Symbolische Aktion in Cuxhaven: Kreuz wird zum "Garten des Lebens"
Am Karsonnabend vereinte der Wunsch, das Kreuz sichtbar zu machen, Menschen unterschiedlicher Gemeinden in Cuxhaven. Gemeinsam trugen sie es durch die Stadt und verwandelten es symbolisch in einen "Garten des Lebens".
Es war ein stiller, zugleich kraftvoller Moment, als sich am Karsonnabend Menschen auf dem Buttplatz versammelten. Unterschiedlich waren sie, aus verschiedenen Gemeinden kommend, mit eigenen Lebensgeschichten - und doch einte sie an diesem Vormittag etwas: der Wunsch, das Kreuz sichtbar zu machen. Sichtbar in der Stadt. Sichtbar in den Herzen.
Getragen wurde die ökumenische Aktion "Das Kreuz in die Stadt tragen" von Christinnen und Christen aus der katholischen Kirche im Dekanat Bremerhaven, der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten, der Freien evangelischen Gemeinde (FeG) Cuxhaven, dem evangelisch-lutherischen Kirchenkreis Cuxhaven-Hadeln, dem ICF sowie dem Christus Centrum Cuxhaven - Internationale Hafenkirche. Gemeinsam setzten sie ein Zeichen gelebter Einheit im Glauben.
Zum achten Mal hatte die Aktion stattgefunden. Gegen 11 Uhr wurde ein großes Holzkreuz zusammengefügt. Rund 100 Menschen waren gekommen. Manche schauten neugierig, andere waren bewusst da. Ein erster Impuls wurde gesprochen. Worte über das Kreuz - über Leid, über Hoffnung, über Liebe. Dann setzte sich die Gruppe in Bewegung. Langsam trugen sie das Kreuz durch die Fußgängerzone. Es war kein lauter Zug, kein Protest, kein Spektakel. Es war ein stilles Gehen.
Am Buttplatz sprach Stefan Bischoff von der evangelisch-lutherischen Martinskirche über "Frieden im Unfrieden". "In der Verzweiflung entsteht Hoffnung", sagte er. Am Penzancer Platz nahm Diana Bürsing vom ICF Microchurch Cuxhaven das Thema "Hoffnung in Verzweiflung" auf. Lieder wurden gesungen, leise und getragen.
Weiter ging es zum Vanneter Platz. Dort sprachen Martin und Jeanine Nsengiyumva von der internationalen Hafenkirche über "Versöhnung im Streit". Über das, was möglich wird, wenn Menschen aufeinander zugehen. Auf dem Rückweg ging es um "Trost im Leid", in die Herzen getragen von Uli Flottmann von der Freien evangelischen Gemeinde. Schließlich sprach Christian Piegenschke von der katholischen Kirchengemeinde St. Marien über "Leben im Tod".

Was diese Stunden besonders machte, waren nicht nur die Impulse, sondern die Stimmen der Menschen selbst. Für Gertrude Weinert bedeutete es "zu Hause sein, Ankommen", während Christel Eggers schlicht "Befreiung" darin sah. Ihr Mann Ulrich Eggers sprach von "Hoffnung über den Tod hinaus".
"Wenn ich an das Kreuz denke, denke ich an Frieden", sagte Jürgen Bischoff. Kreuzträger Edmund Beckmann erinnerte an den Leidensweg, während Eckhard Siegmund es persönlich machte: "Egal, wie schwer es ist, ich trage es." Für Frauke Stockmann war das Kreuz "die Rettung vor gut 20 Jahren", am Kreuz halte sie sich fest. Diana Bürsing sprach von "Freiheit, Vergebung und der Liebe Gottes zu uns Menschen". Dunja Künkele verband es mit Nächstenliebe, Juliane Lenz mit "Freude, Frieden und Dankbarkeit".
"Das Kreuz muss in die Gesellschaft getragen und sichtbar werden", betonte Anke Fuhst. Gabriele Neumann empfand tiefe Dankbarkeit dafür, "dass Jesus für mich gestorben ist". Siegfried Haude nannte "Glaube, Hoffnung und Zuversicht", Eugenio-Gomez Casado sagte schlicht: "Das Kreuz ist Christus", und José Lago fasste es zusammen als "die Liebe von Jesus Christus zu uns Menschen".
Es waren einfache Worte. Und doch trugen sie Gewicht. Sie erzählten von Erfahrungen, von Glauben, von inneren Wegen. Immer wieder entstanden Gespräche zwischen Fremden. Für einen Augenblick öffnete sich etwas - ein Raum, vielleicht, wie jemand sagte, "eine kleine Tür zum Himmel".
Am Ende der Aktion veränderte sich das Bild. Das Kreuz, das zuvor nackt und schwer gewirkt hatte, wurde von den Teilnehmenden geschmückt. Mit Osterglocken und Tulpen, Zeichen der Schöpfung. Die Blüten leuchteten - zart und doch kraftvoll. Aus dem Kreuz wurde ein "Garten des Lebens", wie Uli Flottmann es ausdrückte. Ein Zeichen dafür, dass in aller Dunkelheit auch Leben ist - und dass die Macht des Todes nicht das letzte Wort behält.
Von Joachim Tonn