30 Jahre nach Sanierung: Schloss Ritzebüttel ist heute ein "Ort der Begegnung"
Am 29. August 1996 endeten umfangreiche Sanierungsarbeiten am und im Cuxhavener Schloss. An dieses Ereignis erinnerte der Verein "Bürger für das Schloss Ritzebüttel" am vergangenen Sonnabend mit einem Festakt.
Melanie Eitzen-Fischer, Vorsitzende von "Bürger für das Schloss Ritzebüttel", rief ins Gedächtnis, dass sich der Schlossverein bald nach der Übergabe des Ensembles an die Stadt gegründet hatte. Auslöser war nicht allein der bauliche Zustand der zuvor in Landeshand befindlichen historischen Mauern. Letztlich ging es auch um die Frage, was aus dem im 13. Jahrhundert als Wehranlage erbauten Schloss werden sollte.
Erstes Nutzungskonzept schon im Jahr 1981
Die Vorsitzende zitierte in diesem Zusammenhang aus einer alten Vorlage: Im Sommer 1983 (geraume Zeit vor dem Sanierungsstart) war im Verwaltungsausschuss bereits ein Nutzungskonzept vorgestellt worden. Mandatsträger und im Besonderen auch die Vereinsmitglieder waren sich einig, dass das Kleinod - immerhin das älteste erhaltene Gebäude innerhalb der Stadtgrenzen - eben nicht das Gepräge eines Verwaltungsgebäudes bekommen sollte.
Dass die im Rat vertretenen Fraktionen und Gruppen trotz politischer Gegensätze an einem Strang ziehen, sobald es um das Ritzebütteler Schloss geht, war am Sonnabend - Jahrestag des auf den 29. August 1996 fallenden Sanierungsendes - auch von anderer Stelle her zu hören: In der Rolle des Hausherren würdigte Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer die überparteiliche Zusammenarbeit zum Erhalt der unter Denkmalschutz stehenden Immobilie.
"Könnten wir als Verwaltung nicht allein schaffen"
Santjers Dank galt dabei dem im eigenen Haus befindlichen Kulturdezernat, andererseits vergaß er nicht, die tragende Rolle des Schlossvereins darzustellen: Was die Ehrenamtlichen "mit Herz und Seele" leisteten, "könnten wir als Verwaltung gar nicht alleine schaffen", betonte der OB in einem Grußwort, das um die identitätsstiftende Rolle des in Alt-Ritzebüttel errichteten Schmuckstücks kreiste. Ein "Ort der Begegnung" mit Konzerten, Lesungen, Ausstellungen und (nicht zu vergessen) auch Trauungen sei das Schloss Ritzebüttel seit Abschluss der mehr als zehn Jahre währenden Restaurierung geworden. Der frühere Amtmannsitz präge das Zusammengehörigkeitsgefühl und lasse, so Santjer sinngemäß, einfach niemanden kalt. "Hier musst du reinkommen, hier musst du Halt machen", formulierte es der OB.
"Repräsentationsspielzeug" war nicht das Ziel
Verweilen und den eigenen Erinnerungen nachhängen durften am Sonnabend diejenigen Gäste, die den Sanierungsweg mitgestaltet hatten - unter ihnen der Architekt Heinz-Erich Prahl, der an Turm- und Schlosskeller-Sanierung beteiligt gewesen war, aber auch Menschen wie Ute Kaehler und Brigitte Langenhagen als treibende Kräfte hinter dem Verein beziehungsweise der in weiten Teilen Cuxhavens Unterstützung findenden Sanierung. Besagter Bürgerwille hat nach den Worten der Vorsitzenden maßgeblich dazu beigetragen, dass aus dem Schloss eine öffentlich nutzbare Stätte und kein "Repräsentationsspielzeug" der Verwaltung geworden sei. Der Schlossverein sei aktiv an der Gestaltung beteiligt gewesen, aus seinen Reihen seien zum Beispiel Vorschläge für ein Trauzimmer sowie für den mittelalterlichen Saal im Hauptturm (heute dient er als Mehrzweckraum) eingebracht worden.

Eitzen-Fischer machte trotz allem keinen Hehl daraus, dass es damals, in den finanziell bereits problematischen Achtzigerjahren, Rückschläge gegeben hat. Angesichts leerer Kassen habe es zwischenzeitlich so ausgesehen, als könne allenfalls der Keller und eine Rohbausanierung fertiggestellt werden. Im Schlossverein wuchs damals die Angst, dass die Restaurierung eine halbe Sache bleiben und das Schloss "in einem Dornröschenschlaf versinken" könne. Befürchtungen, die Vereinsmitglieder kreativ werden ließen: Eine "Brockes-Bettel-Brotzeit" wurde ins Leben gerufen, es entstand ferner der Frühschoppen im Schlossgarten. Zweck dieser Veranstaltungen ist bis heute, den Fortbestand des Ritzebütteler Schlosses als zugänglichen Ort zu erhalten.
Verein behält das Ensemble im Blick
In ihrer Festrede verwies die Vorsitzende immer wieder auf das oben erwähnte Nutzungskonzept aus dem Jahr 1981. Jenes habe vorgesehen, Schloss, Nebengebäude und die angrenzenden Parkanlagen als Ganzes zu denken - ein Ansatz, der aus Vereinssicht bislang nicht umgesetzt wurde und dabei nichts von seiner Aktualität verloren hat. Was sich der Vereinsvorstand, der die Wände des Barocksaals mit Fotos aus der Restaurierungsphase bestückt hatte, wünschen würde: Dass eine Sanierung des Marstalls mit ähnlichem Elan angegangen werde wie vor mehr als 30 Jahren die Sanierung des Hauptgebäudes.
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