Sonnenuntergang über dem Fährhafen: ein idyllischer Anblick, der im Kontrast zu den aktuellen Diskussionen um das Hafenbauprojekt steht. Foto: Kuczorra
Sonnenuntergang über dem Fährhafen: ein idyllischer Anblick, der im Kontrast zu den aktuellen Diskussionen um das Hafenbauprojekt steht. Foto: Kuczorra
Kriegsschiff-Liegeplatz und Co.

Aufregung um Hafenprojekt in Cuxhaven: Anonymes Flugblatt heizt Debatte an

von Jens Potschka | 13.02.2026

Ein anonymes Flugblatt schürt Spekulationen über das geplante Hafenbauprojekt im Fährhafen, doch die Wahrheit sieht anders aus. Was steckt wirklich hinter den Vorwürfen und wie sieht die Realität aus? Ein Blick hinter die Kulissen.

Es dauerte nicht lange, da kochte das Internet wieder. Ein anonymes Flugblatt, in dieser Woche unter anderem in die Briefkästen der Wohnanlage Seeterrassen an der Grimmershörnbucht gesteckt, hat Spekulationen über das geplante Hafenbauprojekt im Fährhafen angefacht, die mit den tatsächlichen Planungsständen wenig gemein haben. Acht Meter Aufschüttung, sechzig Mitarbeiter, 30-Tonner-Lkw täglich und - das ist das Steilste - ein Kriegsschiff-Liegeplatz. Das Papier ist anonym. Einen Absender sucht man vergeblich.

Was das Flugblatt behauptet - und was stimmt

Zunächst zur wichtigsten Frage: Was ist dran? Marcel Thies, Fachbereichsleiter Schifffahrt beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Elbe-Nordsee, hat sich die Mühe gemacht, die Vorwürfe auf Nachfrage dieser Zeitung einzuordnen. Auf die Behauptung, das sogenannte Tagesschiff sei in Wahrheit ein Kriegsschiff-Liegeplatz, war seine Antwort knapp und eindeutig: "Die Aussage ist falsch." Punkt. Keine Einschränkung, kein Konjunktiv.

Komplizierter ist die Frage nach den Höhen, und hier lohnt es sich, genau hinzuhören. Das Flugblatt behauptet pauschal: acht Meter Aufschüttung, sechs Meter Hallen obendrauf. Thies sagt: Verlässliche Zahlen gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht, weil es sie noch nicht geben kann. Die Planung steckt in einem sehr frühen Stadium. "Wir sind nicht in der Lage, das, was wir jetzt zeigen würden, wirklich so aufzuschreiben und zu sagen: Das ist es jetzt", erläuterte Thies im Gespräch. Wer belastbare Zahlen nennt, erfindet sie.

So soll der neue Versorgungshafen im Fährhafen aussehen: Eine 183 Meter lange und 80 Meter breite Landfläche wird aufgeschüttet (weiß markiert), um dort einen Pier mit vier Liegeplätzen sowie ein Verwaltungsgebäude mit Bauhof zu errichten. Der Seenotrettungskreuzer und das Helgolandschiff können am Standort bleiben. Luftfoto: WSV Bund

Sturmflutsicher, ja - aber kein Industriekasten

Was Thies allerdings einräumt: Der neue Versorgungshafen muss sturmflutsicher sein. Das ist keine Spekulation, das ist technische Notwendigkeit. Schließlich soll das neue Mehrzweckschiff "Neuwerk" auch und gerade dann auslaufen können, wenn auf der Nordsee Ausnahmezustand herrscht. Maritime Notfallvorsorge funktioniert nur, wenn der Hafen auch im Extremfall erreichbar bleibt.

Wie hoch das Gelände dabei werden könnte? Thies schätzte - ausdrücklich als nicht verifizierte Einschätzung, nicht als Planungszahl - grob auf etwa 6,50 Meter. Zum Vergleich: Das Gelände liegt heute bereits bei rund 3,50 bis 4 Metern. Die viel diskutierte Differenz ist also deutlich kleiner, als das Flugblatt glauben machen will. Und die Mole, die ohnehin angepasst werden muss, könnte am Ende tatsächlich auf eine Höhe von rund acht Metern kommen - was nach Industrieansiedlung klingt, was es aber nicht ist: Das ist Küstenschutz.

Grüner Deich statt grauer Halle

Was Thies beschreibt, klingt nach einem anderen Bild, als das Flugblatt zeichnet. Die Idee, die hinter den frühen Überlegungen steckt, ist nicht die einer wuchtigen Hafenhalle im Sichtfeld der Kugelbake, sondern eher das Gegenteil: "Man möchte diesen grünen Deich in der Optik verlängern und in diesen Deich ein Gebäude integrieren", so Thies. Etwas, das vielleicht fünf bis sechs Meter über den Deichkörper herausragt, angepasst an eine - sein Wort - "schöne Optik". Touristisch wirksam, nicht industriell wuchtig. Wohlgemerkt: Das sind erste Gedanken, keine Entwürfe. Keine Zeichnung, kein Modell, kein Bauantrag.

Sturmflut im Fährhafen an der Grimmershörnbucht: Die heutige Mole, die ohnehin an die klimatischen Gegebenheiten angepasst werden muss, könnte am Ende tatsächlich auf eine Höhe von rund acht Metern kommen - was nach Industrieansiedlung klingt, was es aber nicht ist: Das ist Küstenschutz. Foto: Kuczorra

Genau das ist der Kern der Sache: Diese Planung ist noch lange nicht so weit. Zwischen der Pressekonferenz im Rathaus und dem ersten Spatenstich liegen - wenn alles glatt läuft - bis zu zehn Jahre. Die Planungsphase ist von 2026 bis 2030 angesetzt, die Bauphase von 2030 bis 2033. Wer heute Fakten in die Welt setzt, die vortäuschen, als stünde der Bagger morgen im Fährhafen, der hat die Zeitachse schlicht nicht verstanden.

Öffentlichkeit wird eingebunden - das ist keine Floskel

Oberbürgermeister Uwe Santjer hat bei der Pressekonferenz vergangene Woche ausdrücklich zugesichert: Eine öffentliche Beteiligung ist fest eingeplant. Das ist kein Lippenbekenntnis. Das ist bei einem Projekt dieser Größenordnung und Tragweite auch rechtlich unvermeidlich. Wer Fragen hat, wer Sorgen hat, wer Einwände hat, wird die Möglichkeit bekommen, diese zu äußern. An der richtigen Stelle, zur richtigen Zeit, mit der richtigen Wirkung. Ein anonymes Flugblatt, das mit unbelegten Zahlen arbeitet, ist kein Beitrag zur Diskussion. Es ist Lärm.

Cuxhaven verdient eine andere Debatte: eine sachliche, eine gut informierte, eine, die zwischen dem, was beschlossen ist, dem, was geplant wird, und dem, was jemand in einem Briefkasten behauptet, sauber unterscheidet. Diese Zeitung wird das Projekt weiter begleiten - mit Fakten, mit Nachfragen, mit Namen über dem Text.

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Jens Potschka

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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