Zum 7. Mal im Schloss Ritzebüttel: "Weltliteratur op platt" von der "Döser Speeldeel"
Im Schloss Ritzebüttel in Cuxhaven wird Weltliteratur auf Plattdeutsch gelesen - von "Love Story" bis "Vom Winde verweht". Die "Döser Speeldeel" begeistert das Publikum, doch nicht jede Übersetzung überzeugt vollständig.
Von Ilse Cordes
Cuxhaven. Was hat "Love Story", der einstige Erfolgsroman des Amerikaners Erich Segals, mit der niederdeutschen Sprache zu tun, oder Margaret Mitchells großes Panorama des amerikanischen Bürgerkriegs "Vom Winde verweht"? Beides erscheint im plattdeutschen Gewand auf dem Programm von "Weltliteratur op platt", dem Abend der "Döser Speeldeel" am Gründonnerstag im Schloss Ritzebüttel.
Große Literatur im plattdeutschen Gewand
Dieses Mal geht es bei der Lesung laut Untertitel um "Liebe, Lust & Leidenschaft". Erfinder des Formats ist Reiner Frericks, viele Jahre engagiertes Mitglied der Niederdeutschen Bühne Cuxhaven. Frericks ist ein begeisterter Leser und hat als solcher die Literatur der unterschiedlichsten Nationen und Sprachen im Blick. Als Plattdeutsch-Begeisterten reizt es ihn, so manches von dem in genau diese Sprache zu übertragen - mal als Übersetzung, mal als freie, gelegentlich sehr freie Nacherzählung.
Die Speeldeeler hat er vor Jahren schon für sein Format begeistern können, was die Tatsache unterstreicht, dass es bereits zum 7. Mal im Schloss stattfindet. Gelesen wird da, wo es sich anbietet, auch szenisch, mit verteilten Rollen. Mit von der Partie an diesem Gründonnerstag sind Grit Dieckmann, Irene Oeltermann, Ingrid Ortmann, Wolfgang Habercorn, Volker Kästner, Klaus Lampe und Helma Schenkelberg.
Zwischen Leidenschaft und Sprachgrenzen
Neben der bittersüßen Liebesgeschichte aus Segals "Love Story" geht es um Lady Chatterleys Leidenschaft zu ihrem Waldhüter, um Shakespeares klassisches Liebespaar Romeo und Julia, um Scarlett O'Hara und Rhett Butler aus Margaret Mitchells einzigem Opus "Vom Winde verweht". Es geht um Literarisches von Giacomo Leopardi und Sinclair Lewis. Eine bunte Mischung also, die sich fraglos unter das Motto des Abends "Liebe, Lust & Leidenschaft" subsumieren lässt.
Ein ausgesprochenes Prä der Zusammenstellung ist, dass Reiner Frericks dieses Mal seinem Publikum auch so manche Information zu den ausgewählten Werken, den Textpassagen und den Zeiten ihrer Entstehung liefert. Eingebunden ist all das in einen gelegentlich betont lockeren Umgang mit dem Original.
Begeisterung - und kritische Fragen
Was ist das Ziel des Ganzen? Soll ein plattdeutsches Publikum auf "Perlen der Weltliteratur" aufmerksam gemacht werden? Oder ist es einfach nur der Punkt, dass es Liebe, Lust und Leidenschaft überall in der Welt zwischen zwei Buchdeckeln gibt? Natürlich gibt es das, aber nicht alles lässt sich so ohne Weiteres ins Plattdeutsche verfrachten. Ein Roman wie "Lady Chatterleys Lover" von D. H. Lawrence zum Beispiel ist sehr englisch, hat sehr viel mit der britischen Gesellschaft zu tun, mit ihren Denk- und Verhaltensweisen. Ähnliches gilt für "Vom Winde verweht". Und vieles stimmt dann ganz einfach nicht mehr, wenn man es ins Plattdeutsche übertragen hört. Was bleibt, ist erneut die Frage: Warum nimmt man für eine solche Lesung nicht gleich das Original? Die niederdeutsche Literatur ist so reich an beeindruckenden Werken, ob sie nun aus vergangenen Jahrhunderten stammen oder aus neuerer und neuester Zeit.
Damit kein Missverständnis aufkommt: Natürlich ist die umfangreiche Arbeit anzuerkennen, die sich Reiner Frericks mit Auswahl, Zusammenstellung und Übertragung gemacht hat. Das ist keine Arbeit, die man "mal eben so" macht! Und anzuerkennen ist ohne Frage auch das, was das Lese-Ensemble an diesem Abend seinem Publikum geboten hat. Schließlich verlangt das eine genaue Einstudierung der Texte, damit am Ende ein lückenloses Zusammenspiel daraus wird. Dass genau das gelang, bestätigte der Beifall.