Im Internet kursieren die Bilder der Fundstelle bereits in zahlreichen sozialen Netzwerken und Foren. Sie sollen echt sein. Foto: Reese-Winne
Im Internet kursieren die Bilder der Fundstelle bereits in zahlreichen sozialen Netzwerken und Foren. Sie sollen echt sein. Foto: Reese-Winne
Sensationsfund im Kreis Cuxhaven

Bei Baggerarbeiten: Alter Wehrmacht-Panzer auf dem Fliegerhorst Nordholz entdeckt

von Maren Reese-Winne | 13.05.2026

Ein sensationeller Fund auf dem Fliegerhorst Nordholz (Gemeinde Wurster Nordseeküste / Kreis Cuxhaven): Ein gut erhaltener Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg wurde entdeckt und wirft Licht auf die bewegte Geschichte der Region kurz nach Kriegsende.

Auf dem Fliegerhorst-Gelände in Nordholz soll Ende April 2026 bei Baggerarbeiten ein kompletter deutscher Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg zutage gekommen sein. Im Internet kursieren Fotos des äußerlich offenbar überaus gut erhaltenen Militärfahrzeugs. Es könnte - 81 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs - Zeugnis von den Irrungen und Wirrungen der letzten Kriegstage und der Nachkriegszeit in Cuxhaven und Nordholz ablegen.

In Expertenkreisen gilt der Fund auf dem Gelände des Marinefliegerkommandos in Nordholz als Sensation. Der "Stug III" (Sturmgeschütz III) oder auch Sd.Kfz. 142 war laut Insidern das meistgebaute Vollkettenfahrzeug der deutschen Wehrmacht. Angelehnt an die Beurteilung des historischen Werts des im vergangenen September bei Scharhörn geborgenen deutschen U-Boots U16 müsste es sich auch hier um ein technisch und geschichtlich bedeutendes Objekt und somit ein Kulturdenkmal handeln. Panzer dieses Typs sollen unter anderem in der Wehrtechnischen Studiensammlung Koblenz und dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr in Dresden zu sehen sein.

Bilder und Kommentare in sozialen Netzwerken und Foren

Seit Anfang Mai 2026 tauchen die Bilder und Kommentare unter anderem auf Facebook-Seiten, bei Youtube, Instagram und in Foren in Deutschland, Polen und England auf. Zu sehen sind Menschen in Warnwesten und Arbeitskleidung, die tief wie in einem Krater den Panzer freilegen. Ketten, Räder, Aufbauten und Geschützrohr sind erhalten. Im Hintergrund sind Gebäude des Fliegerhorstes zu erkennen.

Zuständigkeit soll bei der BImA liegen

Mehrere Männer tragen T-Shirts mit der Aufschrift "KBD", was auf den Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Niedersachsen hinweist. Dieser hat sich gegenüber der CNV-Medien-Redaktion nicht zu dem Sachverhalt geäußert, sondern auf die Zuständigkeit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hingewiesen - genauso wie die Pressestelle der Bundeswehr in Bonn, an die die CN/NEZ-Anfrage weitergeleitet wurde.

Um ein solches oder ähnliches Fahrzeug handelt es sich (das Stug III wurde in mehreren Varianten erbaut): Ein von der US-Army erbeuteter deutscher Stug III-Panzer mit amerikanischen Hoheitszeichen. Foto: gemeinfrei, Wikipedia

Noch scheint offen zu sein, wie mit dem Fund umgegangen werden soll. CNV-Medien hat der BImA Fragen zur militärgeschichtlichen und archäologischen Einordnung und zum weiteren Vorgehen gestellt. Unter welchen Umständen das Fahrzeug dort im Erdreich versenkt worden sein mag, dazu gibt es Hinweise und schlüssige Überlegungen; es ist wahrscheinlich davon auszugehen, dass sich auf dem einstigen Luftschiffplatz noch mehr historische Zeugnisse im Boden befinden.

Nordholz war der Sammelpunkt für deutsche Soldaten auf dem Weg in die Internierung

Tatsache ist, dass Nordholz in den allerletzten Tagen vor und kurz nach Kriegsende ein wichtiger Sammelpunkt war. Am 4. Mai 1945 wurde die bedingungslose Teilkapitulation für die deutschen Streitkräfte in Holland, Nordwestdeutschland, auf allen Inseln inklusive Helgoland, Schleswig-Holstein sowie in Dänemark besiegelt. Alle  militärischen Anlagen und Fahrzeuge mussten der Besatzungsmacht widerstandslos übergeben werden.

