Sahlenburger Großprojekte: Politischer Rückhalt für Küstenschutz und Besucherzentrum
Ein Haus wird mobil und CO₂-neutral, während ein neuer Dünendeich entsteht, der nicht nur schützt, sondern auch den Tourismus auf ein neues Niveau hebt. Cuxhaven steht vor einem Aufbruch, der Politik, Wirtschaft und Natur vereint.
Donnerstagmorgen, kurz nach 10 Uhr, Wattenmeer-Besucherzentrum Sahlenburg: Als Christian Meyer (Bündnis 90/Die Grünen) den Veranstaltungssaal betrat, warteten bereits gut zwanzig Vertreter aus dem Rat der Stadt, der Stadtverwaltung und vom Deichverband auf den niedersächsischen Umweltminister. Sein Besuch hatte einen konkreten Doppelzweck und hinterließ einen Dreiklang aus Aufbruchsstimmung, politischer Klarheit und dem unüberhörbaren Appell: Jetzt oder nie.
Ein Haus macht sich auf den Weg - mobil und CO₂-neutral
Oberbürgermeister Uwe Santjer (SPD) begrüßte den Gast aus Hannover mit unverhohlener Herzlichkeit: "Wir können dich immer ansprechen. Und wenn es darum geht, die Energiewende voranzubringen, den Klimaschutz voranzubringen, dann sind wir bei dir immer in guten Händen." Santjer skizzierte knapp, was auf der Tagesordnung stand: die energetische Optimierung des WattBz sowie das geplante Wattenmeer-Besucherzentrum auf Rädern und natürlich der Deich.
Bernhard Rauhut, Leiter des WattBz, erläuterte dem Minister die zwei Vorhaben seines Hauses. Das sogenannte "WattBz-Mobil" soll Umweltbildung künftig dorthin bringen, wo die Menschen sind - in Schulaulen, Bankfoyers, auf Stadtfeste und vielleicht auch in Seniorenheime. "Wir wollen nicht dieses Haus hier größer, schöner machen", sagte Rauhut. "Wir wollen die Umweltbildung zu den Menschen bringen." Das mobile System soll ohne begleitendes Personal funktionieren, variabel und, wie Rauhut schmunzelnd anmerkte, "eine eierlegende Wollmilchsau". Die Finanzierung steht: hundert Prozent, getragen von Wattenmeerstiftung und Bundesmitteln. Parallel plant das WattBz, sein Gebäude vollständig von fossilen Energieträgern zu lösen. Rund 600.000 Euro fließen in die energetische Sanierung, mit 80 Prozent Förderung. Ziel ist ein Null-Emissionen-Gebäude, das zur Biosphärenregion Cuxhaven passt.
Die letzte Lücke schließt sich - nach Jahrzehnten
Den Schwerpunkt des Morgens aber bildeten die Deichbaupläne für Sahlenburg. Ein Vorhaben, über das diese Zeitung bereits mehrfach ausführlich berichtet hat. Stadtbaurat Andreas Eickmann fasste zusammen, was die jahrelange Planung ergeben hat: einen sogenannten Dünendeich, der die natürliche Formensprache der Küstenlandschaft aufnimmt, Strandhafer als Begrünung, sogenannte Rauheitselemente statt reinem Beton und zwei barrierefreie Übergänge zum Strand. "Wir haben hier nicht einen klassischen Gründeich", erklärte Eickmann, "sondern eine Deichkonstruktion, die die Naturräumlichkeit aufnimmt."
Anja Stute, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, betonte den multifunktionalen Ansatz der Planung: "Wir versuchen, multifunktional zu denken und verbinden hier Naturschutz, Klimaanpassung, Grünordnung und den Tourismus." Auf dem geplanten Deich sollen Wattbalkone entstehen, ein neuer Standort für die Rettungsstation auf dem Wernerwald-Platz ist vorgesehen. Selbst die Wattwagen-Überfahrt, die Neuwerk versorgt und Wattrettern den Einsatz ermöglicht, soll erhalten bleiben. "Das Loch wird geschlossen", fasste Ortsbürgermeisterin Claudia Bönnen (CDU) stolz zusammen. "Wir schließen die letzte Lücke an der niedersächsischen Nordseeküste."
Vier Millionen Übernachtungen - und eine Stadt im Aufbruch
Kurdirektor Olaf Raffel verwies auf die wirtschaftliche Dimension: Vier Millionen Übernachtungen verzeichnet Cuxhaven inzwischen, allein aus Sahlenburg stammen rund eine halbe Million und das mit steigender Tendenz. "Das wird ein Strahlkraftprojekt werden", sagte Raffel. Der neue Deich werde nicht nur Schutz bieten, sondern auch die touristische Infrastruktur auf ein neues Niveau heben.
Gunnar Wegner (SPD-Fraktion) und der Grünen-Fraktionsvorsitzende Robert Babacé mahnten, die Bevölkerung bei aller Aufbruchsstimmung mitzunehmen. "Wir müssen aufpassen, dass wir sie nicht mit der Fülle der Einzelprojekte überfordern", sagte Wegner. Babacé ergänzte: "Es geht eigentlich immer nur um das Wie. Die Bürger wollen beteiligt werden, und das ist die große Herausforderung." Bundestagsabgeordneter Christoph Frauenpreiß (CDU) erinnerte unterdessen an die Bedeutung der GAK-Mittel des Bundes für den Küstenschutz und dankte dem Minister für dessen Einsatz: "Bund und Land sind sich bewusst: Küstenschutz bedeutet Menschenschutz."
Santjer: "Die Gunst der Stunde ist jetzt"
Oberbürgermeister Santjer wählte am Ende klare Worte: "Wir sind noch nie so weit gewesen wie heute. Die Verwaltung ist bereit, das Land ist bereit. Die Gunst der Stunde ist jetzt. Wir haben eine Verantwortung, dass wir das jetzt hier vernünftig abarbeiten."
Minister Meyer stimmte zu und gab dem Vorhaben politischen Rückenwind: Der Planfeststellungsantrag solle Ende 2026 oder Anfang 2027 gestellt werden. Dann, so Meyer, könne der Förderantrag folgen, und die Finanzierung aus Küstenschutzmitteln von Land und Bund sei seiner Einschätzung nach gesichert. Den Beweis, dass Naturschutz und Hochwasserschutz kein Widerspruch sein müssen, liefere Sahlenburg selbst: "Wenn man will, kann man alles hinbekommen."
Zum Abschluss des Besuchs überreichte Oberbürgermeister Santjer dem Minister eine handgefertigte Holzkugelbake, Cuxhavens einzigartiges Wahrzeichen, gefertigt von Menschen der Lebenshilfe Cuxhaven. Anschließend trug sich Christian Meyer ins Gästebuch der Stadt ein, bevor er zur nächsten Station seines Besuchs aufbrach: dem Alten Fischereihafen. Dort übergab der Minister einen Förderbescheid über rund 1,4 Millionen Euro. Unser Medienhaus berichtete ausführlich.