In Erwartung tausender neuer Jobs: Cuxhaven verabschiedet einen "Zukunftsplan"
Mit ihrem Hafen wächst auch die Stadt: Mit bis zu 4000 neuen Arbeitsplätzen kalkuliert die örtliche Verwaltung bis zum Jahr 2040. Ein sich aus diesen Zuwächsen ableitender Wohnraumbedarf lässt sich nicht ohne Vorarbeit decken.
Auf der politischen Ebene wird bereits reagiert: Der Ausschuss für Hafen- und Siedlungsentwicklung hat in dieser Woche einen "Zukunftsplan" für Wohnbau- und Infrastrukturentwicklung beschlossen.
Das Papier an sich schafft noch keine neuen Wohnungen. Ausschussmitglieder waren sich am Donnerstagnachmittag gleichwohl darüber einig, dass der Zukunftsplan eine wichtige strategische Antwort auf den prognostizierten Anstieg der Einwohnerzahl bildet. Dessen Ausmaß kann das von einem Planungsbüro erstellte Gutachten unmöglich auf den Punkt genau voraussagen; drei Szenarien legten die Autoren deshalb ihren Untersuchungen zugrunde. Dabei gingen sie in einem Fall von 2000, dann von 3000 und schließlich von 4000 neuen Arbeitsplätzen aus.
Gutachter arbeiten mit drei Szenarien
Besagte Werte generieren in der Stadt einen Bedarf, der (je nach Szenario) zwischen 1450 und 3000 neuen Wohneinheiten liegt: Das legte Sebastian Post, Fachbereichsleiter für Planen, Stadtentwicklung und Bauen, am Donnerstag in öffentlicher Sitzung dar. Über die Frage, in welchen Bereichen der Stadt diese "Einheiten" (hinter dem Begriff verbergen sich sowohl Geschosswohnungen als auch Einfamilienhäuser) entstehen könnten, diskutierte der Ratsausschuss allerdings hinter verschlossenen Türen. Eine Schutzmaßnahme, so Stadtbaurat Andreas Eickmann sinngemäß. Nach seinen Angaben geht es vornehmlich darum, Spekulatentum vorzubeugen. Das könnte um sich greifen, sobald bekannt würde, an welchen Stellen Cuxhavens Stadtplaner die Wohnquartiere von morgen verorten.
CDU mahnt Nutzung von Baulücken an
Muss es allerdings immer gleich ein ganzes Viertel sein, das hochgezogen wird, um der mutmaßlich entstehenden Wohnraumnachfrage Genüge zu tun? CDU-Ratsfrau Beatrice Lohmann glaubt nein; aus ihrer Sicht gibt es auch andere Möglichkeiten, die der Zukunftsplan in seiner derzeitigen Fassung allerdings in eher stiefmütterlicher Form behandelt. "Es kann nicht sein, dass wir nur in Baugebieten und nicht in bestehenden Stadtteilen denken", reklamierte Lohmann in der Sitzung des Ausschusses für Hafen- und Siedlungsentwicklung. Themen wie das Leerstands- und das Baulückenmanagement wollte sie sehr viel ausgiebiger berücksichtigt wissen. Ihr Fraktionskollege Thiemo Röhler erinnerte an ein entsprechendes Kataster, das die Ratsgruppe CDU/Die Demokraten bereits im Jahr 2022 gefordert habe. Seine Sorge, so Röhler, sei außerdem, dass Ortsteile am Stadtrand im Vergleich zu den innerstädtischen Lagen den Kürzeren ziehen könnten.
Der SPD-Ratsfraktionsvorsitzende Gunnar Wegener sieht das deutlich anders. In puncto Wohnraumentwicklung haben aus seiner Sicht eher der Innenstadtbereich und Döse das Nachsehen gehabt. "Ich glaube, dass der Zukunftsplan alle Stadtteile abdeckt", sagte Wegener am vergangenen Donnerstag - unisono mit Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer.
Verweis auf den "Bauturbo": Nicht reden sondern machen?
SPD-Fraktionsvize Cord Wichmann merkte an, dass nichts dagegen spräche, den sogenannten "Bauturbo" schon heute in den Cuxhavener Ortsteilen anzuwenden. Jene, bis ins Jahr 2030 geltende Sonderregelung (sie vereinfacht das Planungsrecht und beschleunigt demnach das Verfahren) wird aus Sicht des Gruppenvorsitzenden Röhler aber noch viel zu sehr als theoretische Größe behandelt. "Das gibt es jetzt seit einem halben Jahr. Da müsste man dann auch mal ins Handeln kommen."
Ungeachtet solcher Differenzen konnten sich die Ausschussmitglieder auf die öffentlich dargestellten Kernaussagen des Zukunftsplans verständigen. Nach Vorberatung in den Fachausschüssen soll das Papier final in der Ratssitzung am 19. Februar verabschiedet werden.