Manfred Runge im Selbstlernbereich der BBS Cuxhaven - einem Bereich, der ziemlich gut zu seinen Vorstellungen zeitgemäßen offenen Lernens passt. Foto: Reese-Winne
Manfred Runge im Selbstlernbereich der BBS Cuxhaven - einem Bereich, der ziemlich gut zu seinen Vorstellungen zeitgemäßen offenen Lernens passt. Foto: Reese-Winne
Bildung

Dauer spielt keine Rolle: Manfred Runge - Schulleiter auf Zeit für die BBS Cuxhaven

von Maren Reese-Winne | 14.03.2026

Vor einem Jahr leitete er noch die deutsche Schule in Mailand - nun begleitet Manfred Runge die BBS Cuxhaven für ein halbes Jahr als Schulleiter. Wenn das mal kein Grund ist, nachzufragen, was hinter dieser Geschichte steckt. 

Von Anfang an war klar, dass er das Schulleitungsbüro der BBS Cuxhaven nur ein Halbjahr lang besetzen wird: von Februar bis zu den kommenden Sommerferien. Für ihn kein Grund, mit angezogener Handbremse an die Sache zu gehen: "Ich bringe mich hier so ein, als ob ich hier für immer tätig wäre", versichert Manfred Runge.

Als so herzlich, wie er bei seiner Ankunft aufgenommen worden sei, empfinde er auch die gesamte Ausstrahlung dieser von hoher Kollegialität geprägten Schule, sagt er. "Ich gebe mein Bestes, das zu unterstützen." Die Reihe der Aufgaben für die Schulgemeinschaft ist lang - angefangen bei der erforderlichen Neubesetzung mehrerer Leitungsstellen inklusive der Schulleitung. Dass Manfred Runge dabei raus ist, hat in erster Linie mit Fahrzeiten zu tun. Die sollen kürzer werden, nachdem die vorigen Jahre durch weite Wege und wenig Zeit für die Familie geprägt waren. 

Die ersten Berufsjahre verbrachte der heute 62-Jährige nach dem Studium der Wirtschaftspädagogik und Anglistik im Ausland und in der Bankenwirtschaft. Nach der Einstellung in den Schuldienst im Jahr 1990 fand er zügig in  Schulleitungspositionen. Von 2011 bis 2019 leitete er die BBS Verden, dann folgte der spektakuläre Schritt als Schulleiter in die Deutsche Schule in Mailand, eine von nur drei möglichen Auslands-Einsatzstellen in Italien, eine Traumstelle. 

Traumstelle lag mitten im Corona-Hotspot

Es war nur auch genau die Region, in der kurz darauf Corona stärker zuschlagen würde als an wahrscheinlich jedem anderen Ort in Europa. Am 24. Februar 2020, wenige Monate nach seinem Antritt, wurde die Schule zum ersten Mal geschlossen. Bis Herbst 2021 litt die Bevölkerung unter der Pandemie. Für das Pendeln zwischen Wohnung und Schule musste Runge ein Dokument mitführen, das seine systemrelevante Tätigkeit bescheinigte.

2025 kehrte er zurück und war seither als schulfachlicher Dezernent im Landesamt für Schule und Bildung in Lüneburg und im Kultusministerium tätig. 

Zum ersten Mal ist er in Cuxhaven auf eine Schule getroffen, die für einen Neubau vorgesehen ist. Das sei gleichzeitig Herausforderung und Chance, verbunden mit Grundsatzfragen: Welche Anforderungen muss eine berufsbildende Schule heute erfüllen, welche Zukunftsberufe werden hier in den nächsten Jahrzehnten gelehrt und  wie hat sich das Lernen verändert? "Schulen brauchen heute flexible Räume für das selbstständige Lernen", so Runge, ein Verfechter offener Lernformen. 

Auch die mögliche Nachmittagsnutzung für alternative Zwecke müsse heute von Anfang an eingeplant werden: "Das erfordert ein enges Zusammenspiel von Schulleitung, Schulgemeinschaft und Träger." Gleichzeitig empfindet er es als Verpflichtung, bei der Weiterentwicklung im Bestand seine Erfahrung einzubringen und dabei die Verantwortlichen mit seinem Vertrauen zu stärken. Darüberhinaus repräsentiert Runge die BBS in der Region, begleitet Zeugnisvergaben, Freisprechungen und Wettbewerbe und betreibt Netzwerkarbeit. 

"Jede Säule ist verfolgenswert"

Die BBS Cuxhaven verfügten über vier führende Charakteristika, die er allesamt als überaus wertvoll und verfolgenswert erachte: Engagement für Demokratiebildung; Vielfalt unterschiedlicher Biografien und Bildungsniveaus unter einem Dach; Nachhaltigkeit und ein starkes Engagement für Europa mit einem intensiven  Erasmus-Programm und dem Status als Europaschule. 

Über kurz oder lang kommt jeder, der sich mit dem in Bremen aufgewachsenen Pädagogen unterhält, dann aber doch wieder auf das faszinierende Thema "Auslandsschuldienst" zurück. Für Runge bedeutete der Dienst in Mailand das Kennenlernen einer ganz anderen Schulform: allgemeinbildend, privat, mit hohem Engagement der Eltern. In einer Einrichtung, die Kinder vom Kindergarten bis zum Abitur begleitet, entwickle sich zudem eine ganz besondere Identifikation.

Von der schicken, weltoffenen und sehr europäisch geprägten Metropole Mailand zurück in die norddeutsche Tiefebene - "den Weg muss man zu gehen bereit sein", sagt Manfred Runge mit einem Augenzwinkern. Eins aber kann er uneingeschränkt bestätigen: "Das deutsche Berufsbildungssystem ist wirklich von großer Qualität."

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Maren Reese-Winne

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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