200 Jahre Friedhof der Martinskirche im Cuxhavener Stadtteil Ritzebüttel
Am 200. Jahrestag des Friedhofs Ritzebüttel in Cuxhaven zeugt das Jubiläum von Geschichte und Verlust. Trotz des tragischen Todes von Pastorin Sabine Manow wird die Veranstaltung in ihrem Gedenken fortgeführt.
200 Jahre Friedhof der Martinskirche - eigentlich ein Grund zur Freude für die Kirchengemeinde in Cuxhaven. Doch der tragische Unfalltod von Pastorin Dr. Sabine Manow vor wenigen Wochen hat die Vorbereitungen aufs Jubiläum in Ritzebüttel verändert. "Wir wollten uns trotzdem nicht entmutigen lassen", sagt Cornelia Uppendahl, Vorsitzende des Kirchenvorstands. Vieles von dem, was nun geplant wird, hat mit Sabine Manows Ideen für die künftige Gestaltung des Friedhofs zu tun.
Die kleine Gruppe vom Festausschuss bleibt immer wieder stehen: An Gräbern, an Denkmälern, an Stellen, an denen Geschichte sichtbar wird. Pastor Stefan Bischoff, Cornelia Uppendahl, Carl Meier, Vorsitzender des Friedhofsausschusses, und Friedhofsverwalter Jens Büter sind an diesem Tag gern unterwegs. "Hier sind noch die Gräber der ersten Beisetzungen zu sehen", sagt Büter und verweist auf einen grauen Stein. Der erinnert an Heinrich Walther, seinerzeit Pastor zu Ritzebüttel, an seine Frau und seine Tochter.

Ein paar Meter weiter liegen die alten Amtmannsgräber: sechs Grabkammern in zwei Dreierreihen. Tatsächlich fand dort jedoch nur ein Amtmann seine letzte Ruhe: Andreas Christian Wolters, der 1827, wenige Monate nach seinem Amtsantritt im Amt Ritzebüttel, starb. Seine Grabstätte ist bis heute erhalten.
Der Rundgang führt weiter zum goldenen Doppeladler, der auch von der Südersteinstraße hinter der Friedhofsmauer zu sehen ist. Die österreichische Kriegsgräberstätte erinnert an ein Kapitel, das weit über Ritzebüttel hinausweist. Nach dem Seegefecht von 1864 wurden auf dem Friedhof Matrosen der österreichischen Fregatten "Schwarzenberg" und "Radetzky" bestattet. Zwei Jahre später entstand auf Veranlassung Kaiser Franz Josephs der noch heute vorhandene, hoch aufragende Obelisk. Sonnenstrahlen fallen durch das Geäst und lassen den teilweise vergoldeten Stein aufleuchten. "51 österreichische Seeleute haben damals ihr Leben im Seegefecht gegen Dänemark vor Helgoland verloren", erinnert Pastor Bischoff.
Auch solche Spuren der Vergangenheit gehören zum Jubiläumsprogramm. Das Programm beginnt am Sonnabend, 22. August, um 12 Uhr im Gemeindehaus am Ritzebütteler Marktplatz. Nach einem Grußwort von Oberbürgermeister Uwe Santjer folgen unter anderem Vorträge von Anna Brandt, Archivarin im Stadtarchiv Cuxhaven, und von Carl Meier zur Zukunft des Friedhofs sowie ein fachkundig geführter Rundgang übers Jubiläumsgelände mit Jens Büter. Dazwischen gibt es eine Suppe zum Mittagessen und danach Kaffee und Kuchen.

Dabei soll immer wieder deutlich werden: Der Friedhof ist kein Museum. Hinter den Namen auf den Steinen stehen Menschen, Familien und Lebensgeschichten. "Hier ist ein Ort der Trauer, hier ist ein Ort, um die Verbundenheit mit den Verstorbenen auszudrücken", sagt Pastor Stefan Bischoff.
Der Ritzebütteler Friedhof erzählt seit zwei Jahrhunderten davon, wie eng Tod und Leben miteinander verbunden sind. Der damalige Amtmann Martin Hieronymus Schrötteringk ließ ihn 1826 anlegen; am 26. November wurde er offiziell geweiht. Der neue Begräbnisplatz entstand, nachdem mit der Martinskirche 1819 ein eigenes kirchliches Zentrum in Ritzebüttel entstanden war. Bis dahin mussten die Gemeindeglieder in St. Abundus Groden die Gottesdienste besuchen und ihre Toten dort begraben.
Seitdem hat sich die Stadt verändert - und mit ihr der Friedhof. 1894 wurde das Gelände nach Süden erweitert, 1952 noch einmal nach Westen. Heute umfasst der kirchliche Friedhof rund 2,5 Hektar mit insgesamt 4.000 Grabstellen. Friedhofskapelle und Verwaltungsgebäude stammen aus dem Jahr 1968.

Direkt am Haupteingang zum Marktplatz geht es inzwischen auch um die Zukunft des Friedhofs. Das Verwaltungsgebäude soll demnächst abgerissen werden. "An seiner Stelle wird voraussichtlich im nächsten Jahr ein Ort der Stille entstehen, mit Bänken und Bäumen", sagt Carl Meier. Es ist ein Projekt, das auch Sabine Manow zu Lebzeiten vorantreiben wollte. Ihr Tod macht die Frage nach der Zukunft des Friedhofs für die Verantwortlichen noch einmal persönlicher. Trotz des schweren Verlustes von Pastorin Dr. Sabine Manow soll das Jubiläum stattfinden. Die Veranstaltung am Sonnabend fällt allerdings schlichter aus, als ursprünglich geplant. Am Sonntag, 23. August, predigt Superintendentin Kerstin Tiemann im Festgottesdienst zum 200-jährigen Bestehen des Friedhofs um 9.30 Uhr in der Martinskirche.
200 Jahre Friedhof Ritzebüttel sind 200 Jahre Abschied und Erinnerung. In diesem Jahr gehört zu dieser Geschichte auch der Abschied von Sabine Manow. Sie wird bei diesem Jubiläum an vielen Stellen fehlen - und zugleich in Gesprächen, Gedanken und Plänen dabei sein. (red)
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