Außenansicht des Neubauprojektes von der Wernerstraße aus: Die Eingänge werden über den zentralen Aufzug und Laubengänge erschlossen, in die auch Photovoltaik-Modue integriert sind. Das Dach besteht komplett aus Solarmodulen. Modellzeichnung: Sowade
Außenansicht des Neubauprojektes von der Wernerstraße aus: Die Eingänge werden über den zentralen Aufzug und Laubengänge erschlossen, in die auch Photovoltaik-Modue integriert sind. Das Dach besteht komplett aus Solarmodulen. Modellzeichnung: Sowade
So ein Gebäude gab es hier noch nie

21 neue Wohnungen für Cuxhaven: Siedlung prescht mit Neubau aus Holz vor

von Maren Reese-Winne | 29.09.2023

Die städtische Siedlungsgesellschaft Cuxhaven will beweisen, dass sozialer Wohnungsbau noch funktionieren kann. Sie setzt dabei auf einen lokalen Partner und auf den Baustoff Holz.

Landauf, landab legen Wohnungsbaugesellschaften ihre Bauprojekte auf Eis. Zu teuer, zu ungewiss die Zukunft. Aber ganz im Norden Niedersachsens schickt sich die städtische Siedlungsgesellschaft Cuxhaven an, gegenzuhalten. Sie will beweisen, dass sozialer Wohnungsbau noch funktionieren kann und legt auch gleich selbst vor - mit einem Mehrfamilienhaus, das bis Mitte 2025 an der Wernerstraße 21 entstehen soll.

"Bauen ist in Deutschland schwierig bis unmöglich geworden", stellt Peter Miesner, Geschäftsführer der Siedlungsgesellschaft Cuxhaven, fest. Aber mit dieser Erkenntnis hätten sich Siedlung und Aufsichtsrat nicht zufrieden geben wollen: "Trotz aller Herausforderungen ist es möglich, preiswert neuen Wohnraum zu schaffen - man muss nur innovative Ideen haben."

In diesem Fall heißt das serielles Bauen, und das auch noch mit einem lokalen Partner, den die Siedlungsgesellschaft Cuxhaven mit der Cuxhavener Sowade-Gruppe gefunden hat. In dessen neuer Fertigungsstätte am Grodener Mühlenweg (keine drei Kilometer von der Baustelle entfernt) werden die Teile des Wohnblocks in Holzrahmenbauweise vorproduziert - und zwar aus Holz. Die Endmontage erfolgt dann auf dem Grundstück in der Wernerstraße 21, auf dem bis 2015 ein hellblauer Wohnblock gestanden hat. Im Rücken hat der Neubau die Mehrfamilienhäuser Am Dobben, gegenüber liegt das Kubi der Lebenshilfe.

Die Wohnungen werden eine Wohnfläche von 50 bis 95 Quadratmetern aufbieten, wobei die größten als  Maisonette-Wohnungen konzipiert sind, von denen aus eine Treppe ins Dachgeschoss führt. Eine einzige zentrale Aufzugsanlage und Laubengänge zur Straße hin reichen, um allen einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen und dabei Kosten zu sparen, unterstreichen Arne Siegel, technischer Leiter der Siedlung, und Sowade-Architektin Laura Görtz. Alle Wohnungen verfügen außerdem über einen nach hinten gerichteten Balkon; zwei sind rollstuhlgerecht. Zur Anlage gehören außerdem 25 Pkw-Einstellplätze und ein Fahrradabstellraum.

Herkömmliche Heizung ist Vergangenheit

Der Baustandard gemäß KfW4EE verspreche eine sehr günstige Energiebilanz, so Peter Miesner. Das komplette Solardach und zusätzliche Photovoltaik-Module in den Laubengängen sollen den Strom für die moderne Beheizung über Deckeninfrarotmodule liefern: eine herkömmliche Heizungsanlage entfällt.

"Eine der Kernaufgaben der Siedlungsgesellschaft besteht darin, der Cuxhavener Bevölkerung preiswerten Wohnraum zur Verfügung zu stellen", erklärt Peter Miesner. Das sei mit dem aufgerufenen Mietpreis von 7,20 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter und die zu erwartenden dauerhaft niedrigen Nebenkosten gewährleistet. Aufgrund der Förderung durch das Sozialraumwohnungsprogramm des Landes Niedersachsen müssen Interessenten einen Wohnberechtigungsschein vorlegen. Die Wohnungen werden bezugsfertig übergeben, nur eine Küche muss selbst angeschafft werden.

Die mit Gipskartonplatten verkleideten Innenwände werden keinen Anhalt auf ihr Holz-Innenleben bieten. Dieses aber verspreche ein besonders angenehmes Wohnklima und geringe Unterhaltungskosten, verspricht Heiko Sowade. "Dieses Projekt trifft den Nerv der Zeit", sagt der Cuxhavener  Unternehmer auch mit Blick auf die Umweltbilanz. Holz als nachwachsender Rohstoff spare nicht nur knappe Ressourcen ein, sondern binde auch langfristig CO2, das durch die herkömmliche Bauinstrie massenhaft freigesetzt werde. "Es geht kaum nachhaltiger", meint Heiko Sowade. Er sei sehr froh, dass die Siedlung dies erkannt habe.

Hölzer kommen ohne chemische Behandlung aus

Eingesetzt würden nur langlebige Hölzer - Tanne, Fichte, Kiefer sowie Thermo-Kiefer (hitzevorbehandelt) - ohne chemische Ausstattung, versichern Laura Görtz und Heiko Sowade.

Oberbürgermeister Uwe Santjer, der sich ungemein über das Projekt freut, spürt bereits jetzt dessen Sogwirkung: Das Interesse aus anderen Gemeinden und Wohnungsbaugesellschaften sei riesengroß. Vor allem aber entstehe hier dringend benötigter Wohnraum für Menschen mit kleinem Geldbeutel: "Das passt genau zu dem, was wir brauchen."

Wie der OB beurteilt auch Gunnar Wegener, Aufsichtsratsvorsitzender der Siedlung, das Projekt als zukunftsweisend: Er sehe bereits Häuser in gleicher Bauart - auch in unterschiedlichen Größen - an weiteren Standorten in der Stadt, so Wegener: "Wir erwarten einen Run. Der Bezug des Neubaus wird nicht das Ende, sondern ein Anfang sein", sagt er voraus. Auf weitere Hintergründe und die künftige Wohnbauentwicklung in der Stadt werden wir in einer der nächsten Aufgaben noch zurückkommen.

Gespannt und erfreut blicken sie dem herausfordernden Projekt entgegen: v.l. Gunnar Wegener, Peter Miesner, Arne Siegel, Laura Görtz, Heiko Sowade und Uwe Santjer. Foto: Reese-Winne
Hier, an der Wernerstraße 21, soll das neue Mehrfamilienhaus entstehen. Foto: Reese-Winne

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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