Alle Jahre wieder: Das Ehemaligentreffen auf dem Weihnachtsmarkt Schloss Ritzebüttel
Beim Ehemaligentreffen am Weihnachtsmarkt vor dem Schloss Ritzebüttel in Cuxhaven kommen an Heiligabend alte Bekannte zusammen. Musik, Glühwein und vertraute Gespräche prägen eine Tradition, die Generationen verbindet.
"Alle Jahre wieder" - der letzte Tag des Weihnachtsmarktes am Schloss Ritzebüttel, genauer gesagt der letzte Vormittag bricht an. Hakan Bingöl wuselt schon eifrig vor der offiziellen Öffnung über das Gelände. In diesem Jahr hat er erstmals gemeinsam mit seinem Team die Aufgabe übernommen, den Schlussakkord, das sogenannte "Ehemaligentreffen", zu gestalten und für einen harmonischen Ablauf mit schöner Dekoration und Musik zu sorgen.
Musik über den Köpfen
Unterstützt wird er dabei tatkräftig von DJ Jannik, der in luftiger Höhe für die musikalische Untermalung sorgt. Dabei bleibt es durchaus nicht nur bei den altbekannten Weihnachtsliedern: Fetzige Klänge wabern über die Besucherköpfe hinweg und sorgen rasch für gute Stimmung.
Nach und nach füllt sich der Marktplatz mit gut gelaunten Menschen jeglichen Alters. "Alle Jahre wieder" - das trifft auch auf die "Wurster Mädels" zu, fröhliche junge Frauen, die sich hier seit Jahren am Vormittag des Heiligabends treffen. Inzwischen leben sie verstreut im Umfeld von Cuxhaven, kommen aus Altenbruch, Sahlenburg und Altenwalde. Für sie gehört das Ehemaligentreffen fest zum "Vorprogramm" der folgenden Feiertage - ein geliebtes Ritual. Wie lange schon? Darüber scheiden sich die Geister.

Ein Treffpunkt mit Geschichte
Bernd Kreft, ehemaliger Schulleiter des Lichtenberg-Gymnasiums Cuxhaven, organisiert die lockere Zusammenkunft auf dem Ritzebütteler Weihnachtsmarkt schon seit vielen Jahren. Auch heute hat er wieder einen weihnachtlich dekorierten Glühweinstand aufgebaut und erwartet mit Unterstützung seiner Tochter zahlreiche ehemalige Schülerinnen und Schüler. Wie lange er das schon macht? "Schätzungsweise 20 Jahre bestimmt."
Auch die Standbetreiber tragen seit vielen Jahren zum Gelingen bei. Gleich vorne am Eingang, direkt hinter der Brücke, fällt ein besonders süßer Stand ins Auge - süß im wahrsten Sinne des Wortes. Gebrannte Mandeln und Lebkuchenherzen in sämtlichen Größen, mit Zuckerguss-Aufdruck wie"Ich liebe dich" sind längst nicht alles, was es hier für Naschkatzen zu kaufen gibt. Zwei sehr junge Leute dekorieren hier gerade die Ware. Sie sind zum ersten Mal dabei, doch ihr Vater gehört zum Stamm der Beschicker.
Er weiß zu erzählen, dass der Weihnachtsmarkt schon so manchen Standortwechsel erlebt hat, begonnen mitten in der Innenstadt. So wie er sich inzwischen am Schloss Ritzebüttel präsentiert, habe er jedoch eine ganz besondere Atmosphäre. Wie lange es diese Tradition nun schon gibt? Er und andere Standbetreiber erinnern sich weit zurück. Am Glögg-Stand meint man sogar, bereits vor 30 Jahren Besucher verwöhnt zu haben.

Ohne Programm, aber mit Gefühl
Inzwischen ist es Mittagszeit, der Schlossplatz füllt sich zunehmend. Ein besonderes Programm gibt es heute nicht - erwartet aber auch niemand, wie die Besucher erzählen. Man trifft sich einfach, ohne große Vorbereitung, mehr oder weniger zufällig. Bekannte, Klassenkameraden, Arbeitskollegen, vielleicht sogar Freunde oder Verwandte, die man sonst selten sieht.
Auch die nächste Generation wird gleich mit eingeführt. Kinder sind hier keine Ausnahme. Für sie gibt es einiges zu bestaunen: die lebensgroße Krippe direkt vor dem Schloss, den Rentierschlitten und natürlich das bunte Kinderkarussell gleich zu Beginn des Weihnachtsmarktes.
Über dem gesamten Gelände liegen Musik, fröhliches Gelächter, Gläserklirren und der Duft von Bratwurst, Glühwein und Waffeln. Abseits großer Weihnachtsmärkte wird hier Tradition gelebt. Und wenn man genau hinhört, fallen immer wieder Sätze wie: "Was macht denn der?", "Wie geht's denn dem?", oder "Weißt du noch?" "Alle Jahre wieder" wird auf dem Weihnachtsmarkt lebendig- bis zum nächsten Mal beim Ehemaligentreffen am Schloss Ritzebüttel.
Von Inga Kasparek