Den Marstall in Cuxhaven-Ritzebüttel unter die Lupe genommen
Kurz vor Ostern rückte ein Rollgerüst am Marstall Ritzebüttel an. Doch statt eines Anstrichs gab es eine umfassende Untersuchung. Was die Experten fanden, könnte über die Zukunft des 205 Jahre alten Gebäudes entscheiden.
Es war ein Bild, das aufhorchen ließ: Kurz vor Ostern stand ein Rollgerüst der Malerei Süß vor dem historischen Marstall am Schloss Ritzebüttel. Kein Anstrich war geplant. Stattdessen machten sich Fachleute daran, das Gebäude von innen und außen genau unter die Lupe zu nehmen.
Die Botschaft dahinter: Der Marstall ist mehr als ein stiller Nebenakteur im Ensemble des Schlossgartens. Er ist ein Sorgenkind und endlich kommt etwas Bewegung in seine Geschichte.
30.000 Euro für die Untersuchungen bereitgestellt
Diplom-Ingenieur Stefan Strauß vom Bremer Büro für historische Bauwerke GBE hat die Untersuchungen geleitet. Sein Team führte eine umfassende Bestandserhebung durch, inklusive Schadenskartierung und holzschutztechnischer Untersuchung. Dazu wurden eigens Holzschutzsachverständige hinzugezogen. Das Gerüst hatte die Firma Süß am Freitag davor aufgebaut. Montag und Dienstag waren die Experten dann vor Ort. Hinter dem Gebäude, auf der Wallseite, hatten die Stadtgärtner zuvor Gestrüpp entfernt. Mehr Licht ans Mauerwerk, auch das ist kein Zufall. Denn Feuchtigkeit ist einer der größten Feinde des fast 205 Jahre alten Fachwerkbaus.
Die Ergebnisse liegen bisher nicht vor. Doch sie sollen bald öffentlich präsentiert werden, und zwar in einem der nächsten Kulturausschüsse der Stadt Cuxhaven. Dann werden Strauß und sein Team vorstellen, was sie gefunden haben: Wo drückt der Schuh? Was ist noch zu retten? Und was kostet das?
1821 wurde der Marstall als Wirtschaftsgebäude gebaut. Seitdem prägt er das Ensemble des Schlosses Ritzebüttel und wartet auf eine grundlegende Sanierung. Der Verein Bürger für das Schloss Ritzebüttel sammelt weiter stetig Geld, das der Sanierung zugutekommen soll.
Gabriele Hoffmann, Fachbereichsleiterin Kultur bei der Stadt Cuxhaven, sieht den jetzigen Schritt als das Fundament für alles, was folgen muss. "Wir mussten erst wissen, wovon wir reden", sagt sie. Ohne eine genaue Schadenskartierung kein Sanierungsplan. Ohne Sanierungsplan keine Fördermittel. Und ohne Fördermittel - das ist allen Beteiligten klar - wird aus der Rettung des Marstalls nichts werden. Die Stadt allein kann das nicht stemmen.
Zur Frage der künftigen Nutzung will Hoffmann noch nichts sagen. Zu früh. Zu viele offene Enden. Im März 2025 hatte Strauß im Kulturausschuss drei Varianten skizziert: ein Museumscafé, eine Ausstellungsfläche oder eine Mischform aus beidem. Doch bevor darüber entschieden wird, muss der Befund auf dem Tisch liegen. Erst das Haus verstehen, dann darüber reden, was darin passieren soll.
Im Obergeschoss des Marstalls gibt es zudem das Problem mit einem Dachbalken, der für langgewachsene Zeitgenossen störend sein könnte. Doch nach Auskunft eines Fachmannes aus der städtischen Bauverwaltung könne die Balkenkonstruktion im Zuge einer Sanierung so umgebaut werden, dass auch groß gewachsene Personen sich nicht den Kopf stoßen.
Drei Nutzungskonzepte angedacht
Melanie Eitzen-Fischer, Vorsitzende des Schlossvereins Cuxhaven, treibt das Thema Marstall mit Nachdruck voran. Auf der jüngsten Mitgliederversammlung machte sie deutlich: Die Sanierung des Marstalls hat für den Verein höchste Priorität. "Die Zeit drängt", sagte sie. Nicht als Floskel, sondern als Mahnung. Denn je länger man wartet, desto größer werden die Schäden und desto teurer wird die Rechnung. Als spätester Fertigstellungstermin für die Schadenskartierung ist der 30. September 2026 vorgesehen.
Eitzen-Fischer kennt das Gebäude gut. Sie kennt die Risse im Fachwerk, die feuchten Stellen, die morschen Fugen. Und sie hat erlebt, wie lange Verwaltung und Politik manchmal brauchen, bis aus Worten Taten werden. Umso mehr setzt sie auf Öffentlichkeit. Auf Druck. Auf die Kraft des bürgerschaftlichen Engagements, das den Schlossverein seit Jahren auszeichnet.
Cuxhaven hat nicht viele historische Gebäude. Der Marstall ist eines davon. Wie einst das Schloss selbst, wie das Gärtnerhaus: Er wäre zu retten, wenn man es jetzt anpackt.


