Cuxhaven: Ein Platz für "Schmetterlingskinder" auf dem Friedhof Brockeswalde
Kinder, die noch im Mutterleib oder viel zu klein gleich nach der Geburt verstorben sind, heißen "Sternen-" oder "Schmetterlingskinder". Um an sie zu erinnern, ist jetzt auf dem Friedhof Brockeswalde in Cuxhaven ein ganz neues Feld gestaltet woren.
Dieses schmetterlingsförmige Feld auf dem Friedhof Brockeswalde - eine Ruhe- und Gedenkstätte für bereits im Mutterleib verstorbene Kinder mit einem Geburtsgewicht von unter 500 Gramm - soll ein Ort der Trauer und Erinnerung, aber auch des Trosts und der Hoffnung werden.
Bürgermeisterin Christine Babacé übergab das Gemeinschaftsobjekt des Kinderhospizes Cuxhaven-Bremerhaven e.V. und der Stadt Cuxhaven am Mittwoch seiner Bestimmung. Durch die ehemalige Krankenschwester Catrin Ebken, die beim Kinderhospiz seit Jahren Familien begleitet, die den Verlust eines ungeborenen oder sehr kleinen Kindes verkraften mussten, und das Hospizteam sei die Idee für Grabfeld auf dem größten Friedhof der Stadt in Brockeswalde entstanden, berichtete Rüdiger Kurmann, Vorsitzender des Hospizvereins.
Für Beschäftigte der Stadt auch ein Herzenswunsch
Bei Martin Wiebusch, dem Leiter der Abteilung Grünflächen und Friedhöfe, rannte der Verein mit dem Vorschlag offene Türen ein. Denn auch sie, betont Martin Wiebusch und bezog dabei ausdrücklich die stellvertretende Referatsleiterin Petra Mückler-van Zon mit ein - hätten sich schon lange mit dem Gedanken an eine solche Stätte getragen, die auf dem Friedhof noch fehlte: "Ein Herzenswunsch."
Bei einer gemeinsamen Begehung fand sich schnell eine zentral gelegene Fläche. Martin Wiebusch zeichnete den Entwurf. Dass die städtischen Gärtner-Azubis große Teile der Umsetzung unter der Anleitung des Landschaftsgärtners Jörg Lamprecht übernehmen sollten, war von Anfang an klar. Für ihre Leistung nahmen Ronja Hansmann, Marlon Montoya und Wojciech Wojciechowski bei der Eröffnung große Anerkennung entgegen.
Platz für Blumen, Spielzeug und Erinnerungsstücke
Martin Wiebusch erläuterte das Konzept: Das Schmetterlingsfeld soll rund ums Jahr mit Blumen farbenfroh gestaltet werden. Die umgebende Fläche ist bewusst symbolisch als Baum gestaltet. Angehörige können auf einer Bank rasten und Blumen, Spielzeug oder andere Erinnerungsstücke ablegen.
Eine Art Zentrum für Bestattung von Babys, Kindern und Jugendlichen
Schmetterlingsfreundliche Sträucher und Stauden wie Phlox, Bartblume, Lavendel oder Fetthenne werden die Bepflanzung noch komplettieren. Oberhalb des Feldes will die Friedhofsverwaltung dazu noch einstellige Kinder-Urnenwahlgrabstätten anlegen. Für das Feld gleich gegenüber kündigte Martin Wiebusch ebenfalls eine Umgestaltung mit Grabstätten für Kinder und Jugendliche an - alles zusammen als tröstlicher Ort für Eltern, der auch zu einem Ort der Begegnung und des Austauschs werden könnte, so Christine Babacé.
Den Ausschlag für die Umsetzung habe aber eine großzügige Materialspende des aufgelösten Vereins "Weihnachten für alle" im Wert von rund 6500 Euro gegeben, betonte Rüdiger Kurmann und dankte herzlich den früheren Vorstandsmitgliedern Christina Bening, Katrin Ujvari und Volker Heitmann.
Kurmann hofft, dass der Schmetterling auch anderen Friedhofsbesuchern gut gefällt. Auch für Eltern, die vielleicht vor langer Zeit oder außerhalb Cuxhavens ein Kind verloren haben, kann das Feld ein Ort des Trosts werden. "Lasst es uns mit Liebe und Achtsamkeit behandeln", appellierte Christine Babacé.
Eltern haben jetzt eine neue Wahlmöglichkeit
Die Feier begleiteten auch der Ritzebütteler Pastor Stefan Bischoff und Bestatter André Herzog, die - ebenso wie die Hebammen der Helios-Klinik - in die Vorgespräche mit einbezogen waren. Auf dem Ritzebütteler Friedhof findet seit 20 Jahren alle drei Monate eine Gedenkfeier mit einer Sammelbeisetzung von etwa 20 bis 30 "Sternen-" oder "Schmetterlingskindern" statt.
Bis zu einer Woche vorher könnten Eltern sich noch für eine Einzelbestattung entscheiden, erklärt Stefan Bischoff. Das neue Feld in Brockeswalde stelle eher einen offenen Rahmen dar, so André Herzog, während die Gedenkstätte in Ritzebüttel als Rückzugsraum gestaltet sei.
Die nächsten Gedenkfeiern in Ritzebüttel
Am 1. Dezember findet um 13 Uhr auf dem Ritzebütteler Friedhof die nächste Sammelbestattung für die in den vergangenen drei Monaten im Mutterleib gestorbenen Kinder statt. Eltern sind hierzu eingeladen. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens dieser Tradition wird der damalige Ritzebütteler Pastor und Initiator Martin Köster sprechen.
Am 2. Advent schließt sich in der Martinskirche wie seit vielen Jahren ein Gottesdienst als Erinnerung an alle verstorbenen Kinder an. Dieser wird durch die Selbsthilfegruppe "Verwaiste Eltern" und weitere Gäste gestaltet und begleitet. Alle Interessierten sind zu diesem weltumspannenden Gedenken eingeladen.
