Hannah und Franz Winzentsen zwischen ihren Arbeiten auf der Ausstellungsetage im Schloss Ritzebüttel: Vater und Tochter freuen sich auf Besucher, die ihre Malerei, Zeichnungen und Filme erleben möchten. Foto: Potschka
Hannah und Franz Winzentsen zwischen ihren Arbeiten auf der Ausstellungsetage im Schloss Ritzebüttel: Vater und Tochter freuen sich auf Besucher, die ihre Malerei, Zeichnungen und Filme erleben möchten. Foto: Potschka
"Horizont und Resonanz" 

Neue Ausstellung im Cuxhavener Schloss Ritzebüttel: Wenn Bilder zu wandern beginnen

von Jens Potschka | 06.02.2026

Ein Muschelhorn eröffnet eine Cuxhavener Ausstellung, die den Dialog zwischen Malerei und Film zelebriert. Vater und Tochter, Künstler in unterschiedlichen Medien, vereinen ihre Werke zu einer einzigartigen Schau im Schloss Ritzebüttel.

Ein Muschelhorn wird die Ausstellung eröffnen. Hannah Winzentsen hat es aus Indien mitgebracht, wo man damit traditionell die Atmosphäre reinigt. Ein schöner Brauch für einen Sonntag im Februar, an dem im Schloss Ritzebüttel eine ungewöhnliche Schau beginnt: Vater und Tochter, beide Künstler, zeigen gemeinsam ihre Arbeiten.

Franz Winzentsen, 85, sitzt im Saal des Barockvorbaus des Schlosses und blättert durch einen Schuber mit Horizontbildern. Sechzig bis siebzig Malereien hat er für seinen Film "Horizonte" geschaffen. Manche auf großen Hartfaserplatten, andere in Postkartengröße. "Merkwürdig ist, dass man den Formatunterschied im Film kaum noch wahrnimmt", sagt er. Die Bilder beginnen zu wandern, ineinander überzublenden, werden zu bewegten Landschaften. Seine Tochter Hannah und deren Partner Carsten Koll haben dazu improvisierte Musik eingespielt - frei, geräuschhaft, überraschend.

Vom Animationsfilm zurück zur Malerei

Vier Jahrzehnte hat Franz Winzentsen hauptsächlich Filme gemacht. An der Hochschule für bildende Künste in Hamburg produzierte er 1964 den ersten Film, der dort als Examensarbeit akzeptiert wurde. "Kinetische Grafik" nannte das der Professor Kurt Kranz. Es folgten preisgekrönte Animationsfilme, die bei Festivals in Annecy, Stuttgart und Berlin liefen. Dann wurde Winzentsen selbst Professor, baute eine Animationsfilmklasse auf, die er bis zu seiner  Pensionierung 2002 leitete.

Danach kehrte er zur Malerei zurück. "Ich konnte nicht einfach anschließen an das, was ich vierzig Jahre vorher gemacht hatte", erzählt er. "Ich musste mich neu erfinden." Er begann relativ realistisch, wurde abstrakter, zeichnete in der Stader Gegend. Dann kam 2006 eine Reise zu den Lofoten und mit ihr eine "unheimliche Lust zu malen".

Die meisten Bilder in der Ausstellung stammen aus den letzten zwei Jahren. Acrylmalereien und Kohlezeichnungen, zumeist Landschaften. Nur wenige gehen auf reale Motive zurück, die anderen sind "aus dem Kopf oder Bauch entstanden", wie Winzentsen sagt. Auf den großen Kohlezeichnungen hat er mit einem Knetradiergummi gearbeitet, die feinsten Linien in die Wolken radiert. Die Hartfaserplatten sind grundiert, denn darauf haftet die Kohle besonders schön.

Fünfzehn Jahre Indien, drei Minuten Film

Hannah Winzentsen studierte ebenfalls an der HfbK Hamburg. Ganz bewusst nicht Film. "Ich wollte nicht genau dasselbe machen", sagt sie. Dann führte ihr Weg nach Indien, wo sie fünfzehn Jahre blieb und klassische indische Musik studierte. Slide-Gitarre, Vichitra Veena. "Das dauert Jahre, bis man da überhaupt zuwege kommt", erklärt sie. Seit 2020 lebt sie wieder in Norddeutschland, südlich von Otterndorf in Wanna.

Für die Ausstellung hat sie sich auf Holzschnitte und Zeichnungen konzentriert. Die Holzschnitte entstanden im letzten Vierteljahr. Sie zeigen heimische Landschaften aus der Gegend um Otterndorf. Die Zeichnungen sind älter, manche aus Indien: Treppen am Ganges in Varanasi, wo sie lange saß und zeichnete. "Das Weglassen ist enorm", sagt sie. "Wenn man ein Foto gemacht hätte, wäre es voll gewesen mit allen möglichen Sachen."

Drei kleine Filme von ihr laufen während der Ausstellung, insgesamt drei Minuten. Musik ist ihr Metier geworden, aber nicht die klassisch indische. Für die Filme ihres Vaters schuf sie freie, improvisierte Klänge, Geräuschmusik. Bei ihrer eigenen Ausstellungseröffnung in Otterndorf begann sie mit Hauchgeräuschen auf dem Muschelhorn, während Carsten Koll auf dem Saxofon die Klappen ertönen ließ. Daraus entwickelte sich, so erzählt Franz Winzentsen, "langsam eine fantastische Musik".

Ähnlichkeiten zwischen Vater und Tochter herauskristallisiert

"Resonanz" heißt die Ausstellung auch wegen dieser musikalischen Verbindung. Und wegen der Ähnlichkeiten zwischen Vater und Tochter: in der minimalistischen Bildauswahl, in der Betrachtungsweise, im gegenseitigen Verstehen. "Sie gehört zu meinen besten Kritikerinnen", sagt Franz Winzentsen. "Immer wenn sie mich besucht, bin ich sehr begierig darauf, zu hören, was sie zu meinen neuen Arbeiten sagt."

Die Ausstellung "Horizont und Resonanz" wird am Sonntag, 8. Februar, um 11 Uhr eröffnet. Zur Vernissage gibt es ein zehnminütiges Filmprogramm. Danach läuft der sechzehnminütige Film "Horizonte" durchgehend während der Ausstellungszeit. Es ist wie ein Wandern durch sechzig bis siebzig gemalte Horizonte, vertont von Hannah Winzentsen und Carsten Koll. Das Grußwort spricht Christiane Buck, Vorsitzende des Kulturausschusses.

Die Ausstellung zeigt, was Malerei kann, was Film nicht vermag und umgekehrt. Sie zeigt zwei Künstler, die eigene Wege gingen und sich doch immer wieder begegnen. In den Bildern, in der Musik, in der Kunst des Weglassens. Die Werkschau ist bis zum 26. April während der Öffnungszeiten im Schloss Ritzebüttel zu sehen.

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Jens Potschka

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