Nach einem vierstündigen Gottesdienst in Ramotswa haben alle gut lachen. Vorn links: Sabine Badorek. Foto: privat
Nach einem vierstündigen Gottesdienst in Ramotswa haben alle gut lachen. Vorn links: Sabine Badorek. Foto: privat
Gegenbesuch war hier

So wurde Cuxhavenerin Sabine Badorrek Austauschpastorin in Botswana

von Maren Reese-Winne | 08.10.2024

Die Grodener Pastorin Sabine Badorrek wollte Kirche mal anders erleben, raus aus Deutschland: So kam sie im Frühjahr für vier Wochen nach Botswana, wo die "Tochter Martin Luthers" offen begrüßt wurde. Jetzt war der Gegenbesuch zu Gast in Cuxhaven.

Das Erntedankfest bot der Grodener Kirchengemeinde noch mal die Gelegenheit zur Begegnung im Gottesdienst; tags darauf bestieg Pastor Thabiso Segatlhe das Flugzeug gen Süden. Hinter ihm und Austauschpartnerin Sabine Badorrek, die im April und Mai als eine "Tochter Martin Luthers" in Ramotswa/Botswana begrüßt worden war, liegen aufregende Wochen.

"Kirche gibt's auch anderswo"

Grundlage war der Wunsch, Kirche mal anders zu erleben und neue Erfahrungen zu sammeln: Beim Evangelisch-lutherischen Missionswerk (ELM) in Hermannsburg stieß die Grodener Pastorin auf das Stichwort "Kirche gibt's auch anderswo" und den Mitarbeiteraustausch - das passte.

Nun gab es da fast 9000 Kilometer entfernt, nahe der Grenze zu Südafrika im botswanischen Ort Ramotswa ein von Deutschen der Hermannsburger Mission gegründetes Krankenhaus, dessen Kaplan gleichzeitig Pastor der größten evangelischen Kirche in Botswana ist: Thabiso Segatlhe. Joachim "Joe" Lüdemann, Repräsentant der Mission im südlichen Afrika, stellte den Kontakt her.

Sabine Badorrek bei einer traditionellen Hochzeit mit ihrer Gastmutter. Foto: privat

"Auf etwas völlig Fremdes eingelassen"

Kein Pauschal-rundum-sorglos-Paket erwartete Sabine Badorrek fernab der berühmten Safari-Reviere, sondern lauter neue Erfahrungen auf unbekanntem Terrain: "Meine wertvollste Erfahrung war, dass ich mich ohne große Vorerfahrungen und Sicherheiten auf etwas mir völlig Fremdes eingelassen und dabei erlebt habe, dass ich nicht ,untergegangen' bin", sagt sie. Wie von selbst hätten sich neue Wege ergeben und Türen geöffnet: "So hatte ich immer das Gefühl, gut aufgehoben zu sein, obwohl ich längst nicht alles verstanden habe."

Gottesdienste sind "long and loud"

Beeindruckt habe sie auch die Art, in der die Menschen dort ihren Glauben lebten und ausdrückten: "Die Gottesdienste sind ,long & loud', beim Singen und Beten sind wirklich alle in Bewegung; auch die Kollekte wird singend und tanzend nach vorn gebracht." Der Gottesdienst werde als wohltuend und heilend empfunden, während das Leben sonst durchaus beschwerlich und für viele längst nicht so bunt sei wie die tollen Kleider und schicken Hüte der Frauen im Sonntagsgottesdienst.

"Kirche soll berühren", erklärt Thabiso Segatlhe, "der Gottesdienst stärkt die Gemeinde für die ganze Woche." Wie selbstverständlich blieben die Besucher über alle vier Stunden anwesend, während für jede Altersgruppe die Musikstücke ihres Geschmacks gesungen würden.

Botswana, eine Demokratie seit 58 Jahren, gelte als das Land Afrikas, das am wenigsten von Korruption betroffen sei. Die Mehrzahl der rund 2,4 Millionen Einwohner sei jung - anders als in Deutschland. Die Stämme seien von großer Bedeutung, entsprechend gebe es unzählige Sprachen, nicht etwa nur Dialekte.

Chefin des Stammes ist eine Frau

Nach dem Studium der Theologie, Linguistik und Pädagogik war er in der Forschung für die Bibelgesellschaft in Botswana tätig, die die Bibel laufend in weitere Sprachen übersetzt. Im Bamalete Lutheran Hospital ist er als Seelsorger, aber auch im Management tätig. Das Krankenhaus ist inzwischen der lokalen Kirche und dem größten Stamm des Landes übergeben, an dessen Spitze übrigens eine Frau steht. Thabiso Segatlhe ist verheiratet mit einer Finanzbeamtin und hat zwei Töchter von 14 und 16 Jahren.

Probleme gleichen sich weltweit

Als größte Herausforderungen sieht er aktuell den Kampf gegen Gewalt an Frauen, die Bekämpfung von Alkoholmissbrauch und Drogen und die Arbeitslosigkeit an. Programme zur Unterstützung junger Gründerinnen und Gründer, Aufklärungskampagnen und Frauenkonferenzen sind einige Ansatzpunkte.

Das Austauschprogramm biete eine einmalige Chance, neue Perspektiven zu gewinnen. Beispiel Gesundheit: "Geräte, die hier als unmodern aussortiert werden, würden bei uns die Rettung bedeuten. Der Standard bei Ihnen ist ungeheuer hoch." 

Ein Uno-Spiel kam als Andenken in den Koffer. Foto: privat

Seemannsmission beeindruckte besonders

Der Austausch biete die Gelegenheit, gleichberechtigt als Brüder und Schwestern miteinander zu diskutieren - ausgiebig auch in Cuxhaven, ob nun innerhalb und außerhalb der Kirche. "Die Seemannsmission habe ich geliebt. Damit kann die Kirche punkten", sagt er strahlend.

Sabine Badorrek im OP-Saal des Bamalete Lutheran Hospital in Ramotswa. Foto: privat

Austauschpartnerin Sabine Badorrek begleitete im Frühjahr diverse Gottesdienste sowie die werktäglichen Morgenandachten im Krankenhaus, in dem sich auch viele weitere Türen öffneten: Direktionsbüro, PR-Abteilung, OP, Frauen-, Männer- und Kinderstation, HNO, Labor, Apotheke, Physio, Prothesen-/Orthopädiemechaniker und Beratungszentrum mit Sozialarbeit, Psychologe und Seelsorge. Alles einfach, aber vorhanden; mit kurzen Wegen und nah am Menschen - so war es auch in zwei Förderschulen und einem Altenheim, das eher eine bescheidene Tagespflegeeinrichtung darstellte. Auch an einem Workshop mit traditionellen Heilern konnte sie teilnehmen.

Mit Safari war nichts

Ihr Schwerpunkt lag eindeutig in der Begegnung mit den Menschen. Einen Eindruck von der Tierwelt konnte sie lediglich in einem kleinen Park in der Nähe mit Giraffen, Nashörnern und Kudus gewinnen.

Pastor Thabiso Segatlhe mit der Erntedank-Gemeinde in Groden. Foto: privat

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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