Cuxhavener Rollstuhlfahrer tagelang eingesperrt - Streit um Winterdienst und Aufzug
Ein Rollstuhlfahrer in Cuxhaven war tagelang von der Außenwelt abgeschnitten, als Schnee und ein defekter Aufzug seine Mobilität einschränkten. Die Vermietungsgesellschaft nimmt den Vorfall zum Anlass, interne Abläufe zu überprüfen.
Starker Schneefall und eisige Temperaturen haben am vergangenen Wochenende im Kreis Cuxhaven für Einschränkungen gesorgt. Für einen Rollstuhlfahrer (Name ist der Redaktion bekannt) aus einer Wohnanlage der Cuxhavener Siedlungsgesellschaft im Lehfeld hatte die Wetterlage jedoch besonders gravierende Folgen: Er konnte seine Wohnung zeitweise nicht mehr verlassen.
Der Mann schilderte der Redaktion, dass Wege zum Haus und der Zugang zum Fahrstuhl über Tage nicht geräumt gewesen seien. "Ich musste mir mehrfach am Tag selbst den Weg freischaufeln, nur um überhaupt zum Fahrstuhl zu kommen", schildert der Mieter gegenüber cnv-medien.de. Schließlich sei Schnee so stark gegen die untere Tür des Aufzugs gedrückt worden, dass dieser außer Betrieb genommen worden sei.
Auch Gassigehen war nicht möglich
Besonders belastend empfand der Cuxhavener ein Telefonat mit dem Notdienst der Siedlungsgesellschaft. Als er die blockierte Aufzugstür meldete, habe man ihm erklärt, es könne niemand mehr kommen. Zudem sei er gefragt worden, warum er "um diese Uhrzeit überhaupt noch raus müsse". "Mir wurde sinngemäß zu verstehen gegeben, dass Rollstuhlfahrer bei Schnee draußen nichts verloren haben", sagt der Betroffene. Er habe erklären müssen, dass er mit dem Hund raus müsse und einkaufen wolle. "Das klang, als wäre es mitten in der Nacht - dabei war es gegen 17 Uhr." Nachdem der Aufzug außer Betrieb genommen worden war, habe er seine Wohnung nicht mehr verlassen können. "Ich war faktisch eingesperrt", so der Mieter. Er kritisiert, Menschen mit Behinderung würden von der Siedlungsgesellschaft immer wieder als Belastung wahrgenommen. "Dann frage ich mich, warum man uns überhaupt Wohnungen vermietet."
Außergewöhnliche Witterungsverhältnisse
Auf Nachfrage von cnv-medien.de bedauert die Siedlungsgesellschaft die Situation ausdrücklich. Man sei sich bewusst, dass mobilitätseingeschränkte Mieter von solchen Ereignissen besonders betroffen seien. Gleichzeitig verweist das Unternehmen auf die außergewöhnlichen Witterungsverhältnisse am betreffenden Wochenende, die im gesamten Landkreis Cuxhaven zu erheblichen Einschränkungen geführt hätten. Zahlreiche Straßen seien nicht oder nur eingeschränkt befahrbar gewesen.
Der Winterdienst sei vollständig an ein externes Fachunternehmen vergeben, das die Liegenschaften bei Schneefall schrittweise abarbeite, teilt die Siedlungsgesellschaft mit. Auch Zugänge zu Häusern und gemeinschaftlich genutzte Wege würden grundsätzlich berücksichtigt. Bei extremen Wetterlagen könne es jedoch zu Verzögerungen kommen. Für das Wohnungsunternehmen gelten dabei dieselben Rahmenbedingungen wie für alle anderen Bürgerinnen und Bürger.
Aus Sicherheitsgründen Anlage vorsorglich außer Betrieb genommen
Beim betroffenen Aufzug handelt es sich nach Angaben der Siedlungsgesellschaft um einen Außenaufzug, der der Witterung direkt ausgesetzt ist. Die Störung sei durch die extremen Wetterbedingungen verursacht worden. Aus Sicherheitsgründen werde eine solche Anlage in bestimmten Fällen vorsorglich außer Betrieb genommen. Die Reparatur erfolge ausschließlich durch eine externe Fachfirma. Diese habe am betreffenden Abend keinen Techniker mehr entsenden können, da auch für sie die Anfahrt wegen Schneeverwehungen und gesperrter Straßen nicht vertretbar gewesen sei.
"Grundsätzlich behandeln wir Aufzugsstörungen mit höchster Priorität, insbesondere wenn dadurch die Mobilität von Mietern eingeschränkt ist", erklärt die Siedlungsgesellschaft. Der Aufzug sei repariert worden, sobald es die Wetterlage und die technischen Voraussetzungen zuließen.
Anlass, um interne Abläufe zu prüfen
Gleichzeitig kündigt die Siedlungsgesellschaft an, den Vorfall zum Anlass zu nehmen, interne Abläufe und Kommunikationsprozesse zu überprüfen. Solche Situationen seien für alle Beteiligten äußerst herausfordernd, ließen sich aber nicht immer vollständig vermeiden.
Für den betroffenen Mieter bleibt dennoch ein bitterer Eindruck zurück. "Man tut gerade so, als seien wir eine Belastung", kritisiert der Rollstuhlfahrer.