Das Haus der Jugend im Juli 1953, einen Monat nach seiner Eröffnung. Am Portal stehen die Zahlen "1952" - sie markieren das Jahr des Baubeginns. Foto: H. Borrmann/Stadtarchiv Cuxhaven
Das Haus der Jugend im Juli 1953, einen Monat nach seiner Eröffnung. Am Portal stehen die Zahlen "1952" - sie markieren das Jahr des Baubeginns. Foto: H. Borrmann/Stadtarchiv Cuxhaven
Amerikanisches Volk half mit

70 Jahre Haus der Jugend Cuxhaven: Für manche war es wie ein Zuhause

von Maren Reese-Winne | 07.06.2023

Am 7. Juni 1953, genau vor 70 Jahren, eröffnete Cuxhavens Oberbürgermeister Dr. Heinz Wachtendorf an der Abendrothstraße  das Haus der Jugend. Vieles, was dort seither angeboten wurde, nahm Kult-Charakter an. Das darf bald wieder gefeiert werden.

"In einem großen Umzug marschierten die Abordnungen der verschiedenen Vereinigungen von über 5000 organisierten Jugendlichen Cuxhavens vor dem prächtigen Neubau auf, der in Zukunft ihnen und ihrer Arbeit gehören soll", schrieb  die "Cuxhavener Presse" am Tag nach der Eröffnung.

Angesichts dieses Auflaufs von Jugendlichen "in Trachten und im Sportdress" war der Platz im Saal natürlich viel zu knapp, weshalb die Eröffnungsfeier zu den Klängen des Madrigalchors per Lautsprecher nach draußen übertragen wurde. Die Filmübertragung fiel der schwächelnden Technik zum Opfer.

Jugend hat selbst daran gearbeitet

Die Hälfte der Baukosten in Höhe von insgesamt 352.500 DM waren aus Spenden aus den USA (McCloy-Stiftung) zusammengekommen. Der Oberbürgermeister dankte dem amerikanischen Volk, aber auch der Jugend Cuxhavens dafür, dass diese nach 1945 "unerschrocken einen fast aussichtslosen Weg" beschritten habe, "um aus eigener Kraft wieder zu einer harmonischen Zusammenarbeit von Geist und Körper zu kommen." Dr. Wachtendorf wünschte sich "einen Geist des Friedens und der gesellschaftlichen und politischen Toleranz" im Haus.

Ein "Mr. Robertson" aus dem amerikanischen Generalkonsulat bezeichnete dieses als Denkmal der Freundschaft zwischen Amerika und Deutschland und Ratsherrin Kohfahl, Vorsitzende des Jugendamtsausschusses, stellte fest: "Wir Mütter sind dankbar, dass die Jugend von der Straße runterkommt."

Zeit der Provisorien war endlich beendet

Lehrer Günter Rettmer blickte in einer Rede mit dem Titel "My message an das Volk" an die Anfänge der Jugendarbeit ab 1946 - erst in kahlen Schulräumen, dann im Pavillon bei der Kaiser-Apotheke, wo es genau eine Stunde Gas am Tag gab. In den Trümmern der Bunker in Grimmershörn befand sich das nächste Quartier, das wegen herunterfallender Wassertropfen nur mit einem Schirm betreten werden konnte. An der nächsten Station in der Marienstraße fiel der Putz von der Decke.

Diese Rendite wird erst später ausgezahlt

Nun also das schöne Haus der Jugend. Günter Rettmer rief inständig dazu auf, bei der Jugendarbeit nicht aufs Geld zu schauen. "Wenn einer sagt, das Geld für Jugendarbeit sei eine schlechte Kapitalanlage, dann hat er scheinbar recht; denn es rentiert sich nicht heute, nicht morgen. Aber in zehn, zwanzig Jahren bekommen Sie einen Prozentsatz, den Sie nie bekommen würden, wenn sie das Geld in die Wirtschaft gesteckt hätten." Dies solle ein echtes Haus der Jugend werden. "Wir wehren uns mit allen Mitteln, wenn es irgendeiner Seite einfallen solle, uns unser Haus wieder streitig machen zu wollen."

Aber dazu kam es nie. Am 7. Juni 1983, zum 30. Geburtstag, stellte Stadtjugendpfleger Arno Frank fest, dass Cuxhavener Jugendliche wegen der Entfernung zu den wirtschaftlichen und kulturellen Zentren benachteiligt seien. Deshalb habe die außerschulische Bildung hier eine besondere Bedeutung, was Rat und Verwaltung in entsprechenden Beschlüssen mittrügen.

Rauschender Ball mit Cola und Twist

Inzwischen war das brave Image der Anfangsjahre, als das Haus nur organisierten Jugendlichen offen stand, weggewischt. 1964 wird über einen rauschenden Sommerball "bei Cola, Limonade mit und ohne Kohlensäure und heißen Würstchen" berichtet, an dem schwedische Gastschülerinnen die Cuxhavener Männerwelt aufwühlten und allen ein "Twist-Muskelkater"als Andenken blieb.

Saturday Teen Club und viele weitere verrückte Jahre

Im Sommer 1972 riefen vier junge Mitarbeiter des Hauses der Jugend, unter ihnen der spätere Stadtjugendpfleger Rüdiger Pawlowski, den "Saturday Teen Club" ins Leben. Das war der Ausgangspunkt einer legendären Zeit, die durch Discos, Live-Konzerte, Filmabende, aber auch Diskussionen zu ernsthaften politischen Themen geprägt war. Parallel dazu drängten sich immer noch jede Menge Gruppen wie der Fotoclub,  Pfadfinder, Sportangler, Jungsegler und -Modellbauer auf allen Etagen.

Raumerlebnis der besonderen Art

Ein Anbau war unausweichlich. Er sollte der Jugend "ein Raumerlebnis besonderer Art" schaffen, im bewussten Gegensatz zum Alltag in Wohnung und Schule.  Der Erweiterungsbau (Baukosten: rund 2,3 Millionen DM) wurde am 6. Februar 1981 eingeweiht. Die neu eingerichtete Cafeteria wurde zu einem neuen Treffpunkt. Dienstags und freitags war Disco. Dazu bot das Team der offenen Jugendarbeit jede Menge Workshops zu Themen wie Foto, Druck, Keramik und Werken an.

Für ganze Schülergenerationen ist "das Haus" zu einem Herzstück ihrer Jugend geworden - wie wichtig das war,  zeigt der Zulauf zu den "Haus-Feten", bei denen seit einigen Jahren Ehemalige regelmäßig die alten Zeiten aufleben lassen. Das darf natürlich gerade bei einem solchen Jubiläum nicht anders sein: Eine "Hausfete 2.0" unter dem Motto "70 Jahre Haus der Jugend" steigt deslab am Sonnabend, 24. Juni, ab 19 Uhr. Eintritt: 50 Cent oder 50 Pfennig. Es spielt die Classic Rock Tribute-Band "Free Company Classic".

Im Jahr 1977 musste ein Gartenfest wetterbedingt in den Saal verlegt werden; bei guter Stimmung - eigentlich. So ganz vermag es sich auf dem Bild nicht auszudrücken, unter dem immerhin steht: "Die Musik kommt gut an." Foto: Archiv Haus der Jugend

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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