Aufmerksamkeit für MS: Junge Cuxhavenerin läuft für Aufklärung und Forschung
Die Cuxhavenerin Deike Splitje ist Buchtmädel, Kapitän, Läuferin, Familienfrau - und zum ersten Mal auch Botschafterin der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft für eine Aktion namens "The May 50 K". Hier berichtet sie über ihre Beweggründe.
Mit der internationalen Aktion "The May 50 K" wollen Betroffene und Unterstützer mittels sportlicher Leistungen über die Krankheit aufklären und Spenden für die Forschung sammeln.
Eine Aufgabe, der die 39-jährige aufgeregt entgegensieht. Zweimal hat sie bereits teilgenommen. Die Ernennung zur Botschafterin ist für sie eine große Ehre. Auf der Homepage www.themay50k.de und in der gleichnamigen App ist sie schon mit ihrem Namen zu finden und hat bereits mit 756 Euro eingeworbener Spenden ihr selbst gestecktes Ziel von 700 Euro übertroffen.
Marke bei 200 Kilometern gesetzt
Ein Betrag, der natürlich stehenbleibt, wenn am 1. Mai die Uhr auf Null gestellt und die Kilometer neu gezählt werden: Mindestens 50 Kilometer wollen Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Mai laufend, auf dem Fahrrad oder im Rollstuhl zurücklegen, um zu zeigen, was Menschen mit MS leisten können. Deike Splitje möchte beim Laufen, Fahrradfahren und Rudern die 200 Kilometer-Marke knacken.
Vor zwölf Jahren ist Multiple Sklerose bei ihr diagnostiziert worden. Ursache war sehr wahrscheinlich eine Infektion mit dem Pfeifferschen Drüsenfieber im Alter von 14 Jahren. Das auslösende Epstein-Barr-Virus gilt heute als Hauptursache und sogar Voraussetzung für den Ausbruch einer MS. Zu den Hauptsymptomen zählten zum Zeitpunkt der Diagnose Taubheitsgefühle auf der ganzen rechten Seite. "Im Nachhinein denke ich, dass viele Beschwerden schon viel früher da waren", erinnert sich die Cuxhavenerin.
An Bord die Welt kennengelernt
Beruflich war sie damals gerade an ihrer Traumstelle - Kapitän auf einem See- und Hafenschlepper in der Nordsee - angekommen. Die Grundlagen dafür hatte sie an der Staatlichen Seefahrtschule gelegt. Sie kam 2006 aus Plön auf die andere Elbeseite nach Cuxhaven. Der SBTA-Ausbildung (Schiffsbetriebstechnischer Assistent) schloss sich ein Studium an der Staatlichen Seefahrtschule Cuxhaven an. Auf Containerschiffen und Stückgut-Frachtern kam sie bis nach China, Afrika, zu dem Großen Seen in Kanada, nach Südamerika und später nach Schottland, Norwegen und in die Niederlande. Die Aufgabe in der Nordsee war für sie mit der Gemeinschaft an Bord und spannenden Aufträgen wie dem Verbringen von Bohrplattformen am schönsten.
Kapitänskarriere jäh gestoppt
Einen Monat nach der Ernennung zum Kapitän im April 2014 kam die Diagnose MS - mit allen Konsequenzen. Schon aus Verantwortung für die Mannschaft und das Schiff musste sie den schmerzlichen Entzug der Seediensttauglichkeit akzeptieren.
MS äußerst sich bei allen Betroffenen anders und bedeutet nicht automatisch ein Leben im Rollstuhl. Der 39-Jährigen ist es wichtig, Vorurteile abzubauen und über die vielen unsichtbaren Symptome aufzuklären, die jeden Tag durcheinanderbringen können: Bei ihr sind das Fatigue (eine bleierne Müdigkeit), neuropathische Schmerzen in Fingern, Füßen und Zehen, eine Blasenentleerungsstörung, Depressionen, Konzentrations- und Wortfindungsstörungen.
Für sie ist Bewegung nicht nur Vergnügen, sondern Therapie: Energie holt sie sich durch Krafttraining, Rudern zu Hause, Training im Fitnessstudio und Laufen. Im September ist mit dem Buchtschwimmen etwas Neues hinzugekommen: Eine Freundin nahm sie mit zu den "Buchtmädels", einer Gruppe von Frauen, die sich jeden Tag bei Hochwasser in der Grimmershörnbucht zum Baden trifft - bei jedem Wetter.
Jeden Tag ins Wasser - bei jedem Wetter
Es folgte prompt ein Winter, wie er hier nicht an der Tagesordnung ist. Minus 1,7 Grad betrug die Wassertemperatur am kältesten Tag. Doch so groß die Überwindung auch ist - beim Verlassen des Wassers ist die Euphorie da, angekurbelt durch die lustige Truppe, die oft bewundernde Worte des nicht so mutigen Publikums auf der Promenade erhält: "Darauf legen wir es gar nicht an, wir machen es ja für uns selbst", sagt Deike Splitje bescheiden.
Laufend zu den schönsten Orten Cuxhavens
Mit ihrem Ehemann, einem Lotsen, und der neunjährigen Tochter wohnt sie in Döse und ist inzwischen voller Überzeugung Cuxhavenerin: "Hier hat sich wirklich wahnsinnig viel getan." Dazu kommt die Umgebung mit Strand, Wald und Heide, die sie gerne laufend erkundet - wenn auch nicht immer gleich mit einem Halbmarathon (21 Kilometer); einer Distanz, die sie mehrmals im Jahr läuft.
Und bald wieder ist sie wieder ganz offiziell für die Aktion "The May 50K" unterwegs. Spenden können ihr online persönlich zugeordnet werden. Alle Beträge kommen der MS-Forschung sowie dem Zugang aller Menschen zu einer Behandlung zu. Spendenbescheinigungen werden ausgestellt. "Es wird geforscht, aber noch nicht genug", so die Cuxhavenerin. Idealerweise könnten bahnbrechende Erkenntnisse Menschen mit MS künftig ein Leben ohne Symptome oder sogar die Heilung ermöglichen.