Damit Cuxhaven nicht untergeht: Entwässerung ist ein ausgeklügeltes Gemeinschaftswerk
Über 900 Kilometer lang ist das Gewässernetz in Cuxhaven - angefangen beim kleinsten Graben bis zu den Elbzuflüssen. Sie alle dienen dazu, dass die Menschen in Cuxhaven auch bei Dauerregen nicht im Nassen sitzen. Automatisch passiert das aber nicht.
Damit das funktioniert, wird das Netz regelmäßig unter die Lupe genommen. Jeden November gehen Ehrenamtliche und Behördenvertreter Kilometer für Kilometer die Gewässer ab. Besonderer Augenmerk liegt dabei auf der Döser Wettern (ab der Neuen Reihe verrohrt), dem Landwehr- und dem Altenbrucher Kanal, die in die Elbe fließen, und ihren größeren Zuflüssen. Dabei schauen sie nach Hindernissen und Bewuchs, die den Abfluss stören und einen schnellen Einsatz erfordern.
Dieselben Aufgaben haben auch Privatpersonen, sobald zu ihrem Grundstück ein Grenz- oder Anliegergraben gehört. Dass sie dazu gesetzlich verpflichtet sind und den Graben regelmäßig pflegen müssen, ist allerdings längst nicht allen bekannt.
Zuständigkeit ist oft nicht bekannt
Silas Wege von der Stadt Cuxhaven stellt regelmäßig fest, dass Anlieger nicht mal wissen, dass der Graben überhaupt zu ihrem Grundstück gehört, vor allem, wenn beim Grundstückserwerb weder Papiere noch Informationen dazu weitergegeben worden sind. "Deshalb schreiben wir, wenn wir Hinweise zu geben haben, oft gleich die ganze Straße an", erklärt er. Silas Wege, stellvertretender Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft, Abfall und Katastrophenschutz, hat als Sachbearbeiter täglich mit Gewässerausbau und -unterhaltung zu tun.

Die Entwässerung entpuppt sich als Gemeinschaftswerk, angefangen bei der Stadt Cuxhaven als Unterer Wasserbehörde und Gewässeraufsicht. Die Aufgabe der Abwasserbeseitigungspflicht hat sie an die EWE Wasser übertragen, die sich um ein 235 Kilometer langes öffentliches Regenwasserkanalnetz kümmert. Dritter im Bunde ist der Hadelner Deich- und Gewässerverband. Er unterhält das 165 Kilometer lange Netz der Döser Wettern, des Landwehr- und Altenbrucher Kanals sowie ihrer Hauptzuflüsse. Nicht immer ist das nur mit Maschinen möglich. Auf so genannten "Handstrecken" müssen Mitarbeiter immer noch mit der Schaufel ran.
Welchen Weg nimmt das Regenwasser?
Gewässer von überörtlicher Bedeutung (Faustregel: sie tragen einen Namen) werden als Gewässer 2. Ordnung bezeichnet, Grenz- und Anliegergräben sind Gewässer 3. Ordnung. "Entwässerung beginnt in dem Moment, in dem Wasser auf Ihr Dach fällt", erklärt Silas Wege. Das Wasser landet entweder in der Regenwasserkanalisation (dann übernimmt die EWE Wasser), versickert auf dem Grundstück - oder aber es wird in einen zum Grundstück gehörenden Graben geleitet. Typische Beispiele finden sich etwa in der Predöhlstraße oder in Groden. Die Gräben führen entweder in die Regenwasserkanalisation oder in größere Gewässer.
Wenn Gräben zuwuchern oder in Eigenregie verrohrt werden (was ohne Genehmigung nicht erlaubt ist), droht das Wasser allerdings beim nächsten Starkregen überzulaufen. Gerne geraten Gräben auch in Vergessenheit, wenn sie erstmal hinter einem Zaun versteckt worden sind.

Selten einmal erkundigen sich Anlieger danach, wo eigentlich ihre Entwässerungsleitungen liegen. Die gute Nachricht: Wenn das Regenwasser in einen Graben läuft, entfällt die Niederschlagswassergebühr. Dafür aber müssen ab und an die Blätter aus dem Graben geholt und der Bewuchs zurückgeschnitten werden; eine Aufgabe für den Winter, denn in der Vegetationsperiode vom 1. März bis zum 30. September ist das nur begrenzt erlaubt. Eine häufige Ursache für Blockierungen seien nachrutschende Komposthaufen, so Silas Wege.

Nach und nach wird, wenn denn alles klappt, das Regenwasser in immer größere Abläufe geleitet und gelangt dann in die Elbe, die als Binnenschifffahrtsstraße ein Gewässer 1. Ordnung ist und nicht in den Zuständigkeitsbereich der Stadt fällt.
Seenlandschaften statt Flutwelle
Überall in der Stadt befinden sich so genannte Scheidungen, an denen sich die Fließrichtung des Wassers ändert - beispielsweise in der einen Richtung zur Landwehr und in der anderen in den Altenbrucher Kanal. Ungefähr eine Woche dauert es, bis das Wasser von der Scheidung am Wanhödener Bach aus auf einem der beiden Wege in der Elbe landet. Extremwetterereignisse äußern sich in Cuxhaven in Seenlandschaften, aber nicht in Flutwellen. Bevor die Gewässer überlaufen, kann aber der Wasserstand noch durch viele Umleitungen beeinflusst werden.

"Das alles wirkt wie selbstverständlich, bedarf aber vieler Anstrengungen", betont Abteilungsleiterin Kirsten Woicke. Entscheidend sei dabei das gute Miteinander aller Beteiligten, ergänzt Fachbereichsleiter Torsten Köhne und hebt besonders die hohe Identifikation der Ehrenamtlichen mit dieser Aufgabe hervor.
Probleme mit der Entwässerung können der Stadt online über den Mängelmelder mitgeteilt werden, der Großteil der Hinweise kommt aber immer noch telefonisch im Rathaus an.