30 Jahre Blaues Klassenzimmer in Cuxhaven: Wattenmeer wird hier begreifbar
Das Blaue Klassenzimmer in Cuxhaven begeistert seit 30 Jahren Menschen und weist so auf Naturschutz hin. Mit spannenden Wattführungen und Workshops macht es Groß und Klein das Weltnaturerbe Wattenmeer begreifbar und zeigt die Flora und Fauna.
Kleine und große Gäste werden dort für den Natur- und Umweltschutz sensibilisiert. Bei ihnen steht das Weltnaturerbe Wattenmeer mit seiner besonderen Flora und Fauna im Blickpunkt. Frauke und Günter "Günni" Kruggel und ihr Team wurden dafür am Sonnabend (4. Juli 2026) gefeiert. Aus gutem Grund: Das Blaue Klassenzimmer besteht seit 30 Jahren.
Und es hat nichts von seiner Anziehungskraft eingebüßt. Am Sonnabendmorgen nahm die Gruppe einer Kinderfeuerwehr aus Hannover an einer Jubiläumswattführung teil. Pitschenass, aber glücklich kehrten die Jungen und Mädchen zum Strand zurück, berichteten von Krabben, die sie entdeckt hatten, und präsentierten stolz die gesammelten Muscheln. Ein Junge hatte sich den Rucksack mit Austernschalen vollgepackt. Dieses Naturerlebnis bleibt den Großstadtkindern bestimmt nachhaltig im Gedächtnis.
Das Blaue Klassenzimmer hat in den zurückliegenden 30 Jahren nicht nur in ganz Deutschland und in vielen Ländern Europas, sondern weit darüber hinaus Fans gefunden. Bis in die USA, Paraguay oder Mauritius und sogar bis in das afrikanische Binnenland Burkina Faso reicht der Bekanntheitsgrad.

Bei der Feierstunde stieg Frauke Kruggel am Sonnabend tief in die Geschichte ein, hatte prägnante Gegenstände dabei, wie die von ihrer Mutter gestrickte Handpuppe Willy Wattwurm, und dankte zahlreichen Wegbegleitern. 1996 fand in Cuxhaven eine Messe für Ökologie, Meer, Umwelt und Gesundheit statt. Es war ein Gemeinschaftsprojekt der Abfallberatungen des Landkreises und der Stadt. In diesem Zuge entstand die Idee zum Blauen Klassenzimmer als Lernort im Naturraum, der sich mit dem Wattenmeer, seiner Flora und Fauna beschäftigt. Die Diplompädagogin Frauke Kruggel mit Team war mit der Ausführung beauftragt. Das erste Blaue Klassenzimmer war ein Zelt auf dem Sandstrand. Aus dieser dreitägigen Veranstaltung entwickelte sich die feste Institution und bekannte Größe. Mittlerweile ist sie an ihrem dritten Domizil beim Strandhaus angekommen.

Für Lehrende, für Lernende, für Kinder, Familien, Senioren und zahlreiche Gruppen dient es als Anlaufstelle, das Weltnaturerbe näher kennenzulernen, sich mit seiner Natur auseinanderzusetzen sowie die Umwelt aktiv durch zahlreiche Müllsammelaktionen am Strand und im Watt zu schützen. Wattführungen und Workshops schärfen den Blick für die Belange des Umweltschutzes.
An Höhen und Tiefen erinnert
Frauke Kruggel erinnerte an Höhen und Tiefen. So erhielt ihre Einrichtung 2003 den 2. Preis der Niedersächsischen Umweltstiftung. 2020 sollte das vielversprechendste Jahr werden - doch dann kam Corona einhergehend mit einer "Stornierungswelle wie ein Tsunami". Erst 2022 konnte der Betrieb langsam wieder anlaufen. Aber Frauke und Günni Kruggel boxten sich aus dem Corona-Loch wieder hervor. Nun denken Frauke und Günni Kruggel daran, ihren "wundervollen Arbeitsplatz" in jüngere Hände zu übergeben. Interessenten dürften sich gerne bei ihnen melden.

Großes Lob für ihre engagierte Arbeit erhielten die beiden von Oberbürgermeister Uwe Santjer. "Ihr macht mit voller Leidenschaft etwas für andere", dankte er ihnen und bezeichnete das Blaue Klassenzimmer als eine "Erfolgsgeschichte". "Man liebt nur, was man kennt, und schützt nur, was man liebt." Mit diesen Worten des berühmten Naturforschers Konrad Lorenz überreichte Santjer eine Urkunde. Auch Tourismusdirektor Olaf Raffel sparte nicht mit Dankesworten: Der Nationalpark und das Weltnaturerbe Wattenmeer seien für Gäste Qualitätsversprechen, die aber nur funktionieren, wenn vor Ort solche Menschen wie das Ehepaar Kruggel dies mit Leben erfüllen.

Frauke und Günni Kruggel überreichten an Raffel und Santjer selbstgefertigte Upcycling-Objekte. Dass ihr Herz an derartiger Kunst hängt, sorgte auch für eine besondere Kooperation. Als Frauke Kruggel aus Schrottteilen und alten Zündkerzen gebaute Figuren entdeckte, kam der Wunsch nach solchen Objekten auf, die Wattführer darstellen. Über Kathrin Seyfahrth, die sich in Burkina Faso sozial engagiert, entstand der Kontakt zur Behinderten-Rollstuhlwerkstatt. Zunächst wurde ein Prototyp gebaut, und daraus erwuchs eine kleine Bestellung. Als Dankeschön brachte Katrin Seyfahrt vom Blauen Klassenzimmer einen Fisch aus Treibholz und ein Foto mit dem dort eingesetzten Watt-Rollstuhl nach Westafrika. Der behinderte Kunsthandwerker Jaques habe sich sehr über den Anklang im fernen Cuxhaven und das Geschenk gefreut. Die von ihm gefertigten sieben Wattführer-Figuren fanden bei der Jubiläumsfeier großen Anklang. Ihr Verkaufserlös fließt wiederum an die Behinderteneinrichtung.
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