"Chocolat": TV-Schauspielerpaar begeistert das Publikum im Stadttheater Cuxhaven
Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer ziehen das Publikum im Stadttheater Cuxhaven mit einer fesselnden Lesung in den Bann, bei der zwei gegensätzliche Charaktere in einem kleinen Dorf aufeinandertreffen und einen spannenden Konflikt entfachen.
In der szenischen Lesung "Chocolat" begeisterte das Schauspielerpaar Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer im Stadttheater Cuxhaven. Dabei griffen sie auf einfache stilistische Mittel zurück: unter anderem eine manuell zu schiebende Leinwand, auf die bei Bedarf die Patisserie oder die Kirche projiziert wurden. Zudem standen auf der Bühne Tisch und Stuhl auf der einen Seite, ein Krankenbett mit grauhaariger Puppe auf der anderen. Dadurch verwandelte sich die Bühne in den Ort des Konflikts zweier diametral unterschiedlicher Charaktere.
Vianne Rocher eröffnet eine Patisserie
TV-Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer stellt eine junge, alleinerziehende Mutter dar, die am Kirchplatz eines kleinen, südfranzösischen Dorfes eine Patisserie - ein Café mit feinem Gebäck und Schokoladenspezialitäten - eröffnet. Auf ihrer farbenfrohen Bühnenseite gleicht Vianne Rocher mit leuchtend roter Bluse einer Blume. Rocher ist weltoffene Philanthropin. In ihrer Patisserie ist jeder herzlich willkommen. Sie liebt es, Menschen mit ihren süßen Köstlichkeiten zu verwöhnen. Nicht nur das: Sie hat die Gabe, jedem Gast passend zur Persönlichkeit ein Gebäck zuzuordnen. Beschreibt sie dabei die Herstellung der kleinen Köstlichkeiten, gerät die passionierte Konditorin derart ins Schwärmen, dass sie dabei eine unbändige Leidenschaft verströmt.

Auf der anderen, der dunklen Bühnenseite, befindet sich der freudlose Misanthrop, Pfarrer Francis Reynaud. TV-Kommissar Harald Krassnitzer spielt die karikativ angelegte Figur überzeugend, mit vollem Körpereinsatz und starker Stimmpräsenz. Reynaud steht am Sterbebett seines Vorgängers und klagt ihm sein Leid. Das aus seiner Sicht sündhafte Treiben der lustvollen Konditorin direkt gegenüber dem Pfarrhaus verführt seine kirchentreue Gemeinde ausgerechnet zur Fastenzeit zur Völlerei. Das sieht der Pfarrer als persönlichen Affront. Ein offener Konflikt ist nunmehr vorprogrammiert.
Auf Basis des Romans von Joanne Harris
In der von Martin Mühleis bearbeiteten Version des Romans von Joanne Harris treffen zwei Lebenshaltungen aufeinander, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Die Konditorin freut sich über jeden Gast und schließt schnell Freundschaft, auch mit dem am Fluss lebendem Wandervölkchen, das die gesamte Spieldauer durch das Quartett "Les Manouches Du Tannes" verkörpert wurde und für stimmungsvolle musikalische Untermalung sorgte.
Der Pfarrer sieht die Fremden als Bedrohung. Als die Konditorin dann noch zu einem großen Fest an Ostern - dem höchsten christlichen Feiertag - in ihr Café einlädt, kann der Pfarrer nicht mehr an sich halten. Der Geistliche rauft sich die Haare, brüllt seinen Ärger und seine Empörung völlig enthemmt hinaus. Er begeht sogar Hausfriedensbruch bei seiner Widersacherin und will deren Konditorei zerstören. Dabei wird er jedoch von seiner eigenen Lust übermannt und landet Schokolade essend, völlig verschmiert in der Schaufensterauslage der Patisserie.
Gut und Böse sind bei "Chocolat" klar verteilt
Das Schauspielerpaar Krassnitzer und Kramer bleibt seinem Publikum mit der Umsetzung der Screwball-Komödie "Chocolat" nichts schuldig. Die Positionen der beiden Seiten lassen keinerlei Spielraum für Interpretationen. Gut und Böse sind kompromisslos vergeben. Die Figuren handeln und sprechen innerhalb dieses gefertigten Rahmens. Die Geschichte selbst lebt durch Wortwitz, Tempo und Situationskomik, die sich teilweise an der Grenze zur Farce bewegt. Für diese gelungene Vorstellung gab es Standing Ovations.
Von Myriam Domke-Feiner