Eine Etappe ist geschafft: Nach 34 Jahren Dienstzeit allein in der Gnadenkirche befindet sich Pastor Hans-Christian Engler, hier zusammen mit Superintendentin Kerstin Tiemann, nun im Ruhestand. Foto: Reese-Winne
Eine Etappe ist geschafft: Nach 34 Jahren Dienstzeit allein in der Gnadenkirche befindet sich Pastor Hans-Christian Engler, hier zusammen mit Superintendentin Kerstin Tiemann, nun im Ruhestand. Foto: Reese-Winne
Evangelische Kirche  

Cuxhaven: Gleich zwei Gemeinden verabschieden ihren Pastor Hans-Christian Engler

von Maren Reese-Winne | 01.09.2026

Nach allein 34 Jahren in Süderwisch  ist der Cuxhavener Pastor Hans-Christian Engler am Montag in den Ruhestand verabschiedet worden. Aber nicht nur in diesem Stadtteil hinterlässt er Spuren. Verdienste und Begegnungen werden noch lange nachwirken. 

Die Andacht fand in der Emmaus-Kirche statt,  also in der Gemeinde, deren Leitung ihm vor elf Jahren zusätzlich übertragen worden war. Superintendentin Kerstin Tiemann verband den formalen Akt mit einem Rück- und Ausblick und herzlichen Dankesworten.

Die in Jahrzehnten aufgebauten Beziehungen und gemeinsamen Wege seien jedoch nicht etwa mit dem letzten Arbeitstag abgeschlossen. Es sei Hans-Christian Engler immer ein Anliegen gewesen, die Kirche zu den Menschen zu bringen und zu zeigen, dass "Kirche anders könne". Die Freude, Neues zu entwickeln, sei ihm dabei stets entgegengekommen. Er habe sich aber auch mit seiner Gabe hervorgetan, Menschen zuzuhören, ohne mit vorschnellen Antworten voranzupreschen. 

Als Notfallseelsorger und bei Notlagen in der eigenen Gemeinde habe er Ausnahmesituationen ausgehalten und so die Last mitgetragen. Lange Jahre zeichnete der auch für seine IT-Kenntnisse hochgeschätzte Pastor außerdem für Gestaltung und Inhalt des Gemeindebriefs der Innenstadt-Gemeinden verantwortlich.

Engler selbst habe in einem der jüngsten Treffen festgestellt, dass es an der Zeit sei, jetzt aufzuhören. "Ein langer Arbeitsweg hinterlässt Spuren. Wer viel gibt, spürt irgendwann auch die Grenzen der eigenen Kraft", konstatierte sie. Schon das Studium in Marburg und Heidelberg - bereits als zweifacher Familienvater - sei durch besondere Herausforderungen gekennzeichnet gewesen. An der Seite seiner Frau Gundra übernahm er ein Jahr lang die Rolle des Hausmanns, bis ihn der Weg Richtung Cuxhaven führte.

Ein Abschluss für immer wird es nie sein

Niemals könne an einem solchen Tag alles fertig und abgeschlossen sein, betonte Kerstin Tiemann. Doch auch, wenn die bisherige Stelle Hans-Christian Englers in dieser Form nicht weiterbesetzt werde, werde die Arbeit nachwirken, insbesondere durch die Aktivitäten von Jörg Flehnerts "Kulturyard" in der Kulturkirche Gnadenkirche.

Wegbegleiter Rudolf Zimmermann erinnerte in einem Grußwort an die gemeinsamen Jahre - über ein Vierteljahrhundert - in dem im Mai 2000 gegründeten Stadtteilverein, in dem Engler als Initiator und Mitgründer eine prägende Person gewesen sei. Er habe beizeiten die gesellschaftlichen Probleme im Stadtteil erkannt und auch gegen Widerstände benannt: "Er wollte etwas zur Identitätsstiftung im Viertel schaffen, das nach dem Abzug der Bundeswehr halb leer stand." Viele der neuen Nachbarn - zumeist Spätaussiedler und Geflüchtete - fühlten sich orientierungs- und heimatlos.

Lange, bevor es anerkannte Integrationskurse gab, stellten die Kirchengemeinde und später der Stadtteilverein Sprachkurse, einen Mittagstisch für Schulkinder und Hausaufgabenbetreuung auf die Beine. Zimmermann erinnerte auch an die Zeit, in der ein Theaterprojekt in der Gnadenkirche jungen Leuten aus dem Viertel den Tod des Kleinkinds Leon (gestorben durch häusliche Gewalt) verarbeiten half, und an Englers Engagement für Flüchtlinge in Not.

"Für Sehnsüchte und Wünsche sensibel bleiben"

Dem Auftrag Gottes habe er sich von Jugend an verpflichtet gefühlt, berichtete Hans-Christian Engler. Er habe einen wunderbaren Beruf ausüben dürfen. "Bleiben Sie sensibel für die Sehnsüchte und Wünsche Ihres Herzens", appellierte er. Auch im Ruhestand verbleibt für ihn das Recht - aber nicht die Pflicht -, zu predigen, die Taufe zu vollziehen und das Abendmahl zu feiern.

Nach der Andacht wechselten die Gäste in den Gemeindesaal, wo Margitta Jogschies-Schober und Hermann Herbrig stellvertretend für die Kirchenvorstände der Gnadenkirche und der Emmaus-Gemeinde an gemeinsame Erlebnisse und Herausforderungen erinnerten und symbolisch den Hut vor Hans-Christian Engler zogen, einem "Kümmerer", der um seine Verdienste nie großes Wesen gemacht habe: "Tausend Dank für Ihr Wirken."

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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