Spektakulärer Flächentausch in Cuxhaven: Abkommen wird den Hafen erheblich verändern
Ein einzigartiger Flächentausch zwischen Bund, Land und Stadt Cuxhaven steht bevor: Ein neues Mehrzweckschiff und zwei Hafenareale spielen zentrale Rollen in einem Abkommen, das die Hafenlandschaft maßgeblich verändern wird.
Es ist ein Tauschgeschäft der besonderen Art, das am Mittwoch (4. Februar 2026) im Rügensaal des Rathauses öffentlich verkündet wurde: Bund, Land und Stadt haben sich auf einen komplexen Flächentausch geeinigt, der den Hafen nachhaltig verändern wird. Im Zentrum steht das neue Mehrzweckschiff "Neuwerk", das größer ausfallen wird als sein Vorgänger und deshalb einen neuen Heimathafen braucht.
"Der Bund hat sich dazu bekannt, am Standort Cuxhaven festzuhalten. Er möchte das hochmoderne Mehrzweckschiff hier liegen haben", erklärte Oberbürgermeister Uwe Santjer am Mittwochmittag im Rathaus. Zuvor wurden die Fraktionsvorsitzenden aus dem Rat der Stadt in die neuesten Entwicklungen eingeweiht.
Doch wo sollte das größere Schiff künftig liegen? Die Suche nach einem geeigneten Liegeplatz führte zu einer Lösung, die zunächst kompliziert klingt, aber allen Beteiligten Vorteile bringt.

Fährhafen wird zum Versorgungshafen des Bundes
Die Lösung heißt: Fährhafen. Dort, wo heute die Helgolandfähre und kleine Sportboote liegen, soll ein neuer Versorgungshafen für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) entstehen. Das Problem: Der Fährhafen gehört Niedersachsen Ports, das WSA braucht aber Bundesflächen.
Marcel Thies, Fachbereichsleiter Schifffahrt beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee, erläuterte die Anforderungen: "Wir brauchen eine Situation, wo wir sowohl eine Kaianlage haben, als auch dahinter eine Fläche, wo dann eben die Versorgungseinrichtungen für die neue Neuwerk vorhanden sind." Der bisherige Liegeplatz beim WSA kommt dafür wegen der Größe des Schiffsneubaus künftig nicht mehr infrage.
Im Fährhafen soll in den kommenden Jahren eine neue Landfläche von 183 Metern Länge und 80 Metern Breite aufgeschüttet werden. An der dortigen Nordmole sollen vier Liegeplätze entstehen: für die neue "Neuwerk", die alte "Neuwerk", den Seenotrettungskreuzer der DGZRS und ein Tagesschiff. Hinzu kommen ein neuer Bauhof mit Werkstätten und Tonnenlagerung. "Cuxhaven wird größer", kommentierte Uwe Santjer schmunzelnd.
Stadt übernimmt den Kugelbake-Hafen
Damit der Flächentausch funktioniert, musste ein dritter Partner ins Spiel kommen: die Stadt Cuxhaven. Denn Niedersachsen Ports hätte mit dem Kugelbake-Hafen, den das WSA im Gegenzug abgeben würde, wenig anfangen können. "Dieser Bauhafen, damit kann NPorts gar nicht so viel anfangen", erklärte Santjer. Verstärkter Steinumschlag an dieser touristisch sensiblen Lage sei nicht darstellbar.

Die Stadt sprang ein und erfüllt sich damit einen lange gehegten Wunsch. "Es hat viele Jahre schon Bemühungen gegeben, den alten Bauhafen bei der Kugelbake in den Besitz der Stadt Cuxhaven zu bringen", so der Oberbürgermeister. Was genau mit dem Hafen geschehen soll, ließ Santjer bewusst offen. Als Biotop, als Bade-Meer, als Teil im Rahmen einer möglichen Landesgartenschau - "vieles ist möglich".
Im Gegenzug erhält Niedersachsen Ports hafennahe Ausgleichsflächen von der Stadt. Holger Barnik, Geschäftsführer von Niedersachsen Ports, zeigte sich zufrieden: "Also ich glaube, für alle drei Parteien ist das eine gute Lösung, das so umzusetzen, dass wir jetzt sagen, wir tauschen einmal von rechts nach links durch. Und alle haben die Möglichkeit, sich zu entwickeln."
Steinumschlag wandert in den Neuen Fischereihafen
Ein weiterer Baustein der Lösung: Der Steinumschlag, der bislang am Kugelbake-Hafen stattfindet, wird in den Neuen Fischereihafen verlegt. "Auf einem Areal neben der Firma Machulez", präzisierte Barnik. Auch im Fährhafen sei der Steinumschlag geprüft worden. "Doch das halten wir alle auch nicht für sinnvoll, weil wir sagen, das ist hier nun einmal ein touristisch geprägter Bereich", so der NPorts-Chef.

Für die etwa zwölf bis fünfzehn Sportboote, die in der Saison im Fährhafen liegen, werden Alternativlösungen gesucht.
Lange Planungs- und Bauzeit - Interimslösung nötig
Die zeitliche Dimension des Projekts ist gewaltig. "Da reden wir eher über einen Zeitraum von sechs, sieben Jahren", sagte Marcel Thies zur Gesamtdauer. Die Planungsphase ist von 2026 bis 2030 angesetzt, die Bauphase von 2030 bis 2033.
Das Problem: Die neue "Neuwerk" soll bereits im vierten Quartal 2027 in Dienst gestellt werden. Also lange bevor der neue Versorgungshafen fertig ist. Als Interimslösung ist die Seebäderbrücke vorgesehen.
Der Hintergrund für das neue Schiff: Das Havariekommando wird in Cuxhaven ausgebaut, ein neues Gebäude entsteht anstelle des Antennenturms am Maritimen Sicherheitszentrum. Das führt zu Platzproblemen auf dem bisherigen WSA-Gelände. Die geplante neue Kaianlage muss so beschaffen sein, dass das Schiff selbst bei Sturmflut eigenständig auslaufen kann. "Es ist ja für die maritime Notfallvorsorge da", erklärte Thies.
Behördenstandort gestärkt - öffentliche Beteiligung geplant
Uwe Santjer betonte die Bedeutung des Projekts für Cuxhaven als Behördenstandort: "Für uns ist es wichtig, dass Cuxhaven weiterhin auch ein starker Behördenstandort ist. Und eigentlich ist das auch unser Ziel, diesen Behördenstandort eher auszubauen, als dass der minimiert wird."
Die Zusammenarbeit zwischen Bund, Land und Stadt lobten alle Beteiligten. "Das hat auch was von hoher Kollegialität", sagte Santjer. Barnik pflichtete bei: "Im Hafen Cuxhaven arbeiten Behörden und Verwaltung hervorragend zusammen und es wird gemeinsam konstruktiv nach Lösungen gesucht."
Bevor die eigentliche Planung beginnt, muss zunächst der Ringtausch rechtlich fixiert werden. Eine Absichtserklärung ist in Vorbereitung, die politischen Gremien müssen zustimmen. Eine öffentliche Beteiligung sei fest eingeplant. Alle Alternativstandorte seien geprüft worden, versicherte der Oberbürgermeister.