OB-Wahl in Cuxhaven: Kandidaten diskutierten ein breitesThemenspektrum
Fünf lokale Wirtschaftsverbände fühlten kürzlich den Bewerbern für das Amt an der Verwaltungsspitze auf den Zahn.
Es ging um Ansiedlungspolitik, um Verkehr, Tourismus, Wohnen und Schulplanung: Zu einem breit gefächerten Themenspektrum sollten sich die fünf Bewerber auf das Amt des künftigen Cuxhavener Oberbürgermeisters kürzlich auf einer Podiumsveranstaltung verschiedener Wirtschaftsverbände erklären. Fragen, die sich an Amtsinhaber Uwe Santjer (SPD) und seine Herausforderer Thomas Brunken (CDU), Günter Wichert (FDP), Alexander Bremer (Die Cuxhavener) und Axel Schneider (Die Demokraten) richteten, stammten aus Kreisen der IHK, der Hafenwirtschaftsgemeinschaft, der Tourismuswirtschaftsgemeinschaft TWG, des Unternehmensverbands Cuxhaven und der örtlichen Wirtschaftsjunioren.
Nach einer Vorstellungsrunde der Kandidaten legten die Moderatoren Anna-Christina Riebau und Jan-Peter Halves den Finger in die Wunde: Den größten Standortnachteil Cuxhavens zu beschreiben, lautete ihr Auftrag an den CDU-Kandidaten Thomas Brunken. Der Genannte sprach von Fachkräftemangel, unterstrich vor allem aber die Notwendigkeit, einen Neubau für die Berufsbildenden Schulen und eine Wohnlösung für Auszubildende zu schaffen. Als es kurz darauf um ungenutzte Potenziale ging, antwortete Bremer, Kandidat der Wählergemeinschaft, mit einem Hinweis auf Defizite im Ordnungswesen, speziell bei illegal betriebenen Ferienwohnungen. Wichert (FDP), der sich einen Drei-Punkte-Plan für den Fall seiner Wahl beschreiben sollte, nannte "Schule, Infrastruktur und Sicherheit" als seine maßgeblichen drei Säulen. Axel Schneider (Die Demokraten) würde die Preise für Gewerbeflächen am Böhlgraben senken, das "Wohnproblem" lösen wollen und den Ausbau der örtlichen Häfen weiter vorantreiben.
Wahrnehmung ging auseinander
Die Bedeutung des Umschlags betreffend waren sich die Bewerber auf dem in der Kurparkhalle geschaffenen Podium übrigens weitgehend einig: Die "Lebensader der Stadt" sei der Hafen, betonte Uwe Santjer, der eine weitere Amtszeit als Stadtoberhaupt anstrebt. Aus seiner Sicht lag die Verbindung zur freien Wirtschaft auf der Hand: Ohne die hätte man vor Ort keine Terminals, betonte der OB, der Belange der Bevölkerung über das Thema Hafenentwicklung nicht vergessen mochte. "Ich denke da an das Deichband, das Cuxhaven noch ein Stück liebenswerter macht", sagte Santjer, bezogen auf ein aktuelles städtebauliches Vorhaben. Während Alexander Bremer von der Notwendigkeit sprach, erschwinglichen Wohnraum auch für Familien ohne Wohnberechtigungsschein zu schaffen, plädierte Thomas Brunken dafür, den Mittelstand so zu stärken, "dass Unternehmen keine Angst davor haben, dass Fachkräfte in den Bereich des Flächennutzungsplans 90 (Ansiedlungsfläche für die Windindustrie, d. Rd.) abwandern".
"Wenn unsere Stadt attraktiv ist, werden auch Menschen kommen", argumentierte Günter Wichert, der versprach, Cuxhaven "schöner" zu machen. Axel Schneider wiederum sprach davon, dass die Stadt auch im Hinblick auf das für Familien maßgebliche Angebot an Kindertagesstättenplätzen und Ärzten attraktiver werden müsste.
"Ich lebe in einer anderen Stadt als meine Vorredner", konterte Santjer und erwähnte in diesem Zusammenhang nicht nur die Expansion mehrerer heimischer Unternehmen, sondern auch eine Vielzahl von Unternehmen, die sich um Flächen im Stadtgebiet bewerben. "Wir gehören zu den wenigen Städten in Niedersachsen, die für jedes Kind einen Kindergartenplatz vorhalten", betonte der Amtsinhaber, der einen Vorwurf seines CDU-Herausforderers zurückwies: "Erst einmal einen Wirtschaftsförderer zu bekommen", hatte Brunken gefordert. "Den haben wir!", entgegnete Santjer.
Unterschiedliche Positionen bei ÖPNV
Einig waren sich die beiden Konkurrenten in Fragen der Tourismusfinanzierung oder der wünschenswerten, aber aktuell abzusehenden Revitalisierung der Elbfähre. Was das Thema ÖPNV anbelangt, gibt es Unterschiede: Von der Idee einer Rekommunalisierung des Busverkehrs hält die CDU angesichts der Haushaltslage Cuxhavens nicht viel. "Keinen eigenen ÖPNV anbieten", lautet auch Axel Schneiders Credo. Alexander Bremer spricht sich für eine Hafenbuslinie und für eine Harmonisierung des Bus- und Bahnfahrplans aus. Günter Wichert beklagte eine verpasste Chance im Bereich der Mikromobilität: Ansiedlungsambitionen eines E-Roller-Verleihers seien nicht genutzt worden.
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