Cuxhavener Musiklegende neu entdeckt: Die Vorgeschichte von Kralle Krawinkel ("Trio")
Lange vor dem Trio-Erfolg und "Da Da Da" prägte Gert "Kralle" Krawinkel aus Cuxhaven als Gitarrist von Cravinkel die deutsche Rockszene. Die beiden Kultalben "Cravinkel" und "Garden of Loneliness" sind jetzt aufwendig als Doppel-CD neu aufgelegt.
Bevor Gert "Kralle" Krawinkel mit der Neue-Deutsche-Welle-Band Trio und dem Welthit "Da Da Da" internationale Berühmtheit erlangte, gehörte der in Cuxhaven aufgewachsene Gitarrist zu den Pionieren der deutschen Rockszene. Nun werden die musikalischen Anfänge des 2014 verstorbenen Musikers wiederentdeckt: Die beiden legendären Cravinkel-Alben "Cravinkel" (1970) und "Garden of Loneliness" (1971) sind als aufwendig gestaltete Doppel-CD bei MIG Music neu erschienen.
Für viele Musikkenner gelten die beiden Werke längst als Kultalben der frühen Krautrock-Ära. Die Neuauflage durch das Label MiG Music macht sie einer neuen Generation von Hörern zugänglich und erinnert zugleich an einen Musiker, dessen Wurzeln eng mit Cuxhaven verbunden sind.
Krawinkel wurde 1947 in Wilhelmshaven geboren, wuchs jedoch in Cuxhaven auf. Hier sammelte er in der Schülerband "The Vampyrs" erste Bühnenerfahrungen. Später spielte er gemeinsam mit Stephan Remmler in den Bremerhavener Beatgruppen "Macbeats" und "Just Us", bevor er Ende der 1960er-Jahre die Band Cravinkel gründete. Neben Krawinkel gehörten Rolf Kaiser (Bass, Gesang), Klaus George Meier (Gitarre, Gesang) und George B. Miller (Schlagzeug) zu den Gründungsmitgliedern.
Cravinkel & Co. prägten den sogenannten Krautrock
Cravinkel gehörte zu den Bands, die Anfang der 1970er-Jahre den sogenannten Krautrock prägten. Das Quartett nahm sein selbstbetiteltes Debütalbum 1970 in London auf. Die Platte vereinte Rock-, Blues- und Folk-Einflüsse in kompakten, radiotauglichen Songs. Tourneen mit namhaften Gruppen wie Frumpy und Spooky Tooth zeigten das Potenzial der Band, der große kommerzielle Durchbruch blieb jedoch aus.

Mit dem Nachfolgealbum "Garden of Loneliness" schlugen Cravinkel 1971 eine deutlich experimentellere Richtung ein. Statt kurzer Rocktitel dominierten nun ausgedehnte Kompositionen mit langen Gitarrenpassagen und improvisatorischem Charakter. Die Musik orientierte sich an den psychedelischen und progressiven Strömungen jener Zeit. Ein Bonus der Neuauflage ist der bislang unveröffentlichte Live-Titel "Scottish Pipe", aufgenommen 1971 auf der Berliner Waldbühne.
Zeitzeugen erinnern sich daran, dass Einflüsse von Jimi Hendrix, Cream oder Pink Floyd den Sound der Band prägten. Cravinkel galt damals als vielversprechender Vertreter einer jungen deutschen Rockszene, die sich von den einfachen Beat-Songs der 1960er-Jahre löste und eigene musikalische Wege suchte.
Trotz eines gut dotierten Plattenvertrags bei Philips blieb der erhoffte Erfolg aus. Ein schwerer Rückschlag folgte 1972, als das gemeinsame Bandhaus in Volkmarst abbrannte und dabei auch ein Großteil des Equipments zerstört wurde. Kurz darauf löste sich die Gruppe auf. Die Musiker gingen unterschiedliche Wege: Klaus George Meier wechselte zu den Rattles, andere Mitglieder spielten in verschiedenen Rockprojekten weiter. Krawinkel gründete gemeinsam mit Stephan Remmler und Peter Behrens schließlich Trio und schrieb damit deutsche Popgeschichte.

Mit Trio wurde der Cuxhavener Musiker in den 1980er-Jahren weltberühmt. Die von ihm komponierte Single "Da Da Da" verkaufte sich rund 13 Millionen Mal und machte die Band zu einem der erfolgreichsten deutschen Musikexporte ihrer Zeit. Dennoch blieb Krawinkel seinen musikalischen Anfängen stets verbunden.
Die jetzt erschienene Doppel-CD zeigt eindrucksvoll, dass die musikalische Karriere von Gert "Kralle" Krawinkel nicht erst mit Trio begann. Sie führt zurück in eine Zeit, als ein junger Gitarrist aus Cuxhaven gemeinsam mit seinen Bandkollegen den Aufbruch der deutschen Rockmusik mitgestaltete. Für Fans des Krautrocks und für alle, die sich für die musikalische Geschichte der Region interessieren, ist die Neuauflage deshalb weit mehr als nur eine nostalgische Wiederveröffentlichung - sie ist ein Stück norddeutscher Musikgeschichte.

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