Kinderkarussell und Konzertorgel im winterlichen Lichterglanz: Ein Funken Erinnerung an Kindheit und die Magie des Fleckenmarktes. Foto: Tonn
Kinderkarussell und Konzertorgel im winterlichen Lichterglanz: Ein Funken Erinnerung an Kindheit und die Magie des Fleckenmarktes. Foto: Tonn
BSM Niederelbe-Cuxhaven

75 Jahre Tradition: Cuxhavens Schausteller blicken auf bewegte Geschichte zurück

06.02.2026

Ein Abend voller Glanz und Geschichte: Über 300 Gäste feierten die Meilensteine des BSM Niederelbe-Cuxhaven und der Fachgruppe Schausteller. Es war ein Fest der Erinnerung - und der zukunftsweisenden Traditionen.

Über 300 Gäste, glitzernde Lichter, historische Schausteller-Schätze und bewegende Reden: Die Jubiläumsfeier des BSM (Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute) Niederelbe-Cuxhaven war mehr als ein Rückblick. Sie war ein Fest für die Sinne, ein Tribut an Tradition und Zusammenhalt und ein Bekenntnis zur Liebe zum Schaustellerberuf, die von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Es funkelte und blinkte im warmen Lichterglanz. Schausteller Stefan Sehlmeyer hatte vor der Kurparkhalle sein neues Kinderkarussell aufgebaut. Die Klänge der im Jahr 1835 als Konzertorgel gebauten, festlich illuminierten Walzen-Orgel hallten über den Platz. Ein Willkommen, das Erinnerungen an die Kindheit auf dem Fleckenmarkt wachrief.

Die festlich geschmückte Kugelbakehalle war der Ort eines doppelten Jubiläums: 75 Jahre Verband der Schausteller und Marktkaufleute sowie 60 Jahre Fachgruppe Schausteller. Bereits beim Betreten des Saals wurde klar: Dieser Abend war mehr als eine Feier. Am Eingang thronte die historische Kasse der Gregerschen "Venezianischen Pracht-Barock-Schiffsschaukel" von 1871 - Symbol für Tradition, Beständigkeit und Schaustellerstolz. Ein Fahneneinmarsch von 17 Schausteller-Traditionsfahnen, selbst aus Aschaffenburg und Dortmund, eröffnete den Abend, Live-Musik von der Tanzband "Blue Sky" und ein Buffet rundeten den würdigen Abend ab.

Die Kasse der Gregerschen "Venezianischen Pracht-Barock-Schiffsschaukel" von 1871 als Symbol für Beständigkeit. Voller Stolz: Egon Greger (v.l.), Ehrenvorsitzender BSM, David Bode, 1. Vorsitzender BSM Niederelbe-Cuxhaven, und BSM-Präsident Patrick Arens. Foto: Tonn

David Bode, 1. Vorsitzender des BSM Niederelbe-Cuxhaven, sprach bewegende Worte zur Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft: "Dieses Jubiläum ist kein Blick zurück mit Wehmut, sondern ein Blick nach vorn mit Stolz", betonte Bode. "Wir stehen auf den Schultern großer Schaustellergenerationen. Unsere Aufgabe ist es, ihre Werte zu bewahren und zugleich mutig neue Wege zu gehen - im Sinne unserer Familien, unserer Städte und unseres Publikums."

Mit lang anhaltendem Applaus wurde anschließend der Grandseigneur der Schaustellergilde, Egon Greger, Ehrenvorsitzender des BSM, empfangen. In seiner Jubiläumsansprache spannte der 84-Jährige einen bewegenden Bogen von den Anfängen bis in die Gegenwart - voller Dankbarkeit, Stolz und Demut. "Die Stadt Cuxhaven hatte stets ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte unseres Berufsstandes", betonte Greger. Er erinnerte an die Ehrungen seiner Familie für 150 Jahre Fleckenmarktgeschichte sowie an 125 Jahre Schaustellertradition der Familie Sehlmeyer: "Solche Zahlen kann man nicht wegradieren. Sie sind der lebendige Beweis einer außergewöhnlichen Zusammenarbeit."

Egon Greger (l.), Ehrenvorsitzender des BSM, beim bewegenden Festvortrag: Worte, die von einem Leben für den Schaustellerberuf zeugen. David Bode, 1. Vorsitzender des BSM Niederelbe-Cuxhaven, zeigt sich begeistert. Foto: Tonn

Mit warmen Worten begrüßte Greger zahlreiche Ehrengäste - darunter BSM-Präsident Patrick Arens, Oberbürgermeister Uwe Santjer, die Erste Stadträtin Petra Wüst, Kurdirektor Olaf Raffel sowie Schaustellerlegenden aus dem Norden. Besonders emotional wurde es beim Gruß an Ehrenmitglied und "Schaustellerkönig" Manfred Howey: "Ein Vorzeigeschausteller par excellence - wir sind stolz, Dich in unseren Reihen zu wissen", betonte Greger.

Ein Herzstück der Rede war der Blick zurück auf die Geburtsstunde der Fachgruppe 1 der Schausteller vor 60 Jahren. "Unter einer Kastanie in Worpswede entstand die Idee", erinnerte sich der Ehrenvorsitzende. Die Frage damals: Wie überstehen wir den Winter? Die Antwort wurde wegweisend - der Gedanke eines Weihnachtsmarktes war geboren. "Heute erleben wir diesen Markt in vollendeter Pracht. Und eines ist sicher: Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende geschrieben."

Greger erinnerte an Landesdelegiertentage mit Fahnenweihen, Feuerwerke über dem Meer, den Ausbau des Fleckenmarktes vom "Gummistiefelmarkt" zum gepflasterten Rundlauf - und an den großen Jubiläumsumzug zum 250. Fleckenmarkt von der Alten Liebe bis zum Ritzebütteler Marktplatz. Unvergesslich seien die Prieltaufe Neptuns, Shantychöre, Kommerzabende und die Tombola im Seepavillon, deren Hauptpreis ein nagelneuer Smart war - der nur mit vereinten Kräften durch das ausgebaute Fenster in den Festsaal gebracht werden konnte.

Von Joachim Tonn

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