Jubiläum in Döse: 50. Tag der Shanty-Chöre in Cuxhaven und die Fangemeinde ist dabei
Es war eine "Welturaufführung" am 9. Juni 1974 im Cuxhavener Kurpark: Das Treffen von fünf Shanty-Chören kam so gut bei den rund 1000 Gästen an, dass am Ende der Entschluss stand, weiterzumachen. Der Tag der Shanty-Chöre war erfunden.



Die Initiatoren - Kurdirektor Hans Demgen, Veranstaltungsleiter Otto Prieß und Kurt Kniesche vom Shanty-Chor Cuxhaven - wollten nicht nur das maritime Erbe der Stadt lebendig halten, sondern auch ein Publikumsmagnet werden. Nach der Premiere mit den Marinekameradschaften Bünden und Wilhelmshaven, dem Shanty-Chor Bremerhaven, dem Chor der Cuxhavener Seelotsen und dem Döser Shanty-Chor (Ursprung des im selben Jahr entstandenen Cuxhavener Shanty-Chors) -, war die Teilnahme bald so begehrt, dass es Bewerbungen von bis zu 50 Interessenten gab, aus denen ausgewählt werden musste.
16 Chöre bestritten das Programm beim 30-jährigen Jubiläum im Jahr 2004. Damals verteilten sich diese auch noch zusätzlich zum Galaabend und dem Kurpark-Gesangsmarathon sonnabends für kleine Platzkonzerte in der Stadt. Die Corona-Pandemie verhinderte, dass das 50-jährige Jubiläum schon vor zwei Jahren gefeiert werden konnte. Das wurde nun an diesem Wochenende in Döse nachgeholt.

Längst auch ein großes Freundschaftstreffen
Schon am Freitag kamen viele Chormitglieder und Angehörige zusammen, um das Wiedersehen zu feiern und das eine oder andere Lied miteinander anzustimmen. Rund 400 Gäste verfolgten dann am Sonnabend den seit zehn Jahren durch Wolfgang Zinow moderierten Gala-Abend in der Kugelbake-Halle (Klaus Erlewein war sein unvergessener Vorgänger).

Oberbürgermeister Uwe Santjer und Kurdirektor Olaf Raffel ehrten mit Udo Brozio, dem heutigen Leiter des Shanty-Chors Cuxhaven, stellvertretend einen Teilnehmer der ersten Stunde und dankten insbesondere allen im Hintergrund wirkenden Personen. Den Shanty-Chor Cuxhaven und den Olenbrooker Schlüsenchor bezeichnete Uwe Santjer als Botschafter der Stadt Cuxhaven. Die Shantys seien nicht nur als Arbeitslieder der Seefahrer bekannt, sondern hätten auch für viele Familien in Cuxhaven eine Verbindung zu ihren Familienangehörigen auf See hergestellt.

Dass der Shanty-Chor Bisperode die Gala mit dem erst 2004 zum Tall Ships' Race vom Cuxhavener Holger Kriedemann geschriebenen Lied "Weiße Segel vor Cuxhaven" eröffnete, wertete Wolfgang Zinow als Hommage an die Gastgeberstadt. Im Jahr seines eigenen Jubiläums (50 Jahre) war der Olenbrooker Schlüsenchor zum ersten Mal dabei. Der Shanty-Chor Cuxhaven und das gemeinsame Finale aller Chöre bildeten den stimmungsvollen Abschluss.

Wegen des Sturms in die Halle ausgewichen
"Fest in Seemannshand" hieß es am Sonntag beim sechsstündigen Gesangsmarathon, der aufgrund des stürmischen Wetters kurzerhand vom Kurpark in die Kugelbake-Halle verlegt wurde. Acht Chöre aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Dänemark mit rund 300 Sängern und Instrumentalisten präsentierten halbstündige Ausschnitte aus ihrem Repertoire und begeisterten die Zuhörer mit maritimen Liedern, traditionellen Shantys und schwungvollen Seemannssongs. Von fernwehgeprägten Balladen über Geschichten von Wind, Wellen und großen Fahrten bis hin zu mitreißenden Mitmachliedern spannte sich der musikalische Bogen.
Wolfgang Zinow führte wieder souverän durchs Programm und machte Werbung für den Chorgesang: "Gehen Sie mal raus aus ihren vier Wänden und kommen Sie zu uns in die Chöre. Singen macht Spaß und hält jung."

Das Publikum ließ sich von der guten Stimmung anstecken und spendete den Akteuren immer wieder lang anhaltenden Applaus. Einige Gäste kommen seit vielen Jahren zum "Tag der Shantychöre" und richten ihren Urlaub sogar gezielt nach dem Veranstaltungswochenende aus. "Das gehört für uns einfach dazu", berichtete ein Ehepaar aus Nordrhein-Westfalen. Die besondere Mischung aus maritimer Musik, norddeutscher Gastfreundschaft und der einzigartigen Kulisse an der Elbmündung mache den Reiz des Festivals aus.
Auch wenn der Wind den Organisatoren in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung machte, erwies sich die Verlegung in die Kugelbake-Halle als gute Alternative. Die Besucher rückten näher zusammen, die Akustik sorgte für ein intensives Konzerterlebnis, und die Begeisterung für die Musik war ungebrochen. So endete auch der Gesangsmarathon mit einem gemeinsamen Finale und dem Wunsch vieler Besucher, im kommenden Jahr wieder dabei zu sein.
Von Jens-Christian Mangels und Maren Reese-Winne

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