Rund 150 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung der Interessengemeinschaft Bauvorhaben Prinzessinnentrift in die Gastronomie „Zur Sonne” im Kegelzentrum. Die volle Gastronomie machte deutlich: Das Bauvorhaben bewegt das Viertel.
Rund 150 Bürgerinnen und Bürger folgten der Einladung der Interessengemeinschaft Bauvorhaben Prinzessinnentrift in die Gastronomie „Zur Sonne” im Kegelzentrum. Die volle Gastronomie machte deutlich: Das Bauvorhaben bewegt das Viertel.
Unterschriften gegen Bauprojekt

Prinzessinnentrift: 150 Bürgerinnen und Bürger sagen Nein

von Jens Potschka | 08.06.2026

Im Kegelzentrum drängen sich 150 Bürger, um ihre Stimme gegen ein Bauprojekt zu erheben, das das historische Stadtbild bedroht. Die Diskussion nimmt Fahrt auf und die Verwaltung steht vor einer Herausforderung, die mehr als nur Baurecht betrifft.

Die Gastronomie "Zur Sonne" im Kegelzentrum fasst normalerweise nicht 150 Menschen. An diesem frühen Abend war sie voll. Wer noch einen Platz fand, saß dicht an dicht. Wer keinen mehr fand, stand. Die Interessengemeinschaft Bauvorhaben Prinzessinnentrift hatte eingeladen, und die Resonanz war eindeutig: Das geplante Bauprojekt an einer der historisch gewachsenen Straßen im Stadtteil Grimmershörn bewegt die Menschen im Viertel tief. Oberbürgermeister Uwe Santjer und Abteilungsleiter Sebastian Post, zuständig für das Bauprojekt, folgten der Einladung und stellten sich den Fragen der Bürgerinnen und Bürger.

150 Anwohner und ein Bebauungsplan aus dem vorigen Jahrhundert

Zur Erinnerung: Was an der Prinzessinnentrift im Stadtteil Grimmershörn entstehen soll, ist kein kleines Wohnhaus. Die Bremerhavener Polzin-Gezer Immobilien GmbH plant auf den Flurstücken 177 und 178 einen Gebäudekomplex mit 27 Ferienwohneinheiten auf sechs Vollgeschossen zuzüglich eines Garagengeschosses, dazu eine fensterlose Brandmauer entlang der Nachbargrenze, die sich über nahezu die gesamte Grundstücksbreite erstreckt. Die Altbauten sind längst abgerissen.

Die Baulücke wartet. Und die Nachbarschaft kämpft. Seit Wochen sammelt die Interessengemeinschaft Unterschriften, hat einen Fachanwalt für Baurecht eingeschaltet und macht öffentlich Druck. An dem Abend im Kegelzentrum brachte eine Teilnehmerin auf den Punkt, was viele umtreibt: Der kleinstädtische Charakter Cuxhavens, den Einheimische wie Touristen gleichermaßen schätzen, sei in den vergangenen Jahren bereits vielfach verloren gegangen. Es sei an der Zeit, wieder auf behutsame, ortsverträgliche Stadtentwicklung zu setzen.

Ein Gutachten aus dem Jahr 1998

Oberbürgermeister Santjer hörte zu, beantwortete Fragen, zeigte Gesprächsbereitschaft. Er sicherte zu, mehrere in der Runde aufgeworfene Fragen an die zuständige Bauverwaltung weiterzuleiten und dort prüfen zu lassen. Den Dialog möchte er in kleinerem Rahmen im Rathaus fortsetzen.

Neu war an diesem Abend die Information, dass derzeit ein Lärmgutachten für das Vorhaben erstellt wird. Für Verstimmung sorgte dagegen eine andere Aussage von Abteilungsleiter Post: Ein neues Verkehrsgutachten sei aus Sicht der Verwaltung nicht erforderlich. Man stütze sich auf ein Gutachten aus dem Jahr 1998. Fast drei Jahrzehnte ist es alt, und stammt damit aus einer Zeit, als das Smartphone noch nicht erfunden war. Für viele Anwesende war das schwer nachzuvollziehen. Ähnlich verhält es sich mit dem Bebauungsplan selbst, dessen Festsetzungen für das Sondergebiet "Kur" ebenfalls aus den späten 1990er Jahren stammen. Was damals als Planungsrahmen gedacht war, bildet heute die rechtliche Grundlage für ein Projekt, das nach Ansicht vieler Anwohner nicht in die gewachsene Struktur des Quartiers passt.

Initiative sammelt weiter Unterschriften

Dabei war schon der erste Bauantrag der Polzin-Gezer GmbH abgelehnt worden. Der überarbeitete Entwurf, der nun in der Prüfung ist, verzichtet zwar auf das ursprünglich vorgesehene Penthouse im obersten Geschoss, doch die Brandmauer bleibt. Die Gebäudehöhe bleibt. Und der Baukörper rückt durch die jetzt auf der Gebäuderückseite geplanten Carports sogar noch näher an den öffentlichen Straßenraum heran.

Sebastian Post räumte das gegenüber dieser Redaktion bereits offen ein: "Diese hohe weiße Wand ändert sich gegenüber dem alten Entwurf nicht großartig." Die Interessengemeinschaft fordert eine grundlegende Reduzierung des Gebäudekörpers, sowohl in der Höhe als auch bei der Zahl der Wohneinheiten. Ihr Argument ist nicht neu, aber es wird lauter: Cuxhaven brauche keine maximale Verdichtung auf Kosten des gewachsenen Stadtbilds, sondern eine Stadtentwicklung mit Augenmaß.

Die Unterschriftenlisten laufen weiter. Der Fachanwalt arbeitet. Und die Kommunalwahl rückt näher. Bis dahin will die Interessengemeinschaft sogenannte Wahlprüfsteine an alle demokratischen Parteien im Stadtrat richten und deren Positionen zur Stadtentwicklung öffentlich sichtbar machen. Cuxhaven und die Prinzessinnentrift haben noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Oberbürgermeister Uwe Santjer und Abteilungsleiter Sebastian Post (hinten rechts) stellten sich den Fragen der Anwohner. Santjer sicherte zu, den Dialog im Rathaus fortzusetzen. Die Aussage, ein Verkehrsgutachten aus dem Jahr 1998 sei weiterhin ausreichend, stieß im Saal auf Unverständnis.
Ein Anwohner befestigt ein Protestplakat gegen das umstrittene Bauprojekt in der Prinzessinnentrift - Symbol für den Widerstand der Nachbarschaft.
Leergeräumtes Baugrundstück an der Prinzessinnentrift: Hier, auf den Flurstücken 177 und 178, soll das Projekt "Prinzessinnentrift N° 13" entstehen. Die Altbauten sind bereits abgerissen. Die abschließende Entscheidung über den überarbeiteten Bauantrag der Polzin-Gezer Immobilien GmbH aus Bremerhaven steht noch aus.

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