Peter von Rüden zieht sich nicht nur für das Schreiben gerne nach Cuxhaven zurück - er hat hier auch schon seine Arbeit präsentiert; zuletzt im März 2026 beim Vortrag über Siegfried Lenz im Schloss Ritzebüttel. Foto: Reese-Winne
Peter von Rüden zieht sich nicht nur für das Schreiben gerne nach Cuxhaven zurück - er hat hier auch schon seine Arbeit präsentiert; zuletzt im März 2026 beim Vortrag über Siegfried Lenz im Schloss Ritzebüttel. Foto: Reese-Winne
Stolz auf die Stadt ist angebracht

Großes Lob für Bedingungen und Menschen: Beeindruckendes Werk entstand in Cuxhaven 

von Maren Reese-Winne | 28.05.2026

Peter von Rüden ist eine führende Persönlichkeit des deutschen Hörfunks und Fernsehens. Für sein neues Buch hat er die deutsche Besatzung Norwegens neu beleuchtet und viele Details erstmals ans Licht befördert. Geschrieben hat er es in Cuxhaven.

Wer sich mit Peter von Rüden unterhält, kann einen spannenden Ausflug in die deutsche Zeit-, aber auch Mediengeschichte unternehmen. Er kannte Willy Brandt, organisierte zusammen mit dem früheren Münchner Oberbürgermeister Christian Ude die Gedenkfeier für Hans-Jochen Vogel, war lange Zeit Hauptabteilungsleiter für Bildung beim NDR und hat als Beauftragter des Senders die Arte-Programmgruppe aufgestellt.

Und nach all diesen Eindrücken, Begegnungen und Aufgaben, von denen hier nur eine Auswahl genannt ist, sitzt er nun in einem Appartement in Döse und würdigt das kulturelle Angebot und das ehrenamtlich getragene demokratische Engagement in Cuxhaven. Es handelt sich genau genommen um eine Zweitwohnung, die er mit seiner Frau Renate über weite Strecken im Jahr bewohnt und sich dabei überaus wohlfühlt.

Kapitel bislang kaum beleuchtet

Jedoch nicht nur wegen des Blicks auf den Schiffsverkehr auf der Elbe: Hier, in seinem winzig kleinen Arbeitszimmer, hat Historiker und Medienwissenschaftler Prof. Dr. Peter von Rüden sein jüngstes Buch geschrieben; ein anspruchsvolles Werk, das ein bislang kaum beleuchtetes Kapitel aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs aufgreift: den gemeinsamen Widerstand von Deutschen und Norwegern gegen das NS-Regime im besetzten Norwegen, aber auch in Deutschland.

"Gemeinsam gegen Hitler, Quisling und Terboven - Norweger und Deutsche im Widerstand 1940-1945" heißt das im Metropol-Verlag erschienene 319-seitige Buch, dem ein jahrelanges akribisches Quellenstudium vorausging - "alles mit der Stadtbibliothek Cuxhaven im Rücken, die mir jedes Buch in der Fernleihe besorgt hat", sagt Peter von Rüden, "und das immer freundlich, immer präzise, immer hilfsbereit."

Kulturell ist man hier keineswegs abgehängt

Das falle auf, wenn man von außen komme, und das gelte ebenfalls für das kulturelle Angebot in der Stadt: "Was Frau Hoffmann (Leiterin der Kulturabteilung bei der Stadt, d. Red.) auf die Beine stellt, ist großartig", findet der 79-Jährige. Auch als Großstadt-Menschen fühlten sie sich hier keineswegs abgehängt: "Wer hat so ein Kleinod wie das Ringelnatz-Museum?", nennt er ein Beispiel. "Das ist ein ungeheurer Leuchtturm für die Stadt."

