Wolfgang Deutschmann mag das historische Ambiente im Schulleitungszimmer des Amandus-Abendroth-Gymnasiums. Natürlich hat er auch das alte Hinweisschild auf die Sprechstunden des Direktors aufbewahrt. Foto: Reese-Winne
Wolfgang Deutschmann mag das historische Ambiente im Schulleitungszimmer des Amandus-Abendroth-Gymnasiums. Natürlich hat er auch das alte Hinweisschild auf die Sprechstunden des Direktors aufbewahrt. Foto: Reese-Winne
Traditionsreiches Gymnasium

Cuxhavener Schulleiter Wolfgang Deutschmann: Eine Epoche am AAG endet

von Maren Reese-Winne | 13.06.2026

Nach über einem Jahrzehnt als Schulleiter des Amandus-Abendroth-Gymnasiums (AAG) Cuxhaven tritt Wolfgang Deutschmann in den Ruhestand. Er blickt zurück auf die vergangenen Jahre. Was bleibt, sind Erinnerungen - und ein starkes Vermächtnis.

Seit 2013 ist Wolfgang Deutschmann (66) Leiter des Amandus-Abendroth-Gymnasiums (AAG) Cuxhaven. Nun geht er in den Ruhestand. Vor der großen Abschiedsfeier hat cnv-medien.de mit ihm gesprochen - und herausgefunden, warum er von Anfang an mit Herz und Seele Lehrer war.

Vorbestimmt war das nicht, denn eigentlich hatte er Maschinenbau als Studienfach ins Auge gefasst. Dass es anders kam, hatte etwas mit der Liebe zu tun - oder doch mit der ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen)? Die nämlich wies seiner Freundin Sabine einen Jura-Studienplatz in Osnabrück zu. Also schaute auch er sich dort um - nach zwei Jahren Grundwehrdienst und Verlängerung im Flugabwehrraketengeschwader 37 in Altenwalde. Maschinenbau war nicht im Angebot, aber Gymnasiallehramt. Dazu noch seine Wunschfächer Mathematik und Physik: Das passte. Zum Glück für mehrere Schülergenerationen und für ihn. Die damals getroffene Entscheidung lässt ihn zufrieden auf die Berufszeit zurückblicken.

Außergewöhnliche Konstellation erwies sich als Glücksfall

Seine eigene Abiturprüfung legte er 1980 an den BBS Cuxhaven ab. Da war er schon drei Jahre mit seiner heutigen Ehefrau Sabine Deutschmann - heute Leiterin des Amtsgerichts Otterndorf - zusammen, die damals das allgemeinbildende Gymnasium besuchte. Eine solche Begegnung war nicht selbstverständlich. Noch kurioser war, dass es im Freundeskreis weitere drei Paare mit genau derselben Konstellation gab. Die vier hieraus entstandenen Ehen haben alle bis heute Bestand.

Vom ersten Schulpraktikum an wusste Wolfgang Deutschmann, dass er die richtige Entscheidung getroffen hatte. Besonders gern hat er immer die jüngsten und die ältesten Jahrgänge unterrichtet. Bei der Abschaffung der Orientierungsstufe freute er sich über die Rückkehr der Jahrgänge 5 und 6 ans Gymnasium. Auch ganz zum Schluss hat er noch mal eine fünfte Klasse übernommen; zusätzlich zu seinem Leistungskurs Physik.

"Am liebsten vor der Klasse gestanden"

Sein Lehrerleben hat er allerdings in dem von Dominikanern geleiteten St. Thomas-Kolleg in Vechta, einer Privatschule nur für Jungen, begonnen, denn an Planstellen war in ganz Niedersachsen nicht zu denken. 1992 wechselte er ans Athenaeum in Stade, wo Ehefrau Sabine mittlerweile im Verwaltungsgericht wirkte. Als sie fünf Jahre später ans Otterndorfer Amtsgericht ging, gab es für ihn im Kreis Cuxhaven erstmal keine Planstelle. Für ein halbes Jahr war er Vollzeit-Vater im Erziehungsurlaub, bevor sich in der Orientierungsstufe der Süderwischschule eine Stelle auftat. Eine Zeit, die er nicht missen möchte.

