Ein Teil des U-Boot-Wracks U16 ist bereits in ein Museum gebracht worden. Das Heck und der Turm stehen zukünftig im Technik- und Fahrzeugmuseum Benneckenstein. Foto: Tänzer
Ein Teil des U-Boot-Wracks U16 ist bereits in ein Museum gebracht worden. Das Heck und der Turm stehen zukünftig im Technik- und Fahrzeugmuseum Benneckenstein. Foto: Tänzer
Nautischer Verein Cuxhaven

"Eine Schatzkammer": Archäologen berichten in Cuxhaven über die Arbeit am U-Boot U16

von Tim Larschow | 28.10.2025

Beim Vortragsabend des Nautischen Vereins im Museum Windstärke 10 berichteten Fachleute über die Bergung und die Dokumentation des U‑Boots U16 vor Cuxhaven. Archäologen gaben Einblicke in Funde und kündigten große Neuigkeiten zu Wrackteilen an.

Mit dem traditionellen Glasen der Glocke eröffnete der zweite Vorsitzende des Nautischen Vereins, Ralf Gütlein, am Montagabend den Vortragsabend im Museum Windstärke 10 in Cuxhaven. Rund 100 Interessierte waren gekommen, um mehr über die Bergung des U-Boots U16 und den weiteren Umgang mit Wrackteilen und Fundstücken zu erfahren.

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Museumsleiterin Christina Wawrzinek und den Vorsitzenden des Nautischen Vereins, Arne Ehlers, gab Gütlein zunächst einen historischen Überblick über das U-Boot. Er stellte Einsätze, versenkte Schiffe und die Kommandanten der U16 vor und zeichnete so das Bild eines technisch wie geschichtlich bedeutenden Objekts.

Freilegung und Bergung

Im Anschluss berichtete Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann über den aktuellen Stand der Bergung und die wissenschaftliche Bedeutung des Wracks. Für Archäologen sei ein solches U-Boot ein Kulturdenkmal, für das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) in diesem Fall vor allem ein Hindernis. Haßmann bestätigte, dass das Wrack im Jahr 2023 kontinuierlich freigespült worden sei - Unterwasserscans hätten dies deutlich gezeigt.

Beim WSA habe man zwar rasch handeln wollen, jedoch zunächst ohne Einbindung der Archäologen. Erst später seien Fachleute hinzugezogen worden. Glücklicherweise habe Fotograf Hartmut Mester die Bergung von Beginn an filmisch und fotografisch begleitet, sodass sämtliche Arbeitsschritte dokumentiert seien.

Die Außenhaut des Bootes, so die Experten, habe bei der Bergung eine brüchige Konsistenz gehabt und sei mit Fischernetzen überzogen gewesen. Im Inneren fanden sich Elektromotoren, der Petroleum-Antrieb und große Mengen Sediment, das mit Kadmium, Blei und weiteren Schadstoffen unter anderem aus den Batterien belastet war. Der Schlamm ist toxischer Sondermüll.

Ziel war es dennoch, möglichst viele Teile für die museale Präsentation zu erhalten. Zwei Teile, darunter der Turm, landen im Harz, im Fahrzeugmuseum Benneckenstein.

Archäologische Bedeutung

Wie Haßmann erklärte, seien archäologische Ausgrabungen immer dann notwendig, wenn Kulturdenkmale durch Bau- oder Sicherungsmaßnahmen gefährdet würden. Eine Grabung stelle dabei stets die letzte Möglichkeit der Dokumentation dar, da die Funde im Zuge der Bergung zwangsläufig zerstört würden - doch beim U16 war es notwendig.

"Das U-Boot war eine echte Schatzkammer", betonte Haßmann. Derzeit die Außenhülle, technische Komponenten und Legierungen untersucht. Dr. Mike Belasus vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung erläuterte, dass unter anderem Kupferkabel, ummantelt mit Blei, Textilfasern und weiteren Materialien, analysiert werden. Auch die gefundenen Kunststoffe würden wissenschaftlich ausgewertet, um mehr über ihre Zusammensetzung zu erfahren.

Eine der Petroleum-Maschinen sei zudem ausgebaut worden, um sie möglicherweise einem Museum zu übergeben. Hinweise deuten darauf hin, dass die U16 gegen Ende des Zweiten Weltkriegs als Ersatzteillager für andere U-Boote diente.

Pressekonferenz angekündigt

Zum Abschluss des Abends wurde angekündigt, dass am 6. November um 11 Uhr eine Pressekonferenz im Museum Windstärke 10 stattfinden soll. Dort sollen Einzelteile des U-Bootes präsentiert und Informationen gegeben werden, welche Objekte künftig in welchen Museen gezeigt werden.

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben und das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt nahmen trotz Einladung nicht an der Veranstaltung teil.

Beim Vortragsabend des Nautischen Vereins im Museum Windstärke 10 verfolgen die Besucher gespannt die Erläuterungen zur Bergung des U-Boots U16. Foto: Larschow
Landesarchäologe Dr. Henning Haßmann beim Vortragsabend des Nautischen Vereins. Foto: Larschow

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Tim Larschow
Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tlarschow@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Das einstige ZDF-Traumschiff

Musik und Showeinlage in Cuxhaven: MS "Deutschland" hat letzte Abschiedstour begonnen

von Tim Larschow

Die "Deutschland" ist seit zehn Jahren Teil der "Phoenix-Reisen"-Flotte und hat ihre Abschiedstournee im Mai begonnen. Nirgends wurde das Schiff in diesem Sommer häufiger abgefertigt als in Cuxhaven - nun zum letzten Mal.

Das einstige ZDF-Traumschiff

Letzter Anlauf des Jahres 2026 mit buntem Programm: "Deutschland" kommt nach Cuxhaven

von Tim Larschow

Mit der "Deutschland", dem einstigen ZDF-Traumschiff, war in diesem Jahr wieder regelmäßig ein Kreuzfahrtschiff am Steubenhöft. Das "schwimmende Grandhotel" machte bereits zum dritten Mal in Cuxhaven fest. Nun steht der letzte Anlauf an.

Untersuchung nennt Ursachen

Tödliches Schiffsunglück vor Helgoland: Warum "Verity" und "Polesie" kollidierten

von Redaktion

Fünf Seeleute verloren ihr Leben, als die "Verity" und die "Polesie" vor Helgoland zusammenstießen. Eine neue Untersuchung rekonstruiert die dramatischen Minuten vor der Kollision und zeigt, welche Schwachstellen im Schiffsverkehr offengelegt wurden.

"Scenic Eclipse II" kommt vorbei

Luxusexpeditionsschiff beeindruckt vor Cuxhaven: Jetzt nächste Chance auf Sichtung

von Tim Larschow

Luxus und eigenes U-Boot: Die "Scenic Eclipse II" verbindet Kreuzfahrt und Abenteuer. Nachdem das Schiff am Montag (3. August 2026) Cuxhaven passiert hat, gibt es nochmal eine Gelegenheit, das Schiff vor der Kugelbake zu sehen.