Und dann ist da noch die Cuxhavener Regionalgruppe von "Gegen Vergessen - für Demokratie", einem bundesweit tätigen Verein, dem er seit vielen Jahren angehört. "In den Jahresheften gab es immer ausführliche Berichte aus Cuxhaven. Das hat mich neugierig gemacht." Er kam und stieß auf ein ehrenamtliches Engagement, das ihn schwer beeindruckte. Das alles zusammen gab den Ausschlag für den Beschluss, die Buchpremiere nicht an einer der Schaltstellen großer Politik in Deutschland vorzustellen, sondern in der Stadtbibliothek Cuxhaven. Das war am vergangenen Dienstag. 

Peter von Rüden (r.) mit Hermann Vinke bei der Buchvorstellung in Cuxhaven. Vinke war unter anderem Programmdirektor bei Radio Bremen und ist Biograf von Sophie Scholl. Foto: Reese-Winne

In politisch aufgeheizter Zeit in München studiert

Mit dem Beschluss, nicht wie sein Vater Zahnarzt zu werden, hatte Peter von Rüden die Wurzeln für seine  berufliche Laufbahn gelegt. 1968, in politisch aufgeheizter Zeit, studierte er in München Germanistik, Theater, Literatur und Geschichte und trat damals auch in die SPD ein. Als Vorsitzender des sozialdemokratischen Studentenbunds Bayern lernte er, wie wichtig eine verständliche Sprache ist, um Menschen zu erreichen. Später promovierte er zum Thema Arbeitertheater.

Sein Studium finanzierte er sich als Journalist, nämlich als Ferienvertretung in verschiedenen Lokalredaktionen der heimischen Ruhr-Nachrichten. Das alles, kombiniert mit seinem Interesse an Hochschul- und Erwachsenenbildung, mündete schließlich in den Auftrag, als Referent das Adolf-Grimme-Institut in Marl aufzubauen.

Es war eine der großen Zäsuren seines Berufslebens, als er nach zehn Jahren in Marl das Angebot erhielt, künftig in Hamburg als Hauptabteilungsleiter für Bildung beim NDR-Fernsehen zu wirken. Er produzierte große Themenabende und Mehrteiler zum Beispiel zu Autor Siegfried Lenz, dem Musikland Norwegen, skandinavischer Krimiliteratur sowie Geschichtsdokus zum Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust. 

Als Beauftragter des NDR die Arte-Programmgruppe aufgebaut

Ab 1991 baute von Rüden als NDR-Beauftragter die Arte-Programmgruppe auf und leitete sie über zehn Jahre; parallel war er Mitglied der historischen Kommission der ARD und Honorarprofessor. Ehrenamtlich bekleidete er viele Partei-, aber keine politischen Ämter, war Bundesvorsitzender der Deutsch-Norwegischen Freundschaftsgesellschaft (deren Regionalgruppe Bremen heute Ehefrau Renate leitet) und Vorsitzender des Studentenwohnheims Geschwister Scholl e. V. in München. Seine Überzeugung: "Man muss etwas zurückgeben."

Das besondere Interesse an den skandinavischen Ländern gehe tatsächlich auf die norwegische Geschichte zurück, verrät er: Der erbitterte Widerstand, den das Volk im jahrelang komplett durch die Deutschen besetzten Land geleistet habe, habe ihn beeindruckt und neugierig gemacht. Zivilcourage sei dort trotz großer Gefahren konsequent gelebt worden. Der Experte führt das auch auf die beeindruckende demokratische Tradition des Landes zurück.

Vier Jahre lang recherchierte er, suchte zahlreiche Archive in beiden Ländern auf ("alles selbst bezahlt"), stürzte sich in den Willy-Brandt-Nachlass bei der Friedrich-Ebert-Stiftung. Auf diese Weise hat er mit seinem Werk Geschichte zum Teil neu geschrieben und viele Ereignisse erstmals ans Licht gebracht. Ein wichtiges Detail ist ihm dabei aufgefallen: "Als Widerstand geleistet werden musste, gab es keine parteipolitischen Rivalitäten mehr, da war nur noch Solidarität." Ein Verhalten, das er sich auch für die Gegenwart wünschen würde. 

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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