Imkerei als Leidenschaft: Ein Blick in das Leben mit Bienen
Sieghard Haude imkert seit mehr als 40 Jahren - und kann sich beim Thema Bienen nach wie vor in Begeisterung reden.
"Nun kann er sich den eigenen Interessen noch intensiver widmen": So ähnlich titelten die Kollegen im Kreishaus, als Sieghard Haude im Januar in den Ruhestand verabschiedet wurde. Ob er mehr Zeit als vorher bei seinen Bienen verbringt, sei mal dahingestellt. Fakt ist, dass der Gudendorfer aber seit Kurzem auch die Stadt "beliefert": mit Honig aus dem Schlossgarten, wo Haude in dieser Woche der Redaktion Rede und Antwort stand. Es ging - unschwer zu erraten - um Imkerei.
Früher dran als gewohnt ist die Natur in diesem Jahr. "Die Saison geht jetzt los", bestätigt Sieghard Haude und meint damit die Zeit, in der seine Bienen wieder ausfliegen. Nektar finden werden sie im Schlossgarten, wo nach den Frühlingsvorboten wie Krokussen die ersten Bäume zu blühen beginnen. Nahrung - nicht nur für die Honigbiene, sondern auch für ihre nicht-domestizierten Schwestern. Wildbienen liegen dem vormaligen Fachgebietsleiter für Natur- und Artenschutz besonders am Herzen. Wer sich für sie engagiere (etwa, indem er Wildblumen säe), unterstütze natürlich auch die Honigproduktion in den Stöcken. Argumentiert Haude, der seit zehn Jahren einen Teil seiner Bienen auf einem Gärtnereigelände am Rande des Schlossgarten hält. Imker ist er schon sehr viel länger, nämlich seit sein Vater sich auf Drängen eines Sohnes ein eigenes Volk zulegte. Und Haude und sein Bruder Dankward die ersten Erfahrungen am Stock sammeln durften.
Bei der Arbeit am Kasten den Kopf freibekommen
"Ich kann dabei vollkommen abschalten", verrät Sieghard Haude. Das sei schon so gewesen, als er noch mitten im Berufsleben stand. Vor oder nach dem Dienst - wann immer er einen seiner Bienenkästen öffnete, bekam er den Kopf im Nu frei. "In so einem Augenblick gibt es für mich nur die Bienen."
Diese Leidenschaft hat ihn über vier Jahrzehnte hinweg nie verlassen, auch weil die Bienen und in vielerlei Hinsicht nach wie vor Rätsel aufgeben. So haben Völker durchaus ihr eigenes Temperament, das sich im Laufe eines Bienenjahrs möglicherweise verändert. Der Vorsitzende des Imkervereins Cuxhaven hat schon erlebt, dass Bienen, die er in seinem Imker-Tagebuch als dezidiert sanftmütig vermerkt hatte, urplötzlich recht unwirsch auf Annäherung reagierten. Gestochen worden? Haude lacht, weil das bei aller Vorsicht unter Imkern eben nicht ausbleibt. Der Körper aber im Laufe der Zeit soweit Resistenzen entwickelt hat, dass ein Stich nach einer halben Stunde wieder vergessen ist. All den anderen, den Laien, möchte Haude die Angst, aber wohlgemerkt nicht den Respekt vor den Bienen nehmen. "Meine Kinder", erzählt er, "wussten ganz genau: Alleine dürfen sie da nicht rangehen". Gespielt aber haben sie nur wenige Meter von den Bienenkästen entfernt. Ernsthaft passiert sei dabei nie etwas.
Das Bienen-Verhalten muss man lesen können
Wer zum ersten Mal Bienen von den Waben abfegt, denkt mutmaßlich weniger an den Stachel, als dass er sich darum sorgt, die auf dem Rahmen herumwimmelnden Arbeiterinnen nicht zu verletzen: Ein Thema bei den Imkerkursen, die Sieghard Haude über mehrere Jahre hinweg gemeinsam mit seinem Bruder anbot. Teilnehmer nahmen eine Menge Know-how und ein "Diplom" mit nach Hause, wobei festzuhalten bleibt: Einen Befähigungsschein braucht man nicht, um in die Bienenzucht einsteigen zu können.
Sieghard Haude legt jedem Novizen dennoch ans Herz, einen Lehrgang zu besuchen beziehungsweise sich von einem erfahrenen Imker an die Hand nehmen zu lassen: So faszinierend die Welt der Bienen ist, so komplex ist sie auch. Es gilt, das Verhalten der Insekten lesen zu können - etwa, um zu erkennen, ob ein Volk im Begriff steht zu "schwärmen": Imker-Latein für die Teilung der Population, bei der die alte Königin einen Großteil der Bienen mit aus dem Stock nimmt. Wer die entscheidenden Signale übersieht, riskiert, eines Morgens vor einem mehr oder minder verwaisten Bienenkasten zu stehen - nicht das, was sich ambitionierte Bienenväter (oder -mütter) auf dem Höhepunkt eines arbeitsreichen Honigjahres wünscht.
Es geht nicht um den Honig allein
Wer Haudes Ratschlägen lauscht, begreift schnell, dass es (wie so oft) die kleinen Schritte sind, die in der Imkerei zum Erfolg führen. Der sich dann übrigens nicht zwingend nach der Honigausbeute bemisst. Der Gudendorfer erinnert sich an einen Spätberufenen, der im Alter von ungefähr 60 Jahren mit dem Hobby begann. Und bald berichtete, dass ihm die Imkerei in erster Linie die Augen geöffnet habe - für Vorgänge in der uns umgebenden Natur. "Hätte ich das gewusst", so soll er gesagt haben, "hätte ich viel früher mit den Bienen angefangen".
