Cuxhaven: Grund- und Oberschule Süderwisch braucht endlich Lösung für ihre Raumnöte
Ganztag und Oberschule? Beileibe nichts Neues mehr für die GOBS Süderwisch in Cuxhaven. Beständig ist aber auch die Raumnot. Ein zum Greifen naher, seit über einem Jahr leerstehender Containertrakt auf dem Schulhof steht nicht zur Verfügung.
Der ab 2026 aufsteigend ab Klasse 1 einsetzende Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung in der Grundschule bedeutet für die Leiterin der Grund- und Oberschule Süderwisch, Sandra Marczyschewski, zunächst mal nicht so viel Neues: Schließlich ist in Süderwisch der Ganztagsbetrieb seit neun Jahren Alltag - in Klasse 1 und 2 freiwillig, danach verbindlich. Nur bei den Räumen hat sich seither nichts getan.
(Nicht nur) in Bezug auf den Ganztag muss kräftig nachgelegt werden
Die Situation ist nicht unbekannt: Eine von der Stadt Cuxhaven für die Grundschulen in Auftrag gegebene Analyse ergab 2023, dass die Süderwischschule zu den drei Grundschulen mit dem größten Handlungsbedarf zählte. Mit beiden Schulträgern - Stadt (Grundschule) und Landkreis (Oberschule) - haben Schulbegehungen stattgefunden, auch im Hinblick auf das Programm "Startchancen", das gezielt Schulen in sozial schwierigen Umfeldern unterstützen soll und als eine Säule die räumliche Aufwertung (Lern-Ecken, Erweiterungen, Möblierung...) nennt.
Möbelrücken in Aula und Mensa
Handlungsbedarf gibt es an allen Ecken und Enden. In der Grundschule gebe es neben den Klassenräumen keine Nebenräume. Die Oberschule laufe seit drei Jahren ohne die nötige räumliche Erweiterung: "Dabei war unser Antrag mit einem Raumprogramm verbunden. Wir brauchen diesen Raum jetzt." Es fehlten unter anderem Kursräume für die Differenzierung, Aula und Mensa müssten inzwischen als flexible Unterrichtsräume herhalten, was jedes Mal mit Möbelrücken verbunden sei.

Deutschlernen in der Abstellkammer
Völlig unzureichend seien die Voraussetzungen für die Förderung im Bereich Deutsch als Zusatzsprache (DAZ). "Wir haben 174 Schülerinnen und Schüler, die ein anerkanntes Anrecht hierauf haben", erläutert die Schulleiterin. Tatsächlich finde dieser Unterricht im Moment in einem halben Lagerraum des Kunstraums statt. Für die Ganztagsbetreuung sei gerade mal ein Raum verfügbar, zwei weitere Gruppen treffen sich dafür in Klassenräumen.
Angesichts des anhaltenden Hin- und Hergeschiebes ist es kein Wunder, dass längst Blicke auf den Containerbau gerichtet worden sind, der seit Oktober 2024 verlassen nur wenige Meter vom Schulgebäude entfernt daliegt. Es handelt sich um den Modulbau, in dem bis zur Fertigstellung ihres Neubaus die AWO-Kindertagesstätte Rudolf-Kinau-Weg an den Start gegangen war. Später hatte der Träger dort eine eigenständige Kita-Einrichtung als Krippe betrieben. Warum nur tut sich dort nichts?
Rechtsstreit um den Schimmelbefall
Die Stadt Cuxhaven erklärt die Hintergründe: Im Oktober 2024 musste der Betrieb wegen Schimmelbefalls eingestellt werden. Ein politischer Antrag, der im Juli 2025 auf den Weg gebracht werden sollte, um die Container für die Schule zu sichern, scheiterte an genau diesen Umständen, wie sie auch heute noch herrschen.
Eigentümerin der Module sei nach wie vor nicht sie, sondern die AWO, so die Stadt. Zwischen der AWO und dem Unternehmen, das seinerzeit die Module errichtet hatte, sei gegenwärtig ein Rechtsstreit anhängig. Aufgrund des in diesem Zusammenhang laufenden Beweissicherungsverfahrens könnten die Module derzeit nicht anderweitig genutzt werden.

Dass ein Träger - in diesem Fall die AWO Soziale Dienste Bezirk Hannover gGmbH - Kita-Bauten errichtet, vorfinanziert und betreibt, ist gängiges Modell in der Kita-Finanzierung der Stadt Cuxhaven. Die Kosten werden dann im Rahmen der Betriebskostenabrechnung mit der Stadt Cuxhaven abgerechnet. Den vereinbarten Joker, nach zwei Jahren eine Kaufoption für den Modulbau abzugeben (unter Anrechnung der bis dahin geleisteten Betriebskostenzuschüsse), konnte die Stadt aufgrund der strittigen Lage bislang nicht ziehen.
Grundsätzlich nicht gegen eine Modullösung
Schräg versetzt hinter den zurzeit nicht nutzbaren Räumen steht ein zweiter Containertrakt, in dem seit einigen Jahren Unterricht erteilt wird. Das laufe durchaus zufriedenstellend, so Sandra Marczyschewski. So werde sich die Schule grundsätzlich auch nicht gegen einen weiteren Modulbau sperren, wenn hierdurch die Unterrichtssituation verbessert werden könne.
Mehrere Vorschläge für Erweiterung
Denkbar sei aber auch ein Teilabriss und Neubau des zur Pommernstraße gelegenen Flachdach-Vorbaus. Diese Lösung würde auch eine dringend erforderliche Neugestaltung des Grundschul-Innenhofs ermöglichen, der derzeit mit schweren Maschinen nicht erreicht werden könne. Ein Neubau könne außerdem mehrstöckig errichtet werden.
Die Schulleiterin will keineswegs zu einer Generalkritik ansetzen: Sie würdigt die Renovierung (wenn auch nicht Erweiterung) des Lehrerzimmers, die Sicherung des Brandschutzes, die Sanierung der kleinen Turnhalle und hebt die Motivation ihres Teams hervor. Die Verbesserung der Raumsituation sei aber unabdingbar, um Chancengleichheit im Bildungssystem herzustellen. Das will sie auch den Eltern vermitteln, die sich inzwischen interessiert dem Modell Oberschule zuwenden. Außerdem sei die Schule schon lange nicht mehr nur eine Lehreinrichtung, sondern Zentrum des ganzen Ortsteils: "Die Eltern kommen mit allen Themen."