Cuxhaven: Schule in Süderwisch schafft eine Bühne für Stärken und die Gemeinschaft
Filme machen, Graffiti sprayen, an der Seite des Rappers "Mr. Schnabel" Songs schreiben und performen: Kinder aus Cuxhaven erlebten eine Woche Schule so, wie sie es noch nie getan hatten. Ein Blick nach Süderwisch.
Allenfalls das Big-Band-Projekt vor einigen Jahren hatte schon mal ähnliche Dimensionen wie die Projektwoche der Grund- und Oberschule (GOBS) Süderwischschule Cuxhaven zum Schuljahresbeginn. So intensiv hatte sich die Schulgemeinschaft trotz ihres beständigen Engagements noch nie mit den Themen Selbstbewusstsein, Selbstbestimmung, Empowerment (Bestärkung) und Teambuilding (Zusammenhalt) beschäftigt.
In jedem Jahrgang ab Klasse zwei wurden mindestens zwei oder drei Aktivitäten mit hochkarätigen externen Partnerinnen und Partnern angeboten. Ausgewählt wurden altersgerechte Themen sowie Schwerpunktthemen, die sich im Laufe unserer Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen als wesentlich herausgestellt hatten.
Die Polizei zeigte die Ausstellung "Herzschlag"; eine Auseinandersetzung mit toxischen Beziehungen oder Freundschaften und gleichzeitig ein Thema, mit dem die Jugendlichen mehr zu tun hätten, als es für Außenstehende zu vermuten wäre, erklärt Konrektorin Antje Goltermann.
In Klasse 10 wurde die Thematik in Zusammenarbeit mit Sebastian Baller und Thomas Kirchberger von der Landesarbeitsgemeinschaft Jugend und Film Niedersachsen in Filmen verarbeitet. Die bewegenden Ergebnisse - ausdrücklich mit dem Wunsch, zu Lösungen zu kommen - ließen Lehrkräfte und Profis sprachlos zurück und führten direkt zum gegenseitigen Versprechen, dieses Projekt fortzuführen.
Bekannter Rapper stand plötzlich in der Schule
In den siebten Klassen arbeiteten die Jugendlichen konzentriert mit einem Team des People‘s Theatre zusammen und zeigten in Live-Performances Handlungsalternativen zu Gewalt in herausfordernden Situationen auf. Fans aus allen Altersklassen scharten sich um Rapper "Mr. Schnabel", mit dem zusammen Jugendliche lernten, Texte zu schreiben und in Songs umzusetzen.

Drittklässler entdeckten in einem Selbstbehauptungskurs mit der Tao-Schule Cuxhaven ganz neue Seiten an sich und erlebten: "Jedes Kind hat eine Stimme und darf laut sein." Auch die stillsten unter ihnen waren plötzlich in der Lage, ihre Bedürfnisse lautstark zu formulieren. Das Thema wurde anschließend mit Künstlern malerisch verarbeitet.
Mehrere Jahrgänge nahmen an einem Webinar (Online-Seminar) zu Cybermobbing teil, das vom Unternehmen Law4School angeboten wurde. Ein Graffitiprojekt legte offen, wie nah den Kindern und Jugendlichen in fast allen Klassenstufen Alltagsgewalt und Rassismus sind.
Der dieser Schule seit Jahren eng verbundene Jugendmigrationsdienst des Paritätischen schweißte die Kinder unter anderem in Klasse fünf im Projekt "Vom Ich zum Wir" zusammen. "Es ist immer etwas ganz Besonderes, wenn Gäste im Haus sind", berichten Schulleiterin Sandra Marczyschewski und Antje Goltermann. Alle, sowohl die externen Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartner als auch die Schulgemeinschaft, seien mit außerordentlich viel Herzblut dabeigewesen.

Stolz Ergebnisse noch nach Schulschluss präsentiert
Die Zeiten zwischen den Projekten gehörten den Klassengemeinschaften. Die Klasse 4a bestand geschlossen darauf, nach Schulschluss länger in der Schule zu bleiben, um der Presse voller Eifer das Ergebnis ihrer Arbeit zu präsentieren - einen Baum mit Blättern, auf denen die Stärken jedes einzelnen Kindes standen. Bei der gegenseitigen Beschreibung waren ihnen jede Menge Eigenschaften eingefallen, mit denen jedes von ihnen diese Klasse mittragen kann. Ein echter Gänsehautmoment, danke dafür!

Den Abschluss bildete am Freitag ein großes Sport- und Spielefest unter anderem mit dem Spezialanbieter Trixitt. Auch, was den finanziellen Umfang anging, war diese Woche bislang einzigartig. Sie konnte nur dank der organisatorischen Unterstützung und der Finanzmittel aus dem Bundes- und Landesprogramm "Startchancen", des Bundesprogramms "Demokratie leben!", des Kulturyards und der Präventionskräfte der Polizei sowie weiterer Unterstützer gelingen. Den Löwenanteil steuerten der Jugendmigrationsdienst des Paritätischen, die Stadtsparkasse Cuxhaven (5000 Euro) und der Lions-Club Cuxhaven (2000 Euro) bei. Andreas Merz vom Lions-Club, Sparkassenvorstand Kai Mangels und Thomas Weinknecht aus dem SSK-Vorstandsstab wollten nicht einfach Spendenschecks dalassen, sondern nahmen sich viel Zeit für einen Rundgang.
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