Cuxhaven: Pro und Contra zum geplanten Regenrückhaltebecken in Groden-Arnhausen
Gegner rufen für Dienstag zu einer Mahnwache auf, Befürworter wollen die Entwässerungsmaßnahme für Cuxhaven-Groden durchgesetzt sehen: Das ist die Ausgangslage vor dem Beginn der vorbereitenden Maßnahmen für ein Regenrückhaltebecken in Arnhausen.
Im Auftrag der Stadt Cuxhaven plant die EWE Wasser GmbH in Groden die zwei Großprojekte "GrodEN 1" und "GrodEN 2" (= "Groden Entwässerung"). Das Regenrückhaltebecken in Arnhausen ist Herz des Vorhabens "GrodEN1" (östlich der Bahnlinie). Das Projekt polarisiert, denn dafür muss ein erhebliches Stück Wald abgeholzt werden. Während sich die BUND-Kreisgruppe Cuxhaven mit Alternativvorschlägen klar gegen das Projekt positioniert hat, gibt es auch Befürworter. Der Rat der Stadt hat das Vorhaben bereits im Juli 2025 beschlossen.
Der Bürgerrat Groden begleite dieses Projekt schon seit etwa zehn Jahren positiv, berichtet der 1. Vorsitzende Timo Becker. Der Ursprung liege bereits im Juli 2008, in dem massive Überflutungen den Ortsteil und die Stadt getroffen hätten. Danach sei die Planung für die Entwässerung der Stadt systematisch neu aufgestellt worden. Nach den Baumaßnahmen im Rahmen der Maßnahmen "HaSi 1" und "HaSi 2" (Hauptsammler Innenstadt) solle nun Groden an die Reihe kommen, erst mit dem Rückhaltebecken, später mit diversen Maßnahmen zum Schutz der Grodener Chaussee.
Der Bürgerrat finde keine Hinweise auf Gesamtkosten in Höhe von acht Millionen Euro, so Becker. Auch ein Betonbecken sei in den Vorgesprächen nie erwähnt worden, vielmehr solle es sich um einen ausgebaggerten See handeln. Ein Großteil der Bäume bleibe im Nordwest-Bereich Arnhausens erhalten und der Weg um das Becken solle begehbar gemacht werden.
Wertigkeit des Waldes ist unstrittig
Hintergrund (hier ausführlich geschildert): Laut Ratsunterlagen wird sich die Waldfläche durch den Bau des Beckens um rund 14.000 bis 15.000 Quadratmeter verringern. Die Wertigkeit dieses Waldes wird hinsichtlich der Schutzfunktion als "herausragend" bezeichnet, insbesondere aufgrund des Strukturreichtums, zahlreicher als Brut- und Wohnstätten dienender Bäume (Habitatbäume) und der Bedeutung für die Biotopvernetzung. Mindestens 22 Habitatbäume müssten für den Bau des Beckens gefällt werden.
Naturschutzbund hebt guten Austausch hervor
Der Naturschutzbund (Nabu) Cuxhaven hat sich bei dem Vorhaben bislang neutral positioniert. In einem Blog berichtet er auf seiner Homepage über den Stand der Dinge. Bei einem Informationsgespräch mit Vertreterinnen und Vertretern der Stadt sowie der EWE Wasser sei dem Wunsch des Naturschutzbunds, das Vorhaben zu begleiten und laufend darüber zu berichten, vollständig entsprochen worden.

Das Regenrückhaltebecken, dessen Zuwegung und die Unterhaltungsflächen würden demnach rund 22.600 Quadratmeter der derzeit insgesamt 77.600 Quadratmeter großen Fläche in Anspruch nehmen. Dabei werde versucht, den notwendigen Eingriff in die Natur so gering wie möglich ausfallen zu lassen - unter anderem durch die Platzierung auf der ehemaligen Fläche der 2023 aufgelösten Bauwagensiedlung. Zudem sei eine ÖBB (ökologische Baubegleitung) versprochen, die der Nabu verfolgen werde.
Dem Verband sei zudem versichert worden, dass es sich nicht um ein betoniertes Becken handeln werde, berichtet der 1. Vorsitzende Karl Behn.
Becken soll ohne Betonboden auskommen
Das geplante Regenrückhaltebecken werde sowohl durch das anstehende Grundwasser als auch durch den Zufluss aus dem Lehstrom beeinflusst. Dadurch werde sich ein dauerhafter Wasserspiegel einstellen. Das Becken sei also kein dauerhaft trockenes Bauwerk, sondern werde auch außerhalb von Regenereignissen Wasser führen. Aus diesem Grund sei nach aktuellem Planungsstand keine zusätzliche Abdichtung der Beckensohle erforderlich, heißt es im Nabu-Blog. Laut Gabriele Grubel von der Initiative Stadtgrün des BUND dürfte jedoch damit zu rechnen sein, dass das Becken aufgrund des hohen Grundwasserspiegels mindestens durch eine dicke Kleischicht abgedichtet werden müsse.

In der Sitzung am Dienstag wird es nun um die Kostenübernahme für die vorgezogenen Ausgleichs- und Vermeidungsmaßnahmen (VART) und "Continuos Ecological Functionality"-Maßnahmen (CEF) gehen. Diese müssen gemäß Bebauungsplan ein Jahr vor Baubeginn durchgeführt werden und sollen sicherstellen, dass die ökologische Funktion von Fortpflanzungs- und Ruhestätten geschützter Arten ohne Unterbrechung erhalten bleibt. Pragmatisch gesagt: Die Tiere sollen umziehen. Dafür sollen unter anderem die Habitatbäume kontrolliert, Quartiere verschlossen, in der Nachbarschaft Nist- und Fledermauskästen installiert sowie ein großer Amphibienzaun gezogen und die Tiere umgesiedelt werden.
Aufruf zu einer Mahnwache am Dienstag
Neben dem Eingriff in die Natur weisen Kritiker auch auf die hierdurch entstehenden Kosten hin. Die BUND-Kreisgruppe Cuxhaven, die Initiative Stadtgrün und "Parents for Future" haben für Dienstag eine Mahnwache am Rathaus vor der Ausschusssitzung angemeldet und rufen unter dem Motto "Keine Waldvernichtung für ein Regenwasserrückhaltebecken" um 15.30 Uhr zur Teilnahme auf, verbunden mit dem Hinweis auf den Wert des Waldes als Wasserspeicher und Klimaanlage, angepasst an Starkregen und Hitze, sowie als Lebensraum für Insekten, Amphibien, Vögel und Fledermäuse.
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