Wegen des heftigen Unwetters in der Nacht musste der Zeltplatz am Deich evakuiert werden. Am nächsten Morgen bleibt nur noch verstreute Ausrüstung übrig.
Wegen des heftigen Unwetters in der Nacht musste der Zeltplatz am Deich evakuiert werden. Am nächsten Morgen bleibt nur noch verstreute Ausrüstung übrig.
Bilanz

Evakuierung am Cuxhavener Strand: Veranstalter profitiert von Vorerfahrungen

von Kai Koppe | 22.06.2026

Dass Teilnehmer eines Handball-Camps ihre Zelte verlassen mussten, hat es im Jahr 2024 schon mal gegeben. Die Turnierleitung wusste deshalb, was am vergangenen Wochenende zu tun war.

"Mir tut das total leid für die Teilnehmer." Cuxhavens Oberbürgermeister Uwe Santjer kann nachfühlen, dass sich die Sportjugend, die vor wenigen Tagen zum Beachturnier nach Cuxhaven gereist war, einen anderen Verlauf "ihres" Handball-Wochenendes vorgestellt hatte. Aufgrund eines Unwetters war die Veranstaltung abgebrochen worden, noch bevor sie richtig begann. Am gestrigen Montag ging es deswegen nicht um eine Rückschau auf sportliche Erfolge, sondern um den Verlauf der Evakuierungsmaßnahmen.

Wie berichtet, bildete das Haus der Kurverwaltung eine Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, die ihre unweit der Sparkassen Beach Arena aufgeschlagenen Zelte Hals über Kopf verlassen mussten. Circa 200 Betroffene verbrachten den Rest der Nacht im Saal "Windjammer"; Verwaltungsvertreter machten sich vor Ort ein Bild von der Lage.

Zeichen standen auf Aufbruch

Bei seinem Eintreffen, so der Oberbürgermeister, sei es um die Frage gegangen, inwieweit Feldbetten aufgestellt werden müssten oder ob das ebenfalls als Auffang-Unterkunft vorgesehene Feuerwehrhaus Duhnen/Stickenbüttel als zusätzliches Quartier zu öffnen sei. Nötig wurde weder das eine noch das andere: Santjer zufolge standen die Zeichen mehr oder weniger auf Aufbruch - weswegen der mit der Versorgung betreute Caterer kontaktiert und gebeten worden sei, das Frühstück früher als geplant auszuliefern. Im Einsatz war außerdem eine mit der Feuerwehr ausgerückte Versorgungseinheit.

Kaputte Zelte und andere Ausrüstungsüberreste wurden nach dem heftigen Unwetter in Containern entsorgt. Foto: May

Die Option mit dem Ausweichquartier im Feuerwehrhaus wäre gezogen worden, wenn sich die Turnierleitung dazu entschieden hätte, die Veranstaltung am Morgen fortzuführen. Davon nahmen die Veranstalter aber noch vor Tagesanbruch Abstand. Angesichts einer Gemengelage bestehend aus einer kurzen Nacht mit wenig Schlaf und aus den bevorstehenden hohen Tagestemperaturen erschien es den Organisatoren unverantwortlich, am Turnier festzuhalten und die Kinder in die Spiele zu schicken. Turnierleiter Detlef Kortstegge (Handballverband Niedersachen-Bremen) verwies in diesem Zusammenhang auf die vor Ort vertretenen Jahrgänge: "Das ist ein Alter, in dem man noch nicht darauf achtet, ob man genügend getrunken hat", meinte er in Bezug auf den individuellen Umgang mit der erlebten Belastungssituation. Zu der gehörte auch, dass Teammitglieder, die ihre Zelte verlassen mussten, nass geworden waren. Die Veranstalter reagierten, indem sie als Abschlussgeschenk gedachte T-Shirts heranschafften, sodass ihre Schützlinge bei Bedarf etwas Trockenes am Leib hatten.

Wetterumschwung war nicht vorherzusehen

Dass jeder Teilnehmer von Haus aus ein "Notpaket" schnürt, wäre eine Maßnahme, über die man nachdenken könne, so der Turnierleiter. Gleichwohl griff nach seinen Worten im aktuellen Fall bereits ein "Learning" - resultierend aus einem ähnlichen Vorfall von vor zwei Jahren: In der Nacht vom 24. auf den 25. August 2024 musste das Beachhandball-Camp ebenfalls wegen eines Unwetters geräumt werden, betroffen waren seinerzeit circa 500 Kinder und Jugendliche.
Mit diesen Erfahrungen im Rücken war aktuell jede teilnehmende Mannschaft gehalten gewesen, mitzuteilen, ob und wie viele Kinder im Notfall zu evakuieren seien. Kortstegge zufolge wurde die Belegung des Zeltlagers unter diesen Gesichtspunkten geplant.

Aus diesem Grund mussten sich Betreuer am vergangenen Wochenende "nur" um 470 Kinder kümmern; ein Großteil der circa 1.200 Turnierteilnehmer soll sich zur selben Zeit in der Obhut von Eltern oder anderen Begleitern befunden haben. Die 470 Verbliebenen habe man in Richtung der in Reichweite stehenden Mannschaftsbusse evakuiert oder im Haus der Kurverwaltung untergebracht: So wollte es das Sicherheitskonzept, zu dem auch ein Check der Wetterlage gehörte.

Evakuierung des Beachhandball-Turniers am Strand von Duhnen: Über dem Zeltplatz zieht ein Unwetter auf.

Die Vorhersage hatte leichten Regen gemeldet - nicht mehr. Statt der Wetterfrösche war es Kortstegge gewesen, der einen siebten Sinn dafür bewies, dass sich über dem Strand etwas zusammenbraute. "Ich hatte bis 1.30 Uhr Nachtdienst im Lager gehabt", erinnerte er sich in einem Telefonat mit unserer Redaktion. An einem Quartier angelangt, nahm er ein Wetterleuchten wahr - und machte auf dem Absatz kehrt in Richtung Camp. Seine Ahnung trog ihn nicht: "Wir hatten schon angefangen zu evakuieren, als plötzlich starker Wind aufkam."

HVBN schwört weiterhin auf Cuxhavens Beach

Drei leicht verletzte Kinder zählen zur Bilanz der Unwetternacht. Trotzdem soll es Eltern gegeben haben, die nicht verstehen konnten, dass die Veranstalter das Handball-Event abbrachen. "Vom Wetter her sind wir in Cuxhaven nicht immer auf Rosen gebettet gewesen", räumte Detlef Kortstegge gegenüber der CN/NEZ-Redaktion ein. Dass man dem Beachsport-Mekka Cuxhaven den Rücken kehrt, steht aus seiner Sicht nicht zur Debatte. "Wir haben ja noch drei Turniere hier in diesem Jahr", erinnert der Organisator vom HVNB. Und wenn man die Bedingungen des Stadions, die gute Zusammenarbeit mit der Kurverwaltung und den Spaß, den Teilnehmer vor Ort haben, betrachte, müsse man konstatieren: "Das gibt es nirgendwo anders."

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