Cuxhaven-Groden: Protest gegen geplantes Regenrückhaltebecken im Biotop Arnhausen
"Hochachtung. Einmal so gehört zu werden, haben wir uns immer gewünscht." So verabschiedete sich am Mittwoch ein Ehepaar bei der Grodener Pastorin Sabine Badorrek. Das Thema Arnhausen hatte rund 100 Menschen im Gemeindesaal zusammengebracht.
Es war ein Treffen voller ernster Töne und eindringlicher Appelle. Stück für Stück wollten die Menschen abgeklopft haben, ob es noch Hoffnung für den Erhalt des einzigartigen Stücks Natur in ihrer Nachbarschaft gibt.
Es geht um die Frage, ob die Entwässerung der Grundstücke in ihrem Stadtteil wirklich nur gesichert ist, wenn inmitten des über Jahrzehnte wildgewachsenen Biotops - einer Pionierwaldlandschaft - ein rund 10.000 Quadratmeter großes betoniertes Regenrückhaltebecken gebaut wird. Dieses soll das Herzstück der für Groden geplanten Entwässerungsbaumaßnahmen sein, mit denen die Stadt die EWE beauftragt hat. Formal scheint der Zug abgefahren, denn den Änderungen des Flächennutzungsplans "Arnhausen" und des Bebauungsplans Nr. 106n "Gewerbegebiet Groden" hat der Rat der Stadt bereits am 1. Juli vergangenen Jahres zugestimmt - einstimmig und ohne Aussprache.

Initiative zieht Anwalt zurate
Eine Tatsache, die von den Anwesenden am Mittwoch zum größten Teil fassungslos aufgenommen wurde. Die evangelische Kirchengemeinde, die BUND-Kreisgruppe Cuxhaven, die Initiative Stadtgrün, die Grodener Initiative Arnhausen und "Cuxhaven for Future" hatten die Versammlung initiiert. Die Abwesenheit der miteingeladenen Vertreterinnen und Vertreter der Fraktionen und der Stadtverwaltung wertete Norbert Welker (er ist Ratsherr der Grünen, ordnete sich an dem Abend aber der BUND-Kreisgruppe zu) als Reaktion auf eine in Aussicht stehende rechtliche Auseinandersetzung. Denn um ein vergleichendes Gutachten zu erwirken, das die voraussichtliche Entwässerungskapazität des Regenwasserrückhaltebeckens mit dem Festhalten am Arnhausen-Gelände als Speicher- und Polderfläche vergleichen soll, hat sich die Gegeninitiative inzwischen anwaltlichen Beistand gesucht (dafür wird in Groden Geld gesammelt) . Laut Gabriele Grubel (Initiative Stadtgrün) habe die Stadtverwaltung außerdem angesichts der gültigen Ratsentscheidung keinen Handlungs- oder Erklärungsbedarf gesehen.

Pastorin Sabine Badorrek räumte ein, dass ihr die Brisanz nicht von Anfang an bewusst gewesen sei, ihr jedoch das Potenzial und die Kraft dieses Biotops nach eingehender Prüfung immer mehr imponiert hätten. "Nehmen wir wahr, was wir an Arnhausen haben. Was weg ist, ist weg", appellierte sie. Gabriele Grubel nannte als Charakteristika des ab 1727 von der Familie Benöhr in Etappen entwickelten Geländes unter anderem drei Obstgärten und eine Lindenallee. Das alles überzogen mit einem 70 Jahre alten Pionierwald und einer sicher "zwei Meter dicken Humusschicht".
Nicht nur sie, sondern auch Anwohnerinnen und Anwohner schilderten die Vielfalt an Pflanzen und Tierarten, die sie von ihren Grundstücken aus oder bei Spaziergängen entlang des Lehstroms beobachten. Eine in Kauf genommene Vernichtung sei ein Frevel. Sie wollten mitnichten die Entwässerung ihres Stadtteils gefährden, stellten die Anwesenden klar. Jedoch könne vielleicht gerade dieses Gelände mit seinen schwammartigen Eigenschaften die entscheidende Lösung darstellen.
Zusätzlich sei, so Norbert Welker, wahrscheinlich nur der Ausbau der dort noch vorhandenen alten Gräben erforderlich, dazu noch die Anlage eines Quergrabens. Jedoch sei dieser Vorschlag als zu großer Eingriff in die Natur abgewiesen worden. Womit hingegen im Vergleich dazu die Versiegelung eines riesigen Beckens gerechtfertigt werden könnte, erschloss sich den Anwesenden nicht.
Natur um Groden herum ist schon gebeutelt
Die industrielle Entwicklung um den Stadtteil Groden herum wurde immer wieder als Argument genannt, wenigstens Arnhausen der Natur zu überlassen. Nach der Befestigung der riesigen Flächen am Hafenzubringer seien plötzlich Rehe auf der Grodener Chaussee herumgelaufen. Uhus und Fledermäuse - allesamt geschützte Arten - würden sich schwerlich an Wegweiser mit der Aufschrift "Hier bitte nicht einziehen" halten, hieß es ironisch. Ausgleichsflächen gehörten außerdem in die Nähe der Menschen und nicht nur "in die Prärie".

In einem flammenden Plädoyer machte sich die sichtlich um Einigung bemühte Sabine Badorrek für eine Stadt Cuxhaven stark, die nicht nur für industrielles Wachstum stehe, sondern auch für verantwortungsbewusste Umweltpolitik - zum Beispiel als "CSC" - "Cuxhaven Sponge City" (Schwammstadt).
Viele Anwesende äußerten sich entschlossen, weiter um Arnhausen zu kämpfen. Sie fragten - wenn ein Regenrückhaltebecken unerlässlich sei - nach alternativen Standorten und anderen Möglichkeiten der Verbesserung. Mit Applaus wurde der in der Runde laut gewordene Hinweis auf die Verantwortung der Anlieger quittiert: Wer seine Gräben nicht reinige, zuwachsen lasse oder in Eigenregie Rohre einziehe und den Wasserlauf auffülle, verschärfe die Misere. Kritik wurde daran geübt, dass Gräben nur noch selten oder gar nicht mehr kontrolliert würden, wie es die aktuelle Rechtslage für Gewässer dritter Ordnung zulässt.
