Dr. Peter Edelmann bei der Feier zum 40-jährigen Bestehen des Norddeutschen Skoliose-Zentrums im Jahr 2016, bei der er eine kleine Runde in einem Motorrad-Beiwagen mitfuhr. Foto: Reese-Winne
Dr. Peter Edelmann bei der Feier zum 40-jährigen Bestehen des Norddeutschen Skoliose-Zentrums im Jahr 2016, bei der er eine kleine Runde in einem Motorrad-Beiwagen mitfuhr. Foto: Reese-Winne
Nachruf

Cuxhaven: Früherer Chefarzt des Seehospitals Sahlenburg gestorben - was ihn prägte

von Maren Reese-Winne | 23.03.2026

Als Experte für die Skoliose-Behandlung hat der frühere Chefarzt Dr. Peter Edelmann Cuxhaven und Sahlenburg international auf die Landkarte gerückt. Nun ist er mit 88 Jahren gestorben. Was in Sahlenburg passierte, interessierte ihn bis zum Schluss. 

24 Jahre lang - von 1976 bis 2000 - war er Chefarzt der 2. Orthopädischen Abteilung und der Kinderorthopädie des Seehospitals Sahlenburg. Auch nach dem Rückzug aus dem Berufsleben war ihm das Schicksal der Klinik alles andere als egal. Den Verfall seiner früheren Wirkungsstätte verfolgte er fassungslos, aber nie still. Nun ist er am 27. Februar mit 88 Jahren verstorben.

Die Geschichte der Nordheim-Stiftung und des Seehospitas gehörte für ihn erzählt und bewahrt. Er trug aus seinem reichen Erfahrungsschatz gern dazu bei. So erinnere ich mich noch an einen Vormittag im Hause Edelmann, zu dem er extra auch den ehemaligen Geschäftsführer des Seehospitals Sahlenburg, Hans-Joachim Soppa, eingeladen hatte. Im Wohnzimmer saßen wir vor Bergen von Ordnern, Prospekten und Papieren und ich notierte Anekdoten und  Erinnerungen, bis Ehefrau Helmtrud Edelmann zum Mittagessen rief.

Seehospital brauchte neue Schwerpunkte

Seine Tätigkeit als Chefarzt der 2. Orthopädischen Abteilung des damals noch hamburgischen Seehospitals der Nordheim-Stiftung hatte Dr. Peter Edelmann am 19. Juli 1976 aufgenommen. Sofort bahnte er die Gründung des Norddeutschen Skoliose-Zentrums an, eine Aufgabe, für die er als Experte an das Krankenhaus geholt worden war. Das 1906 als Tuberkulose-Klinik gegründete Seehospital musste sich dringend neue Behandlungsfelder erschließen und sollte zu einem Zentrum für die Behandlung der Skoliose, einer gleichzeitigen Wirbelsäulenverdrehung und -verkrümmung bei Kindern und Jugendlichen, werden. Sie deckte aber auch fast alle anderen Gebiete der Kinder-Orthopädie ab; Edelmann vertrat dabei einen ganzheitlichen Ansatz.

Neue Behandlungsstandards gesetzt

Damals waren in Deutschland gerade mal zwei, drei Kliniken auf die Skoliose-Behandlung fokussiert. Der aus Tübingen nach Cuxhaven wechselnde Dr. Peter Edelmann setzte unter schwierigsten Bedingungen neue Behandlungsstandards, indem er komplizierte OP-Verfahren zur Stabilisierung und Aufrichtung der Wirbelsäule mit Zugängen von vorne und hinten etablierte und mit dem Cuxhavener Orthopädietechniker Peter Gutgesell das maßgefertigte Cuxhaven-Korsett entwickelte.

Dr. Peter Edelmann, früherer Chefarzt in Sahlenburg, mit Dr. Ulrich Meister, einem seiner Nachfolger. Foto: Reese-Winne

Patientinnen und Patienten strömten aus ganz Deutschland, Europa und dem arabischen Raum heran, Edelmann stellte die Verfahren in seinen Fachgesellschaften und bei internationalen Kongressen vor und schrieb - wie es bei seinem Abschied im Jahr 2000 hieß - Medizingeschichte.

Durch Menschlichkeit angetrieben

Der Name Dr. Edelmann stand aber auch für eine menschliche Zuwendung, an die sich viele ehemalige Patienten noch heute erinnern. Zu Weihnachten zog die ganze Familie Edelmann von Flur zu Flur zog und spielte Weihnachtslieder.

Mit großer Leidenschaft meldete er sich auch nach seinem Ausscheiden zu Wort, ob zur Ökonomisierung der Medizin oder der Zukunft des Klinikgeländes. Dass alles Menschliche dabei keine Rolle mehr spielte, enttäuschte ihn. Umso erfreuter begrüßte er noch vor wenigen Wochen die Idee für ein Ehemaligentreffen. Eine Umsetzung konnte er nicht mehr erleben. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

reese-winne@no-spamcnv-medien.de

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