Mozart mit Sonnenbrille: Das Mare-Musik-Festival 2026 vereint klassische Eleganz mit rockigem Flair, während das Ensemble hier mit Trompeterin Lucienne Renaudin Vary das Publikum in der Kugelbake-Halle begeistert. Foto: Potschka
Mozart mit Sonnenbrille: Das Mare-Musik-Festival 2026 vereint klassische Eleganz mit rockigem Flair, während das Ensemble hier mit Trompeterin Lucienne Renaudin Vary das Publikum in der Kugelbake-Halle begeistert. Foto: Potschka
In der Kugelbake-Halle

Beim Mare-Musik-Festival in Cuxhaven gab es Mozart - klassisch und auch rockig

26.05.2026

Zwischen klassischer Eleganz und rockigem Enthusiasmus: Das Mare-Musik-Festival 2026 in der Kugelbake-Halle zeigt Mozarts Werke in einem völlig neuen Licht. Trompetenklänge und Klavierpartien überwinden Grenzen.

Von Ilse Cordes

Am Ende blickt Mozart, ganz cool mit Sonnenbrille, von der Rückwand der Bühne auf den Spaß, den das komplette Musikerensemble mit dem Finale "Rock me Amadeus" seinem Publikum bietet. Und der Jubel ist groß am Pfingstsonntagabend beim Festkonzert des 5. Mare-Musik-Festivals in der Kugelbake-Halle. Mozart, ob original klassisch oder mit seinen "Ohrwürmern" schnell mal in die Nähe des Jazz und Rock gerückt - alles ist möglich, wenn man's kann.

Und genau das ist der Fall. Sie können es eben, alle wie sie da sind: die umwerfende französische Trompeterin Lucienne Renaudin Vary, Simon Haje, der junge und auf der Klaviatur schon konturenreich gestaltende Pianist, die Streicher des Kammerorchesters der Deutschen Oper Berlin und Mathias Christian Kosel natürlich, der als sich in so vielen musikalischen Genres bewegende Interpret diesen Spaß hat einfallen lassen. Längst schon geht Musik über Grenzen und beweist damit immer wieder, dass sie vor allem dann ihr Publikum erreicht.

Doch das sprichwörtliche Pferd soll hier nicht vom Schwanz aufgezäumt werden - der Löwenanteil des "Amadeus Amadeus!"-Festkonzertes ist dem "originalen" Mozart gewidmet, dem Inbegriff der Wiener Klassik. Am Anfang wurde das "Divertimento D-Dur, KV 136", eine der drei sogenannten "Salzburger Sinfonien" aus dem Jahre 1772, an diesem Abend in der Besetzung zwei Violinen, Viola, Violoncello und Kontrabass gespielt. Eine Besetzung, die fraglos der Transparenz zugutekommt, vor allem dann, wenn sie so musiziert wird, wie von den fünf Streichern des Kammerorchesters der Deutschen Oper Berlin. Daniel Draganovs 1. Violine darf sich mit ihrem Part ausgiebig der "singenden" Thematik widmen, während seine vier Streicherkollegen mit ihren abwechslungsreichen Partien daran erinnern, dass nicht umsonst bei dieser Werkgruppe von "Sinfonien" die Rede ist.

Einem Divertimento ähnlich, jedenfalls was die Reihenfolge der Sätze angeht, ist auch Mozarts Streichquartett-Erstling (G-Dur KV 80). Komponiert im Wirtshaus von Lodi, wo Vater und Sohn auf Mozarts erster Italienreise 1770 Station machten, ist es schon weit mehr als die bloße Fingerübung eines jungen Genies. Und das will sich eben auf keinen Fall nur in überlieferten Formen bewegen, sondern Neues, Frisches und auch Überraschendes schaffen. Mit seinem genau aufeinander abgestimmten Spiel lässt das Quartett aus Berlin all das aufklingen. Viel mehr dann noch in Mozarts Serenade Nr. 13 G-Dur KV 525, der "Kleinen Nachtmusik", einem seiner populärsten Werke. Dass es in der Zeit des "Giovanni" entstand, sollte all jenen zu denken geben, die da von "Nebenwerk" reden! Die solistische Besetzung, in der es am Abend in der Kugelbake-Halle zu hören war, macht erneut deutlich, wie facettenreich seine Klangwelt ist - vor allem dann, wenn es so ausgefeilt gespielt wird wie von Musikern der Deutschen Oper Berlin.

In Streichquintett-Besetzung begleiten sie den Klavierpart von Simon Haje in Mozarts Es-Dur-Klavierkonzert Nr. 14 (KV 449) aus dem Jahre 1784. Der junge Pianist, dem Cuxhavener Konzertpublikum aus zwei begeistert aufgenommenen Solo-Recitals im Schloss bestens bekannt, zeigte auch hier wieder sein so erstaunliches Können. Hajes Klavierspiel vereint hohes technisches Können mit für seine jungen Jahre ungewöhnlicher gestalterischer Tiefe. Der Kadenz als Summe des ersten Satzes folgt ein schlichtes, intensives Andantino. Der Schluss, streng und zugleich pianistisch brillant, gibt Simon Haje die Möglichkeit, sein Können einmal mehr nach allen Regeln der Kunst auszubreiten. Zusammen mit Mathias Kosel ist er dann vierhändig im rasanten Schlusssatz der "Gran Partita B-Dur" zu hören, einem im Original für zwölf Bläser und Kontrabass komponiertem Werk. Womit dann auch Miloš Formans berühmter Mozart-Film "Amadeus" mit ins Spiel kommt, denn dort untermalte der erste Satz die schicksalhafte Begegnung Mozarts mit Salieri.

Und was mit Blick auf Populäres von Mozart ebenfalls nicht fehlen darf - das "Alla turca", hier für Trompete bearbeitet von Mathias Kosel und glänzend gespielt von Lucienne Renaudin Vary. Ein Vorgeschmack auf den "Ausklang" am Pfingstmontag in Herz-Jesu. Doch davon später mehr.

Nachzutragen zum "Amadeus Amadeus!"-Festkonzert bleibt Kosels Rezitation an diesem Abend. Ein Gang durch Auszüge aus Briefen Mozarts an seinen Vater, seine Schwester und das Bäsle. Wenn man so will: ein Gang durch ein kurzes, überaus wechselvolles Komponistenleben.

Ein harmonisches Zusammenspiel von Klassik und Moderne: Die Streicher des Kammerorchesters der Deutschen Oper Berlin mit dem Pianisten Simon Haje interpretieren Mozart vor einer beeindruckenden Kulisse in der Kugelbake-Halle. Foto: Potschka
Zwischen Klassik und Moderne: Die Trompeterin Lucienne Renaudin Vary verleiht Mozarts Meisterwerken beim Mare-Musik-Festival 2026 in der Kugelbake-Halle neuen Glanz. Foto: Potschka

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