"Santjers Schnack" heißt das  neue Format, mit dem Oberbürgermeister Uwe Santjer die Ortsteile bereist. In Altenwalde war die Hütte voll. Foto: Reese-Winne
"Santjers Schnack" heißt das neue Format, mit dem Oberbürgermeister Uwe Santjer die Ortsteile bereist. In Altenwalde war die Hütte voll. Foto: Reese-Winne
Thema Erstaufnahme bewegt

Cuxhavens Oberbürgermeister lädt jetzt zu "Santjers Schnack" - so lief die Premiere

von Maren Reese-Winne | 24.02.2023

"Wir hatten zuletzt zu wenige Gelegenheiten, zu reden", erklärte Oberbürgermeister Uwe Santjer am Donnerstag in Altenwalde. Für kurze Wege zum Stadtoberhaupt steht ab sofort das neue Format "Santjers Schnack".

Für die Premiere wählte der Altenwalder Uwe Santjer das Heimspiel - aber nicht nur wegen des vertrauten Terrains, sondern weil der Stadtteil mit der Einrichtung der Landes-Erstaufnahme eine große Herausforderung vor der Brust hat. Im Hotel Neuses war kein Stuhl mehr frei, als Santjer zurückdachte: "Ich habe im November 2019 angefangen; im Februar haben wir uns Masken aufgesetzt." Kaum war die Corona-Pandemie gebändigt, kam der Krieg.  Mit dem neuen Format möchte Uwe Santjer, der zur Premiere den Baudezernenten der Stadt Andreas Eickmann an seiner Seite hatte, nun mit der Bevölkerung über ihre Stadtteile ins Gespräch kommen.

Themen liegen vor der eigenen Haustür

Das Thema Erstaufnahme stand tatsächlich im Mittelpunkt, aber es ging auch um die Themen vor der eigenen Haustür: Straßen, Bäume, Schottergärten. Nicht zuletzt und den "Ort ohne Örtchen." Das Team des OB schrieb fleißig mit und versprach Antworten. Als Einstieg hatte sich Santjer den Themen Wohnen und ÖPNV gewidmet. Es werde rege gebaut; an der Seeburg stehe die Erschließung des neuen Baugebiets kurz bevor, jedoch fehle es weiter an Wohnraum, gerade auch an bezahlbaren kleineren Mietwohnungen. Möglicherweise lasse sich auch ein weiteres Neubaugebiet für Einfamilienhäuser realisieren.

Für den ÖPNV braucht es kreative Lösungen

Für den Busverkehr - insbesondere nach Oxstedt - stellte Santjer fest: "Der ist nicht attraktiv genug, um auf das  Auto zu verzichten." Nur mit zusätzlichen Bussen werde das Problem auch nicht gelöst, denn die bleiben jetzt schon tagsüber meist leer. Neben dem Bahnhaltepunkt Franzenburg, wo jetzt ein Planungsbüro die Ausschreibung der Planung (!) vorbereitet, seien kreative auf die Realität zugeschnittene Lösungen gefragt, um den Altenwaldern ohne Auto nicht das Gefühl zu geben, abgehängt zu sein. Uneingeschränkt erfreulich sei dabei die anstehende Fertigstellung des Radwegs nach Holte-Spangen: "Die erste Vorlage, die ich im November 2019 unterschrieben habe", so Uwe Santjer.

Mit dem Thema ÖPNV war für die Zuhörerinnen und Zuhörer der Bogen zur Erstaufnahmeeinrichtung schon geschlagen - hier ergebe sich nämlich die Möglichkeit, Verbesserungen für den gesamten Ort zu erreichen. "Wir müssen das Land mit einbeziehen. Wenn da 800 Leute wohnen, kann man auch mal den ÖPNV verbessern", fand Pastor Achim Wolff in einem flammenden Statement. Ob das nun mehr Busse oder ein Shuttle nach dem MOIA-(Sammeltaxi)-Modell sei: "Seien wir kreativ und fordern wir das, was wir haben wollen - dafür, dass wir hier die beste Einrichtung in ganz Niedersachsen sind!"

Busse stehen noch nicht vor der Tür der Kaserne

Wichtig war Uwe Santjer der Hinweis, dass dies keine Einrichtung nur für alleinreisende Männer sein werde. Bislang stehe die Zahl von 600 Plätzen. Vonseiten des Landkreises sollten zusätzlich wohl  200 Plätze in Form einer Großunterkunft geschaffen werden - Ersatz für die jetzigen Plätze in Sahlenburg. Mit der Belegung der Erstaufnahme rechnet der OB frühestens gegen Ende des Jahres. Was ihn jetzt schon schwer beeindrucke, sei die von allen Seiten angebotene Hilfe. Weil die Gefahr besteht, diese Leute verlieren, bedauerte es Ortsbürgermeister Ingo Grahmann außerordentlich, dass das Land noch keine Fühler nach einem Träger ausstrecke.

Formal sei die Stadt bei all diesen Vorbereitungen Zaungast, betonte Uwe Santjer. Ihm sei allerdings an den Belangen der Stadt und Altenwaldes gelegen. Angesichts einer mindestens zehnjährigen Laufzeit der Einrichtung sei es nur berechtigt, gut hinzuschauen, was an Gutem und an Schwierigem passiere. "Wir wollen uns als lokale Akteure einmischen." Hilfsangebote gab es am Donnerstag reichlich, aber es erklangen auch mahnende Stimmen. Ein hohes Durcheinander von Nationalitäten und Kulturen berge hohes Konfliktpotenzial, erst recht, wenn es sich um traumatisierte Menschen handle.

Konflikten durch Beziehung begegnen


"Wenn man die Leute alleine lässt, wird das nichts", stellte Achim  Wolff fest. "Wir haben hier Konflikte immer durch Begegnung und Beziehung entschärft."  Am Ende könne Altenwalde gestärkt aus dieser Erfahrung herausgehen, zeigte sich Uwe Santjer überzeugt. "Die Kaserne wird uns herausfordern, wir werden im Austausch bleiben müssen und wir müssen aufpassen, wie wir mit unseren  Ängsten und Vorverurteilung umgehen. Aber eins darf uns nicht passieren: dass in Hetze Menschen gegeneinander aufgewiegelt werden."  

Mit dem Blick auf mehr Wohnraum, eine neue Feuerwehr, eine neue Kita und der Aussicht auf noch mehr Lebensqualität für alle gebe es sehr gute Aussichten: "Dafür kann jeder tun, was er an seiner Stelle tun kann."

Am Donnerstag, 9. März, geht es für Uwe Santjer und sein Team weiter nach Altenbruch. Um 18 Uhr beginnt der Austausch mit Interessierten im Café Löwenzahn, Am Altenbrucher Markt 6. Themen sind unter anderem die Wohnbebauung, Schafe und Hunde am Deich sowie die Hafenentwicklung. Weitere Themen können gerne bis zum 2. März an assistenz.oberbuergermeister@cuxhaven.de geschickt werden.

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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