Parallel zur Eroberung der Stadt Cuxhaven übernahm das 5. Bataillon der britischen Coldstream Guards die Entwaffnung der als gefährlich geltenden 7. Fallschirmjägerdivision in Nordholz. Es stellte sich heraus, dass viele der dazugehörigen Soldaten sich noch in großer Zahl Altenwalde, Oxstedt und Midlum befanden. Sie wurden zur Entwaffnung und Internierung zum Flugplatz beordert.

Überreste der 7. Fallschirmjägerdivison

Fotos aus dem Imperial War Museum in London zeigen Soldaten und Internierte, die sich teils zu Fuß und teils mit einfachen Pferdekutschen auf den Weg nach Nordholz gemacht hatten. Erheblich zur Aufklärung beigetragen hat unter anderem der Cuxhavener Martin Brütt mit seiner Website "Festungswerke Cuxhaven". Daher ist bekannt, dass die Stug III-Panzer und andere Kettenfahrzeuge ursprünglich zur 12. Fallschirmjäger-Sturmgeschützbrigade gehört haben müssen, die wiederum der 7. Fallschirmjägerdivision unterstellt war.

Diese dem Ems-Korps zugehörige Einheit war bis kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs in schwere Abwehrkämpfe im Raum Varel-Oldenburg verwickelt. Im Zuge des Rückzugs setzten sich Teile der Division über die Weser in das nördliche Gebiet von Cuxhaven ab. Von dort aus gelang es einigen Einheiten noch, die Elbe Richtung  Schleswig-Holstein zu überqueren.

Militärfahrzeuge nach Kriegsende auf dem Nordholzer Fliegerhorst. Die Aufnahme zeigt vier Sturmgeschütze III (Sd.Kfz. 142) sowie einen Jagdpanzer "Marder III" auf der rechten Seite. Quer im Bild positioniert ist zudem ein Jagdpanzer 38 "Hetzer" zu erkennen. Bei dem Flugzeug handelt es sich um eine Junkers W 34. Das Bild ist auf der "Festungswerke"-Seite von Martin Brütt veröffentlicht. Foto: Thorsten Perl

Wohin mit den zurückgelassenen Fahrzeugen?

Auf der "Festungswerke"-Seite ist ein Foto zu sehen, das Fahrzeuge der 7. Fallschirmjägerdivision in Nordholz zeigt. Thorsten Perl überließ der Sammlung ein Foto aus dem Besitz von Veteranen der 406th Fighter Group /USAAF, die bis 1946 in Nordholz stationiert waren. Zu sehen sind vier Sturmgeschütze III (Sd.Kfz. 142, vermutlich Ausführung G) sowie ein Jagdpanzer "Marder III". Quer im Bild soll sich ein Jagdpanzer 38 "Hetzer" positioniert haben. Bei dem ebenfalls zu sehenden Flugzeug handelt es sich um eine Junkers W 34.

Der Fliegerhorst Nordholz wurde - anders als Cuxhaven und Hadeln - durch US-Amerikaner besetzt. Nachdem die alliierten Truppen den Fliegerhorst verlassen hatten, wurde zurückgebliebenes Kriegsmaterial kurzfristig entsorgt - wohl auch das nun freigelegte STUG III, mehrere amerikanische Jagdflugzeuge sowie weiteres Gerät. Zeitzeugenberichten gemäß sollen sie in tiefen Löchern und einem einstigen Panzerabwehrgraben vergraben worden sein, was auch durch historische Dokumente belegt sein soll. Einige nicht mehr benötigte, technisch nicht mehr zeitgemäße amerikanische Jagdflugzeuge sollen auf diese Weise ebenfalls entsorgt worden sein; das alles wohl nicht nur direkt auf dem Fliegerhorst-Gelände, sondern auch auf anderen Flächen in der Region.

Nicht bekannt ist, ob alle auf dem Foto zu sehenden Fahrzeuge in Nordholz vergraben worden sind. Der jetzt aufgetauchte Panzer soll nicht mehr fahrtüchtig gewesen sein; vielleicht ein Grund, ihn zurückzulassen.

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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