Aus der Steiermark nach Cuxhaven: Christian Ettls Weg zum Siemens-Gamesa-Werkschef
Als Christian Ettl im Juni 2025 die Leitung des Siemens-Gamesa-Werks in Cuxhaven übernahm, lagen mehr als drei Jahrzehnte Industrieerfahrung hinter ihm - und ein Karriereweg, der fernab großer Konzernzentralen begann.
Der heute 49-Jährige wuchs in Weiz in der Steiermark auf und kommt aus einer landwirtschaftlichen Familie. Sein beruflicher Weg startete bodenständig: mit einer Weiterbildung im landwirtschaftlichen Bereich. Doch bald entschied er sich für eine Lehre und wechselte zu VA Tech, dem damaligen österreichischen Technologiekonzern, der Mitte der 1990er-Jahre zu den größten des Landes zählte und 2005 von Siemens übernommen wurde. Dort begann Ettl in der Fertigung, wechselte später in den Service und war als Serviceingenieur zehn Jahre weltweit unterwegs.
Während dieser Zeit arbeitete er sich - wie er selbst sagt - "unbewusst" die Karriereleiter nach oben. "Ich habe nie versucht, den nächsten Schritt zu erarbeiten, aber Chancen immer ergriffen. Eine meiner Stärken ist mein Ehrgeiz, die Kunden und das Produkt haben mich immer getrieben", sagt er.
Im Werk und in der Stadt angekommen
Seit 1992 ist Ettl im Siemens-Umfeld tätig. Im Bereich der Transformatorenproduktion leitete er zunächst ein Werk, später den gesamten Werksverbund. Damals sowie in den vergangenen fünf bis sechs Jahren war er als Zulieferer bereits eng mit Siemens Gamesa verbunden. "Dadurch bin ich in die Branche der Windenergie eingetaucht, und kürzlich ergab sich die Chance, mich beruflich zu verändern und Österreich zu verlassen. Auch meine familiäre Situation machte das gut möglich", erzählt Ettl. Seine beiden Kinder (20 und 22 Jahre) studieren in Wien und Salzburg.
So führte ihn sein Weg an die Nordseeküste. In Cuxhaven ist Ettl seit Juni 2025 Werksleiter. Seit dem 1. Januar trägt er zudem Verantwortung für den Bereich "Nacelle", also für alle Turbinenwerke des Unternehmens sowohl on- als auch offshore.
Sein Lebensmittelpunkt hat sich verlagert: "In Cuxhaven habe ich eine Wohnung und verbringe die meiste Zeit hier. Durch meine neue Rolle kommt seit Januar natürlich auch mehr Reisetätigkeit auf mich zu", sagt er. Ein- bis zweimal im Monat kehrt er nach Österreich zurück. Seine Frau besucht ihn aber auch regelmäßig in Cuxhaven. "Früher ist man im Urlaub irgendwo hingefahren, jetzt fahre ich im Urlaub nach Hause", sagt er und lacht.
Ettl zeigt sich zufrieden mit seinem Neustart. "Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass ich den Schritt gemacht habe. Ich bin nicht nur mit den Ergebnissen zufrieden, sondern auch damit, wie ich im Werk und in der Stadt aufgenommen wurde. Das hat es mir ermöglicht, das Werk rasch auf eine neue Erfolgsebene zu bringen", so der Werksleiter.
Für Kuchen mit dem Rennrad nach Stade
Das Cuxhavener Werk beschreibt er als modern und anspruchsvoll. Arbeitssicherheit und Qualität hätten höchste Priorität, die kontinuierliche Verbesserung sei entscheidend, um wettbewerbsfähig zu bleiben. "Viele kleine Schritte mit großen Auswirkungen für das Unternehmen", fasst er zusammen. Auch den Ausbau des Cuxhavener Hafens verfolgt er aufmerksam. "Ich finde den Ausbau grundsätzlich sehr gut und finde, dass die Verantwortlichen in der Region eine ausgezeichnete Arbeit leisten, um den Standort noch attraktiver zu machen - für On- und Offshore", sagt der 49-Jährige und ergänzt: "Der Ausbau wird die Wettbewerbsfähigkeit der Region weiter steigern und absichern. Für uns ist das auch ein starkes Zeichen für den Standort Cuxhaven."
Abseits der Arbeit ist Ettl sportbegeistert, geht gerne Wandern und fährt Ski. Die Berge seiner Heimat fehlen ihm, doch die Küstenregion hat für ihn ihren eigenen Reiz. "Ich bin jemand, der sich in den Bergen wohlfühlt und viel Energie daraus zieht. Das fehlt mir, aber landschaftlich ist es hier auch sehr schön. Man kann vor allem sehr gut Rad fahren", sagt er. Mit seinem Rennrad geht es Richtung Bremerhaven oder Hamburg, am liebsten nach Stade - für ein Stück Kuchen und 180 Kilometer im Sattel. In Österreich bevorzugt er das Mountainbike.