinnerte sich an die Jugend im Verein. "Meine Freunde haben immer gesagt, das Baywatch von Cuxhaven." Die Badehosen seien zwar weniger knallig gewesen als bei David Hasselhoff, "aber der Coolness-Faktor, der war schon genauso". In der Nacht zu seinem 18. Geburtstag schrillte der Melder, die Feier der Eltern verschlief er. Sein Fazit: "100 Jahre Freundschaft, 100 Jahre Einsätze, 100 Jahre sehr viele Gerettete."
Regierungsbrandmeister Tim Fritsche hatte bei winterlichen Einsätzen stets zwei Sorgen: ob das Wasser für den Vorsitzenden zu kalt und die Verpflegung reichlich genug sei. "Zumindest die erste Sorge war unberechtigt." Die DLRG sei "fester Bestandteil unserer Alarm- und Ausrückeordnung".
Kurdirektor Olaf Raffel erinnerte daran, dass ohne die Retter weder der Sommerabend am Meer noch das Neujahrsanschwimmen in Duhnen möglich wären. Technik allein rette niemanden: "Ein Schiff kann nicht herausfahren zur Rettung, wenn da kein Mensch drauf ist."
Sören Makel, Vize-Leiter des Havariekommandos, gestand: "Ich war im Weg." Beim Polterabend eines Kameraden im Unikat habe er auf der Treppe gestanden, als die Melder schrillten, zwischen den Einsatzkräften und ihren Fahrzeugen. Umso froher sei er, dass diesmal alles still blieb: "Ich bin sicher und glücklich, dass heute kein Einsatz ist, denn es wären 90 weniger hier in diesem Raum."
Als Letzter sprach Hermann Vögel, Ehrenpräsident der Österreichischen Wasserrettung Vorarlberg. Sieben Kameraden aus Bregenz hatten die weiteste Anreise, dafür gab es den Vortritt am Buffet. Vögel überreichte eine Tafel: "100 Jahre DLRG Cuxhaven und 25 Jahre Kameradschaft." André Schurig ehrte er mit dem Mitgliedsabzeichen der Wasserrettung, denn der ist seit 20 Jahren auch dort dabei.
Tanzkarte längst voll
Zum Schluss dankte Beyer den Sponsoren: HB Gastro, Kaktus Blüte für die Tischbegrünung, Cuxhavener Sicherheit, Weser Stage für Licht, Bühne und Leinwand, DJ Joachim Fetz und dem Team vom Unikat, das den Abend bewirtete. Besonderen Applaus gab es für die Stadtsparkasse Cuxhaven, vertreten durch Vorstandsvorsitzenden Axel Lohmeier. Sie spendet der Ortsgruppe weitere 5.000 Euro.
Dieter Sandforth hatte das letzte Wort im Hanseaten-Saal und nutzte es für Selbstironie. Seine Apple Watch verordnet ihm nach zu viel Essen und Trinken drei Tage Fasten, es sei denn, er tanzt drei Stunden. Die Tanzkarte, die er hatte herumgehen lassen, sei allerdings voll: "Also wer mit mir noch heute tanzen möchte, keine Chance."
Sein Versprechen dagegen gelte für alle: "Auch die nächsten 100 Jahre werden wir für euch da sein." Dann zog die Festgemeinde hinüber in den historischen Kuppelsaal. DJ Fetz legte auf, in einer Ecke stand eine Fotobox, wo sich die Gäste mit selbst gewählten Requisiten ablichten ließen. Bei gepflegten Getränken wurde getanzt und geplaudert, nach Mitternacht klang der Abend aus.
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