Cuxhaven: Franzenburger Schule besteht Geduldsprobe und kann nun feiern
Das Flair der 70er hat sich endgültig verabschiedet aus der Franzenburger Schule. Nach fast vier Jahren zwischen Staub, Lärm und Umzügen spricht das Ergebnis für sich. Allein der Bewegungsraum dürfte einzigartig in Cuxhaven sein.
Den Gästen jedenfalls, von denen viele hier schon selbst ihre Grundschulzeit erlebt oder die ihre Kinder hier als Eltern begleitet hatten, gingen beim Rundgang am Freitag die Augen über. Statt niedriger Betondecken und hölzernen Zwischenwänden in Dunkelgrün oder Rot beherrscht jetzt Licht die Flure und Klassenräume; von der viel besseren akustischen Dämmung ganz zu schweigen. Überall eröffnen sich neue Durchgänge und Fenster.
Kinder haben Anspruch auf gute Lernatmosphäre
"Wir wollten keine Schule, sondern ein Zuhause", erklärte Schulleiterin Maike Krewega bei der offiziellen Schlüsselübergabe. Schließlich verbrächten die Kinder - mit Früh- und Spätbetreuung, Unterricht und Hort - den Großteil ihres Tages in diesen Mauern: "Da braucht es Gelegenheiten zum Toben genau wie Rückzugsmöglichkeiten. Die Kinder sind es wert, dass sie sich in dem Gebäude, in dem sie so viel Zeit verbringen, wohlfühlen."
Oberbürgermeister Uwe Santjer erinnerte an den Ausgangspunkt, an dem die Franzenburger Schule alles andere als gut dastand - mit einem maroden Dach, unzureichender Wärmedämmung und Nachbesserungsbedarf beim Brandschutz und erst recht den Toiletten. Was jetzt geschaffen worden sei, entspreche endlich den Anforderungen an eine gute Lernatmosphäre, auf die nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen einen Anspruch erheben dürften. Ortsbürgermeister Ingo Grahmann erinnerte an Zeiten, in denen es die Kinder vermieden, in der Schule zur Toilette zu gehen.
Trotz Corona gelang das Kunststück
Die auf den Schulhof stehenden WC-Container sind denn auch eine prägende Erinnerung an die Bauzeit, die komplett bei laufendem Betrieb stattgefunden hat. "Wir hatten uns dafür entschieden, zusammenzurücken", berichtete Maike Krewega - "und dann kam Corona." Nicht gerade eine gute Ausgangslage, um Abstand zu halten, und doch hätten alle Beteiligten durchgehalten. Nicht nur sie sei mit ihrem Büro viermal umgezogen, sondern auch die Kinder mussten sich manches Mal fragen, wo sich denn gerade ihr Klassenzimmer befand. Doch dieses habe das Gemeinschaftsgefühl noch gestärkt. Bauleiterin Katrin Frotscher von der Stadt Cuxhaven sei in dieser Zeit zu einer Person der Schule geworden und habe den Kindern extra durch Gucklöcher in den Trennwänden Einblicke in die Tätigkeit der Handwerker gewährt.
Bündnis "Für die Würde unserer Städte" hat mitgekämpft
Drei Millionen Euro - davon 2,7 Millionen aus Fördergeldern des Bundes- sind in die Sanierung geflossen. Mit Blick auf die aus dem Stadt-Haushalt bereitgestellten 300.000 Euro bedankte sich Uwe Santjer bei den ehrenamtlich tätigen Ratsmitgliedern für deren Einigkeit in Schulbelangen. Die KIP-Mittel (Kommunalinvestitionsprogramm, es gibt inzwischen mehrere Runden davon) seien dem Bund übrigens maßgeblich durch das Engagement des Bündnisses "Für die Würde unserer Städte" (einem Zusammenschluss finanziell besonders gebeutelter Kommunen, d. Red.) abgerungen worden, so Stadt-Kämmerin und Erste Stadträtin Andrea Pospich. Allein 16 Millionen Euro davon seien in die Stadt Cuxhaven geflossen.
Kein Luxus, sondern Augenmaß
Dass es sich keineswegs um eine Luxus-Sanierung handelt, war bei dem Rundgang ebenfalls zu erkennen. Die meisten Maßnahmen waren der Sicherheit und der energetischen Sanierung geschuldet. Hier und da finden sich noch die Eindrücke von früher und viele Räume werden doppelt genutzt; auch in Verbindung mit dem Hort. Den Fachleuten fielen die auf Differenzierung ausgerichteten Klassenräume auf und erst recht der Bewegungsraum mit seiner Holz-Konstruktion, an der Schaukeln und andere Geräte eingehängt werden können.
Beim Tag der offenen Tür am selben Nachmittag warteten in allen Räumen Mitmachangebote auf die Gäste. Denen blieben auch die Plakate mit der Einladung zum Musical "Geschöpf der Nacht" am 7. und 9. Juni (Beginn jeweils 17 Uhr) nicht verborgen. Die Musical-AG gab daraus bei der Eröffnung eine eindrucksvolle Kostprobe. Ebenso präsentierte sich der Schulchor.
Bedeutsamer Tag für den Schulstandort
Ortsbürgermeister Ingo Grahmann empfand diesen Tag nicht nur als bedeutsam für die Schule, sondern auch für den Schulstandort, auf dessen Geschichte er einige Schlaglichter warf. Bis 1885 seien die Franzenburger Kinder noch zu Fuß zur Schule in Lüdingworth gelaufen. Die dann errichtete einklassige Schule durften bis 1900 auch die Gudendorfer Kinder - gegen Zahlung einer Gebühr - besuchen. Die Auflösung des Vertrags mit Gudendorf schuf nur bis 1920 Abhilfe, dann musste ein Neubau her. Ab 1968 entstand dann in mehreren Etappen das heutige Schulgebäude.