Diese Fächer polarisieren: Zwischen Leidenschaft und Ahnungslosigkeit

Im Jahr 2000 wechselte er ans Lichtenberg-Gymnasium und 2006 holte ihn Robert Just als stellvertretenden Schulleiter ans benachbarte AAG. Die Schulleiterkarriere sei nicht unbedingt für ihn vorgezeichnet gewesen, merkt Wolfgang Deutschmann an, denn in erster Linie habe er immer sehr gern vor der Klasse gestanden. Er weckte Begeisterung für eine Fächerkombination, die für die einen höchste Leidenschaft und für andere völlige Ahnungslosigkeit bedeutet.

Bei der Frage, ob er die Laufbahnen seiner einstigen Schützlinge verfolgt, leuchten seine Augen auf: Und ob. Ob Akademiker oder Handwerker, ist ihm völlig egal. Viele, die er zum Abitur geleitet hat, haben Naturwissenschaften studiert, promoviert, Firmen gegründet. Gerade hat ihn wieder eine Arbeit erreicht - mitsamt Überraschung, denn beim Aufschlagen des Buchs sprang ihm ein Zitat aus seinem Unterricht entgegen.

Er genießt jedes Ehemaligentreffen auf dem Cuxhavener Weihnachtsmarkt, aber auch das freundliche "Hallo" auf dem Schulflur. Die dunkelste Stunde seines Berufslebens erlebte er an dem Tag, an dem ein Kollege aus dem Schulalltag heraus ganz plötzlich starb. Ein Krisenteam des Kultusministeriums half der Schulgemeinschaft, das Geschehen zu bewältigen.

Jonglieren mit neuen Verordnungen gehörte zum Job

Umstrukturierungen gab es in über drei Jahrzehnten zuhauf: Abschaffung der Orientierungsstufe, G8 (Abitur nach zwölf Jahren), das später aus guten Gründen wieder zurückgenommen wurde, Digitalisierung (für ihn Fluch und Segen zugleich), Inklusion. Nicht zu vergessen die ungeplante Corona-Pandemie.

Einen roten Faden konnte Wolfgang Deutschmann immer entdecken: den Hang jeder Landesregierung, Neuerungen ohne entsprechende Vorbereitung oder Ausstattung durchzudrücken. "Erst Strukturen schaffen, dann einführen, das müsste doch die richtige Reihenfolge sein", sagt er am Beispiel Inklusion: "Diese so schlecht mit Ressourcen zu unterfüttern, kann nicht gut gehen." Auch das Ringen um Ausstattung und Bauunterhaltung ende nie: "Es gibt in Cuxhaven so viele Leuchtturmprojekte, da kann es nicht angehen, dass Schulleiter um jede Kleinigkeit kämpfen müssen. Alles wird so knapp gehalten, dass Schulentwicklung schwerfällt."

Schule soll auch ein Ort der Chancen sein

Zum Glück sind da auch die Erfolgsmodelle; eines davon ohne Zweifel die Erasmus- und Erasmus+-Programme der EU, die neben dem etablierten Schüleraustausch vielen Jugendlichen einzigartige internationale Begegnungen ermöglichten. Das sei auch ein Beitrag zur sozialen Gleichheit: "Viele unserer Schülerinnen und Schüler konnten so das erste Mal ins Ausland reisen."

Demokratiebildung, Naturschutz, MINT-Förderung (Mathematik-Förderung und Naturwissenschaften), all das sind für ihn unverzichtbare Bestandteile seiner Schule, die er nach seinem Ausscheiden in besten Händen weiß, insbesondere in denen seiner Nachfolgerin. Denn zum ersten Mal wird eine Frau an der Spitze des einstigen Jungengymnasiums stehen, während er sich in neuen Rollen üben kann. Langweilig wird's dabei sicherlich in keinem Fall. 

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Maren Reese-Winne

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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