Cuxhaven: Rund um das geplante Regenrückhaltebecken in Groden - was vorgesehen ist
Das Projekt Arnhausen, für das 18.000 Quadratmeter Wald geopfert werden sollen, erhitzt die Gemüter nicht nur in Cuxhaven-Groden. Doch was soll dort eigentlich genau passieren? Fragen und Antworten um das geplante Regenwasserrückhaltebecken.
Die Zukunft Arnhausens bewegt. Über 100 Menschen kamen zu einer Informationsveranstaltung über das geplante Regenrückhaltebecken ins Grodener Gemeindehaus; die meisten von ihnen empört darüber, dass für das Bauwerk insgesamt 18.000 Quadratmeter Wald geopfert werden sollen.
Obwohl der Rat darüber bereits am 1. Juli 2025 beschlossen hat, wollen sie erreichen, dass nochmals die Speicherfähigkeit des ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesens überprüft wird. Auch sie befürworten eine Verbesserung im Hochwasserschutz - jedoch ohne einen so massiven Eingriff in die Natur.

Denn der kommt beim vorgesehenen Projekt unweigerlich. Rund 18 Monate soll der Bau dauern. Für diese Zeit kündigt die durch den Vorhabenträger EWE Wasser GmbH beauftragte IBL Umweltplanung GmbH den Einsatz schwerer Maschinen, erhöhtes Verkehrsaufkommen, Lärm, Staub und Erschütterungen an. Gebraucht würden außerdem Einrichtungs- und Lagerstätten, Aufenthalts- und Sanitärcontainer sowie Baustraßen.
Angesichts der aktuell aufkeimenden Diskussion haben wir noch mal wichtigsten Rahmendaten zusammengetragen.

Worum geht es? Maßnahmen zur Klimaanpassung sind Pflichtaufgabe der Kommunen; dazu gehört der Starkregenschutz. Für Groden plant die EWE Wasser GmbH im Auftrag der Stadt Cuxhaven zwei Großprojekte: "GrodEN 1" und "GrodEN 2" (= "Groden Entwässerung"). Das Regenrückhaltebecken in Arnhausen ist Herz des Vorhabens "GrodEN1" (östlich der Bahnlinie). "GrodEN2" dient unter anderem der Entwässerung der Grodener Chaussee.
Wo und was ist Arnhausen? Es handelt sich um Teile eines für Groden einst sehr bedeutsamen Bauernhofs zwischen der Grodener Chaussee, den heutigen Gewerbebetrieben des Biotechnologie-Campus (Zeppelinstraße) und der Humphry-Davy-Straße sowie dem Kastanienweg. Auf dem früheren Anwesen sind unter anderem eine Baumreihe mit zehn sehr alten Winterlinden sowie Überreste mehrerer Obstgärten erhalten. Über Jahrzehnte ist ein Pionierwald (u.a. Weiden, Ahorn, Eschen, Birken, Zitterpappeln) von hohem ökologischen Wert entstanden. An mehreren Seiten ist das Gelände durch den Lehstrom und den angrenzenden Anna-Becker-Weg umgeben, außerdem grenzt die Bahnlinie nach Bremerhaven daran. Die Fläche wird auch als archäologisch sensibles Gebiet eingestuft (über Geschichte und kulturelle Bedeutung werden wir noch ausführlich berichten).
Welchen Umfang hat das Bauprojekt? Das Regenrückhaltebecken allein soll bei einem Umfang von rund 390 Metern gut 10.000 Quadratmeter groß werden. Insgesamt werden aber fast 18.500 Quadratmeter Waldfläche beansprucht. Um das Becken herum soll ein befestigter, befahrbarer und für die Öffentlichkeit freigegebener Unterhaltungsweg führen. Beckensohle und Böschung sollen abgedichtet und versiegelt werden. Das Becken soll dauerhaft gefüllt sein. Bei Extremsituationen ist ein Notablauf in die nordöstlich gelegenen §30-Flächen (gesetzlich geschützte Biotope) vorgesehen. Ein Überweg über den Lehstrom soll am Anna-Becker-Weg geschaffen werden.
Wie verändert sich das Gelände? Wald- sowie weitere Biotope, Gebüsche, Gehölze und Binnengewässer gehen dauerhaft verloren, darunter auch 24 Habitatbäume (potenzielle Brutvögel- und Fledermausquartiere). Laut dem vorigen Bebauungsplan und dem Landschaftsrahmenplan der Stadt war Arnhausen selbst bis vor kurzem als Ausgleichsfläche ausgewiesen. Der Rat hat den B-Plan Nr. 106n "Gewerbegebiet Groden" und den Flächennutzungsplan der Stadt Cuxhaven (130. Änderung) geändert.
Welche Unterhaltungsmaßnahmen sind vorgesehen? Einmal im Jahr soll das Ufer abschnittsweise gepflegt bzw. geschnitten werden.
Kann es auch Vorteile geben? Der Wert als öffentlich zugängliches Naherholungsgebiet soll sich laut Planung erhöhen, indem der fünf Meter breite Unterhaltungsweg als Fuß- und Radweg freigegeben wird. Es wird von einer "naturnahen Ausgestaltung" gesprochen. Außerhalb des Plangebiets sollen weitere Eingriffe in die Natur unterbleiben. Ins Auge gefasst ist auch die Einrichtung eines Aussichtspunkts, um die angrenzenden hochwertigen Bereiche erlebbar zu machen.

Woraus bestehen die Kompensationsmaßnahmen? Weil Arnhausen selbst schon Ausgleichsfläche war, ist eine doppelte Kompensation erforderlich. In drei Teilbereichen auf den Wiesen zwischen Altenwalde und der Drangst sind drei Maßnahmen vorgesehen, die mit Aufforstung (feuchter Eschen- und Erlen-Auwald) und Wiedervernässung verbunden sind.
Welche Bedenken führen Kritiker an? Zunächst die hohe ökologische Bedeutung des Gebiets. Die Baumaßnahme zerstöre Lebensräume. Kritik wird aber auch an den zu erwartenden hohen Bau- und Unterhaltungskosten und den mutmaßlich zeit- und kostenaufwendigen Kompensationsmaßnahmen geübt. Außerdem wird die besondere Bedeutung innerstädtischer Waldflächen als Hitzeschutz genannt.
Welche Alternativen wurden geprüft? Ein Betrachtungsgebiet nördlich der Repsoldstraße wurde naturschutzfachlich als noch wertvoller als Arnhausen eingestuft. Auch sei diese Fläche bereits als Ausgleichsfläche ausgewiesen. Für eine Grünfläche nördlich der Zeppelinstraße habe die Eigentümerin kein Verkaufsinteresse bekundet. Sie soll offenbar als potenzielle Erweiterungsfläche für den benachbarten Betrieb freigehalten werden.
